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31.12.05 / Katzenjammer / Streit um Grazer Schwarzenegger-Stadion

© Preußische Allgemeine Zeitung / 31. Dezember 2005

Katzenjammer
Streit um Grazer Schwarzenegger-Stadion
von R. G. Kerschhofer

Es war einleuchtend, daß man nach Kriegsende Straßen, Plätze, Fabriken und andere Einrichtungen umbenennen mußte, die Namen von NS-Größen trugen. Oft konnte man zu den alten Bezeichnungen zurückkehren, in der Sowjet-Zone mußte man nur die vorgegebenen neuen Idole berücksichtigen, und Fälle wie die Linzer „Hermann-Göring-Werke“ wurden durch Beschlagnahme gelöst.

Weniger einleuchtend ist allerdings, was Jahrzehnte später im Zuge der von Spätgeborenen gewerbsmäßig betriebenen Vergangenheitsbewältigung einsetzte: Da wird eifrig geschnüffelt, ob sich nicht Leute, die durchaus für eigene künstlerische oder wissenschaftliche Leistungen geehrt worden waren, irgendwie in die Nähe des Nationalsozialismus rücken lassen.

In jüngster Zeit treibt der höchst einseitige Umbenennungswahn immer kuriosere Blüten, wobei meist die Grünen federführend sind. So etwa wollten die Wiener Grünen die Wiener Zentagasse umbenennen, weil es doch „unseren türkischen Mitbürgern“ nicht zuzumuten sei, daß in der Schlacht bei Zenta Prinz Eugen die Türken besiegte. Und neulich entdeckte man gar, daß der Wallenstein-Platz und die Pappenheim-Gasse in Wien nach „Kriegsverbrechern“ benannt seien.

Mitte Dezember traten die Grünen mit einem weiteren „Kraftakt“ an die Öffentlichkeit: Sie kündigten einen Antrag im Grazer Gemeinderat an, der im Januar zur Abstimmung gekommen wäre und der darauf abzielte, das nach Arnold Schwarzenegger benannte Grazer Stadion umzubenennen. Die Begründung: Schwarzenegger habe sich in seiner Eigenschaft als Gouverneur von Kalifornien geweigert, einen zum Tode verurteilten Schwerverbrecher zu begnadigen. KPÖ und SPÖ kündigten an, den Antrag zu unterstützen, so daß er eine absolute Mehrheit gefunden hätte. Es sollte allerdings anders kommen – doch zunächst zur Vorgeschichte:

Der aus einem Vorort von Graz stammende Schwarzenegger – die „steirische Eiche“ – hatte es als „Body-Builder“ und später als Hollywood-Star zu Weltruhm gebracht. Im Jahre 1997 wurde das Stadion Graz-Liebenau in „Arnold-Schwarzenegger-Stadion“ umbenannt. Wie der damalige SPÖ-Bürgermeister Stingl bekannt gab, geschah die Ehrung Schwarzeneggers nicht einfach nur in Würdigung seiner Erfolge, sondern speziell wegen seines Einsatzes für Behinderte. Und als Schwarzenegger 2003 kalifornischer Gouverneur wurde, brach in Graz und in der ganzen Steiermark ein wahrer Schwarzenegger-Taumel aus.

Schwarzenegger hatte zwar schon mehrere Begnadigungen abgelehnt, doch den jüngsten Fall sahen die Grünen – die bei den Wahlen recht enttäuschend abgeschnitten hatten – als ihre große Chance, und ein grüner Parlamentsabgeordneter forderte sogar, Schwarzenegger die österreichische Staatsbürgerschaft abzuerkennen. (Wieso manche Leute eine Doppelstaatsbürgerschaft haben dürfen, wäre ein Kapitel für sich.) Aber es wurde ein Rohrkrepierer, denn Schwarzenegger verlangte selbst die Entfernung seines Namens – und untersagte die weitere Verwendung seines Namens in der Tourismus-Werbung der Stadt Graz und des Landes Steiermark! Nun ist der Katzenjammer groß.

Vom Stadion entfernt wurde Arnold Schwarzeneggers Name übrigens in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtstag – eine „Nacht-und-Nebel-Aktion“ im wahrsten Sinn des Wortes.


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