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14.01.05 / Aufstieg einer jungen Dame / Ausstellung in Gütersloh zeigt die Barbiepuppe nicht nur als sinnlose Schönheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / 14. Januar 2006

Aufstieg einer jungen Dame
Ausstellung in Gütersloh zeigt die Barbiepuppe nicht nur als sinnlose Schönheit

So schön sinnlos – so sinnlos schön“, schrieb einmal ein Verehrer in das Poesiealbum einer jungen „Dame“, die mittlerweile stramm auf die 50 zugeht. Von Millionen verehrt und geliebt, und von wohl ebenso vielen verabscheut oder gar verachtet, gehört Barbie, die lange Blonde mit den Stöckelschuhen, seit langem zu den Kultobjekten der Spielzeugwelt. Sie mißt gerade mal 29 Zentimeter und geizt nicht mit ihren weiblichen Reizen. – Was ihren Gegnern geradezu Munition für die Kritik gab.

Schon in den 1950er Jahren erfreute sie, allerdings zunächst als Comic-Figur von Reinhard Beuthin in der „Bild“-Zeitung und unter dem Namen Lilli, später auch als Puppe, die Betrachter.

Der Amerikanerin Ruth Handler, die gemeinsam mit ihrem Mann die Firma Mattel betrieb, gefiel die Puppe und sie nahm sie mit über den „großen Teich“, ließ Lilli dort weiterentwickeln und nannte sie nach ihrer Tochter „Barbie“.

Am 9. März 1959 kamen erste Exemplare der Puppe auf den amerikanischen Markt.

Mittlerweile wird Barbie in mehr als 140 Länder verkauft (über eine Milliarde Mal) und hat mehr als 60 Verwandte und Freunde. Um ihre Garderobe wird sie so manche Frau beneiden, wurde sie doch sogar schon von Karl Lagerfeld eingekleidet. Künstler wie Andy Warhol haben sie porträtiert, und manch eine Frau versuchte gar, mit teuren Schönheitsoperationen auszusehen wie die Blondine mit der Wespentaille.

Das Stadtmuseum Gütersloh widmet der weltweit berühmten Barbie nun eine Sonderausstellung und zeigt Exemplare aus der weltweit größten Barbie-Sammlung von Bettina Dorfmann und Karin Schrey.

Die Ausstellung verfolgt den Weg des meistverkauften Spielzeugs der Welt von den 50er Jahren bis heute. Gewiß, eine Schmusepuppe, das war Barbie nie. Und da sie bei vielen lediglich als Modepuppe gilt, wird sie als pädagogisch nicht sonderlich wertvoll oder gar als schädlich betrachtet.

Die Barbie-Expertinnen Dorfmann und Schrey zeigen nun eine andere Seite der Barbie, jenseits von Glanz und Glamour. Es sind die berufstätigen Barbies, die in Gütersloh zu sehen sind. Die Vielfalt der Berufe ist groß. Von der Archäologin zur Soldatin, von der Pilotin zur Präsidentschaftskandidatin: Barbie spiegelt die moderne Welt der weiblichen Berufstätigkeit wider. Das ist eine neue Seite an ihr. So ist die Ausstellung keine nur spielzeuggeschichtliche, sondern vor allem eine kulturgeschichtliche.

Darüber hinaus können mit einer Profilanalyse nach dem H.D.I.-Modell Präferenzen und Neigungen bei Berufswahlentscheidungen getestet werden.

Bei diesem Modell handelt es sich um eine Methode, die weltweit in vielen Unternehmen und Organisationen für Teamtrainings, Bewerberauswahl und ähnliches eingesetzt wird.

Dieser Aspekt ist besonders für Schulklassen im Übergang zwischen Schule und Beruf besonders interessant.

Ernüchternd ist freilich die Erkenntnis, daß sich die faktische Situation weiblicher Berufstätigkeit in den vergangenen fünf Jahrzehnten wenig geändert hat: 1959 wie heute zählen Einzelhandelskauffrau – die frühere Verkäuferin –, Sekretärin und Arzthelferin zu den Top 4 unter den weiblichen Berufen. os/sg

Das Stadtmuseum Gütersloh, Kökerstraße 7–11a, 33330 Gütersloh, ist dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, am Wochenende von 11 bis 17 Uhr geöffnet, bis 19. Februar.

Erfolgreiche Blondine: Barbie als Präsidentschaftskandidatin Foto: Museum


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