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14.01.05 / Humorvoll und auch rustikal / Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt ausgewählte Werke des flämischen Genremalers David Teniers d. J.

© Preußische Allgemeine Zeitung / 14. Januar 2006

Humorvoll und auch rustikal
Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt ausgewählte Werke des flämischen Genremalers David Teniers d. J.

Dahier pin ich in des Bischofs hauß logiert“, schrieb Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich über einen Besuch bei dem Bischof von Gent, Antoon Triest, an seinen Bruder Kaiser Ferdinand III. am 8. November 1647. „Ist iberauß schen mebliert von gemaln, aber als moderni ma certo excellenti. Unter andern hatt er von einem maler unterschidliche, der haist Tainirs, die seint iberaus schen ... Wan Eure kaiserliche Majestät einmal etwas darvon sehen wirden, waiß ich woll, es wirt derselben gefallen.“ Der Erzherzog war schließlich so begeistert von den Werken des Malers, daß er nicht nur Bilder erwarb, sondern auch den Künstler in seine Dienste nahm.

Es muß heutzutage kein blaues Blut durch die Adern fließen, will man sich an den Werken des Flamen David Teniers des Jüngeren (1610–1690) erfreuen. In der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe wird derzeit ein eindrucksvoller Einblick in das Schaffen dieses Malers gewährt.

Die bedeutende und über die Landesgrenzen hinaus bekannte Sammlung niederländischer Gemälde des 17. Jahrhunderts in Karlsruhe geht auf die Sammeltätigkeit mehrerer Mitglieder der markgräflichen Familien Baden-Baden und Baden-Durlach zurück.

Die im 20. Jahrhundert betriebene Vergrößerung und Pflege dieses Gemäldebestands führte dazu, daß der flämische Genremaler David Teniers d. J. heute mit neun eigenhändigen Werken und mit ebenso vielen Bildern aus seinem Umkreis sowie seiner noch im ganzen 18. Jahrhundert andauernden Nachfolge in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe so zahlreich wie kein anderer Flame oder Holländer seines Jahrhunderts vertreten ist.

David Teniers d. J. zählt neben Peter Paul Rubens (1577–1640), Anthonis van Dyck (1599–1641) und Jacob Jordaens (1593–1678) zu den bedeutendsten flämischen Meistern des 17. Jahrhunderts. Berühmt und zu einem der meistgefragten Genremaler der südlichen Niederlande wurde er mit seinen rustikalen und humorvollen Schilderungen von Alltag und Vergnügen in Flandern.

Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Günther H. Oettinger und dem Ministerpräsidenten der Flämischen Gemeinschaft Yves Leterme zeigt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe in ihrer Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg bis zum 19. Februar erstmals in Deutschland einen weitgespannten Überblick über das vielfältige Œuvre dieses Künstlers. Zu sehen sind rund 90 Gemälde und 20 Zeichnungen von Teniers und einigen seiner berühmten Vorläufer und Zeitgenossen – darunter Adriaen Brouwer (1605/06–1638), Pieter Brueghel d. J. (1564–1638) und Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625). Außerdem präsentiert die insgesamt 140 Exponate umfassende Ausstellung knapp 30 Reproduktionsgraphiken nach Gemälden und drei Teppiche, die nach Motiven von Teniers entstanden.

Teniers wurde 1610 in Antwerpen geboren. Er ging zunächst bei seinem Vater, David Teniers d. Ä., in die Lehre, bevor er 1632 / 33 als Meister in die St.-Lukas-Gilde aufgenommen wurde. Im Jahr 1637 heiratete er Anna Brueghel, die Tochter des 1625 verstorbenen Malers Jan Brueghel d. Ä. und Mündel von Peter Paul Rubens. Durch diese Verbindung stieg Teniers, der vor allem für die Darstellung des bäuerlichen Milieus bekannt wurde, in höchste gesellschaftliche Kreise auf: Als Hofmaler im Dienst des spanischen Statthalters der südlichen Niederlande, des Erzherzogs Leopold Wilhelm, zog er 1651 von Antwerpen nach Brüssel, wo er die einflußreiche Position des Verwalters der umfangreichen erzherzoglichen Sammlung übernahm.

