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14.01.05 / Gebaute Welt / Neues Buch: Deutsche Architektur seit 1900

© Preußische Allgemeine Zeitung / 14. Januar 2006

Gebaute Welt
Neues Buch: Deutsche Architektur seit 1900

Die gebaute Welt, in der wir leben, die uns tagtäglich begegnet, mag uns in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen manchmal Rätsel aufgeben: Warum hat der Architekt das Haus oder den Wohnblock ausgerechnet so gebaut? Was wollte er mit den verwinkelten Balkons erreichen? Hatten die Scheingiebel, die Ecktürmchen einst eine besondere Bedeutung?

Der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt, der Baugeschichte an der Bochumer Ruhruniversität lehrt, ist in seinem neuen Buch Deutsche Architektur seit 1900 (Deutsche Verlagsanstalt, München, 592 Seiten, etwa 850 Abb., gebunden, 49,90 Euro) den Fragen nachgegangen, welche Vorstellungen und Leistungen Architekten und Planer entwickelt haben, wo sie gescheitert sind und wo sie Erfolg hatten, welche Kräfte sie behindert oder gefördert haben, was auf dem langen Weg zum heutigen Zustand an Können, Qualitäten und Ideen verlorengegangen ist. Entstanden ist ein überaus lesenswertes Buch, das auch für Laien durchaus interessant ist, weiß doch Pehnt spannend zu erzählen und zugleich sein fundiertes Wissen um die historische Entwicklung und den aktuellen Stand der Baukultur in Deutschland zu vermitteln.

Der Blick auf mehr als 100 Jahre Baukultur bedeutet auch ein Blick auf einen Zeitraum deutscher Geschichte, der sehr bewegt war. Das Kaiserreich, die Weimarer Republik, die Diktatur der Nationalsozialisten sowie die der Kommunisten in der DDR und schließlich die Demokratie in der Bundesrepublik, nicht zu vergessen zwei verheerende Weltkriege – sie alle prägten die Baukultur in Deutschland. Pehnt nennt die Namen der Großen wie Max und Bruno Taut oder Erich Mendelsohn, Hans Scharoun und Peter Behrens, er richtet aber auch sein Augenmerk kritisch auf das Geschehen am Rande und zeichnet sowohl die Zusammenhänge wie auch die Konflikte auf, die zwischen Baukultur und Baupolitik entstehen. Wichtig aber ist ihm vor allem der Mensch, denn Architektur sei schließlich „die Kunst, das Leben der Menschen sinnvoll zu organisieren“, und dazu gehöre auch, daß der Mensch sich wohl fühlt und glücklich ist. SiS


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