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31.12.05 / Tödliches Doppelleben / Plötzlicher Herztod des Vaters erweist sich als Mord

© Preußische Allgemeine Zeitung / 31. Dezember 2005

Tödliches Doppelleben
Plötzlicher Herztod des Vaters erweist sich als Mord

Jeder Kriminalbeamte weiß, daß in der Geschichte der Verbrechen alles möglich ist. Unter diesem Gesichtspunkt muß sich der Leser Sonja Rudorfs Roman „Die Giftsammlerin“ zu Gemüte führen. Die Handlung ist spannungsgeladen, der Schluß allerdings entbehrt jeder Glaubwürdigkeit.

Die Hauptprotagonistin Eva erbt das Haus ihrer Mutter und eine samtgefütterte Kassette mit kostbarem Schmuck. In einer versteckten Falte steckt ein mit Körnern gefülltes Kunststoffröhrchen. „Das ist vertrockneter Blumensamen, der nützt nichts mehr“, meint ihr Mann Ben.

Einem vagem Impuls folgend, legt Eva das Röhrchen in die Kassette zurück. Tage später findet sie im Schreibtisch ihrer Mutter ein Bündel Briefe. Sie liegen Jahre zurück, stammen von einer Ludmila Navakova aus Prag.

Mit wachsendem Entsetzen liest Eva, daß die beiden Frauen eng miteinander in Verbindung standen, und zwar aus einem schicksalsträchtigen Grund: Sie liebten den gleichen Mann, nämlich Evas an plötzlichem Herzversagen verstorbenen Vater Kurt.

Er führte eine den Frauen verschwiegene Doppelgemeinschaft: In Westdeutschland verheiratet mit Evas Mutter, in dem damals kommunistischen Regime der Tschechoslowakei mit Ludmila liiert, die ihm einen Sohn gebar.

Evas Vater hielt sich über Jahre hinweg wochenlang geschäftlich in Prag auf. Evas Mutter schöpfte keinen Verdacht. Doch eines Tages bekam sie anonym zwei Fotos zugeschickt, die Ludmila mit Kurt und Sohn in trauter Familienszene zeigten. Nur der Name war dem Foto beigefügt. Umgehend setzte sich Evas Mutter mit Ludmila in Verbindung. Der Briefwechsel begann. Die beiden Frauen fühlten sich – jede auf ihre Weise – zutiefst gedemütigt. Lang gehegte Rachegedanken verselbständigten sich. Aus Liebe war Haß geworden. Dann erhielt Evas Mutter von Ludmila das Röhrchen mit frisch gesammeltem „Adonisröschen“-Samen übersandt.

„Adonis Vernalis I“, sogenanntes „Adonisröschen“ ist eine wildwachsende Pflanze; sie enthält das tödliche Herzgift Adonidin. Eva kommt zu einre grauenvollen Erkenntnis: Auf die Grabplatte ihre Vaters hatte die Mutter ein „Adonisröschen“ gravieren lassen.

Und noch einer Wahrheit wird sich Eva bewußt: Ihr Mann Ben betrügt sie, ihre liebste Freundin Annedore erwartet ein Kind von ihm. Eva ist nicht willens, das gleiche Lügenszenarium wie ihre Mutter zu erdulden. Sie erkundet, daß das „Adonisröschen“ im Naturschutzgebiet des Altmühltals beheimatet ist. Dorthin wird sie fahren, aber nicht allein ... Esther Knorr-Anders

Sonja Rudorf: „Die Giftsammlerin“, Nymphenburger, München 2005, 275 Seiten, 18,90 Euro


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