Zu seinen bahnbrechenden Leistungen gehört, daß er mit dem „Theatrum pictorium“ den ersten bebilderten Katalog einer Gemäldesammlung, nämlich der des Erzherzogs, realisierte. Außerdem geht die Gründung der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen im Jahr 1664 wesentlich auf seine Initiative und nicht zuletzt auf seine Verbindung zum Hof zurück.

Die Ausstellung in Karlsruhe veranschaulicht mit Hauptwerken die Entwicklung David Teniers d. J. und den Detailreichtum seines Schaffens. Das Frühwerk entsteht sichtlich noch unter dem Einfluß der stärker moralisierenden niederländischen Genremalerei.

Teniers malt dunkeltonige, von Leben erfüllte Stuben, Scheunen und Gasthäuser, von ausgelassenen Bauern bevölkert, deren derbe Manieren der Lächerlichkeit preisgegeben werden und deren Maßlosigkeit als warnendes Beispiel dient. Außerdem setzt er schmerzvolle Begegnungen mit Quacksalbern und Zahnbrechern oder die unbehagliche Atmosphäre einer Hexenküche ins Bild.

Zunehmend wird sein Blick auf seine Zeitgenossen jedoch freundlicher und entspannter, Stimmung und Palette hellen sich auf, alles dient mehr der Erheiterung und Erbauung als der Ermahnung.

Teniers schildert die Bauern beim Bogenschießen und Kegelspiel oder emsig bei der Arbeit auf dem Feld und in der Scheune, beim Holzfällen, Strohschneiden und Fischen. Die Frauen zeigt er bei der Wäschebleiche, am Brunnen oder in der Küche hantierend. Obschon David Teniers für seine bäuerlichen Genrebilder besonders hoch geschätzt wurde, bilden auch belebte Landschaften, Jahreszeiten-Bilder und pastorale Idyllen einen wichtigen Bestandteil seines Gesamtwerks.

Zuweilen zeigt der Maler daneben elegante Gesellschaften beim Lustwandeln auf ihren Landsitzen. Breiten Raum in seinem Œuvre nimmt die Darstellung der ausgelassenen Dorffeste und Zechgelage ein. Fröhlich tanzend, beim Spiel, rauchend und trinkend sind die Menschen in Wirtsstuben oder unter freiem Himmel gesellig beisammen.

Es entstehen stimmungsvolle Bilder eines flämischen „Arkadien“. Ein Paradebeispiel für die beschauliche Heiterkeit, mit der er dieses Landleben ins Bild setzt, ist das große „Dorffest“ von 1648 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

Dem Karlsruher Museum ist es erneut gelungen, Spitzenwerke aus zahlreichen deutschen und internationalen, aus privaten und auch aus öffentlichen Sammlungen für diese Ausstellung zusammenzutragen.

Die Ausstellung verspricht durchaus aufregende Entdekkungen sowohl für Kunstfreunde als auch für Kenner, denn viele der ausgestellten Gemälde wurden bisher noch nie öffentlich gezeigt. skk / os

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Hans-Thoma-Straße 2–6, www.teniers.de, Öffnungszeiten: Täglich, außer Montag, von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 8 / 6 Euro, Katalog: Kehrer Verlag, Heidelberg, 400 Seiten, 90 Farbabbildungen, 28 Euro, bis 19. Februar.

Schon Erzherzog Leopold Wilhelm war begeistert

Mit seinen rustikalen Schilderungen wurde er bald zu einem der meistgefragten Genremaler der südlichen Niederlande

Ausgelassene Feste nehmen einen breiten Raum ein

David Teniers d. J.: Dorffest (Öl, 1648, Ausschnitt) Foto: Museum


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