19.01.2022

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14.01.05 / Die ostpreußische Familie / Lesern helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / 14. Januar 2006

Die ostpreußische Familie
Lesern helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

neues Jahr – neue Wünsche! Das Muster für unsere Ostpreußische Familie ist vorgegeben, und unsere Leserinnen und Leser stricken fleißig weiter. „Lang gehegt“ hat Lieselotte Rüppel geborene Waschulewski ihren Wunsch, aber nun ist es wirklich höchste Zeit, denn ihre Suchfrage betrifft ihre seit Ostern 1945 verschleppte Schwester Erika und der Kreis der eventuellen Zeitzeugen ist nicht sehr groß. Die sucht nämlich Frau Rüppel, denn sie hofft noch immer, daß jemand mit Erika Waschulewski auf deren Leidensweg zusammen war. Die am 29. Oktober 1919 in Schuchten, Kreis Treuburg Geborene wurde am 2. April 1945 zusammen mit einer Freundin von den Russen verschleppt. Dies geschah zwischen Althöfen und Bruchwalde, Kreis Sensburg. Die beiden jungen Frauen waren zur Zwangsarbeit in einer Kolchose in Althöfen eingeteilt und hatten für einen Tag „Osterurlaub“ bekommen, um ihre Angehörigen zu besuchen. Aber die Eltern Waschulewski warteten in Bruchwalde vergeblich auf die Tochter, denn obgleich diese eine schriftliche Bescheinigung vom Leiter der Kolchose besaß, daß sie dort im Arbeitsverhältnis stehe und die Straße ungehindert passieren könne, wurde sie von einer Russenhorde abgefangen. Sie wie auch ihre Freundin wurden zusammen mit anderen jungen Frauen auf einen Lastkraftwagen getrieben und abtransportiert. Die Freundin kehrte im August 1945 sehr krank nach Bruchwalde zu ihren dort verbliebenen Familienangehörigen zurück. Von ihr erfuhr die Familie Waschulewski, daß Erika in das Gefängnis Bartenstein gekommen sei, über den weiteren Verbleib konnte sie aber nichts sagen. Bis heute blieb ihr Schicksal ungeklärt. Auf einem Treuburger Treffen sprach Frau Rüppel mit einem alten Bekannten aus dem Nachbarort Erlental, der sagte, daß er Erika in Pr. Eylau gesehen habe. Dann müßte diese dort zur Arbeit eingesetzt worden sein. Nun hofft Frau Rüppel, daß sich vielleicht ältere Leserinnen, die damals ein ähnliches Los erlitten, an Erika Waschulewski erinnern. Es ist nicht das einzige ungeklärte Schicksal in der Familie, denn auch Frau Rüppels Bruder Albert Waschulewski, * 10. Mai 1922 in Schuchten, wird seit dem 31. Dezember 1943 bei den Kämpfen am Brückenkopf Nikopol-Dnjepr vermißt. Er gehörte dem Gebirgsjäger Regiment 144 / 3. Gebirgsdivision, Feldpostnummer 09469 D, an. Frau Rüppel wäre über jeden, auch den kleinsten Hinweis dankbar (Lieselotte Rüppel, Wacholderweg 9 in 34125 Kassel, Telefon 05 61 / 81 34 41).

Wie tief die ostpreußischen Wurzeln manchmal im Boden der Gegenwart verankert sind, beweist der Suchwunsch von Waltraud Pfeffer aus Mittenwald. Sie schreibt: „Eigentlich bin ich Rheinländerin, wohne seit 30 Jahren in Bayern, habe aber masurische Wurzeln.“ Deshalb ist sie eine treue Leserin unserer Zeitung, deshalb reist sie schon seit zwölf Jahren nach Masuren zur Spurensuche und wurde auch bereits im Staatsarchiv Allenstein und auf dem Standesamt Ortelsburg fündig. Aber es bleiben doch noch Fragen offen, die sich auf die Familie ihres Urgroßvaters Gottlieb Skrzeba beziehen. Dieser ging, wie so viele junge ostpreußische Männer, Ende des 19. Jahrhunderts nach „oberwärts“, wie man damals sagte, um als Bergmann zu arbeiten. Gottlieb Skrzeba, * 24. Dezember 1870 in Beutnerdorf, war verheiratet mit Karoline geborene Liba, * 28. September 1869 in Leynau bei Groß Schöndamerau. Das Ehepaar hatte bereits ein Kind, als es 1898 nach Gelsenkirchen-Bülse kam. Um diesen Ur-

großvater geht es nun bei den von Frau Pfeffer gestellten Fragen. Hatte Gottlieb Skrzeba noch Geschwister? Blieben diese in der Heimat oder gingen sie auch in das Ruhrgebiet? Leben noch Nachfahren von ihm oder seinen Geschwistern? In seiner Heimat weilte Gottlieb Skrzeba einige Zeit in Fiugatten (Fingatten), wohl ein Vorwerk von Ortelsburg oder zu diesem gehörend. (Im „Geographischen Ortsregister Ostpreußen“ steht dieser Name für „Abbau zum Vorwerk Ortelsburg“). Nach 1900 wurde Fiugatten in Ortelsburg eingemeindet. Frau Pfeffer hat auf einer ihrer vielen Masurenreisen das Areal gefunden, aber vom Gut steht nichts mehr. Nun bittet sie um Informationen über diesen Ort und das Gut und wäre vor allem sehr erfreut über alte Abbildungen. (Waltraud Pfeffer, Am Fischweiher 24 in 82481 Mittenwald, Telefon 0 88 23 / 51 25, E-Mail: ww.pfeffer@t-online.de).

Ein Foto wünscht sich auch Ewald Rieg aus Wittislingen, und diesmal führt die Frage an die Memel zum alten schönen Tilsit. Und das hat einen besonderen Grund. Herr Rieg bekam erst kürzlich durch Zufall Kontakt zu einer Tochter seines ehemaligen Chefs aus Tilsit, die aber im We-

sten geboren ist. Die Dame hat ihn schon oft besucht, und Herr Rieg konnte ihr viel erzählen über die Heimat ihrer Eltern, was sie bisher nicht wußte. Nun möchte er sie mit einem Bild von dem Haus überraschen, in dem ihre Eltern in Tilsit wohnten. Das dürfte nicht unmöglich sein, denn es handelt sich um die Hohe Straße, diese pulsierende Schlagader der Stadt, allerdings nicht um eine allgemeine Ansicht, sondern um das Haus Nr. 81. Es war das Eckhaus Hohe Straße / Saarstraße, das 1944 durch Bomben zerstört wurde. Herr Rieg benötigt die Ansicht von der Hausfront Hohe Straße. Er hofft, daß ehemalige Tilsiter noch eine Aufnahme von diesem Teil der Hohen Straße besitzen und ihm das Original – selbstverständlich mit Rückgabe – oder eine Kopie überlassen. Es wäre für ihn und die „nachgeborene“ Tilsiterin sicherlich eine große Freude (Ewald Rieg, Sapperalllee 2 in 89426 Wittislingen, Telefon 0 90 76 / 5 04).

Noch einmal ein Wunsch von Susi Dahlke-von Terzi. Sie hatte ihn zusammen mit den beiden bereits veröffentlichten im Dreierpack übersandt, aber diesen mußte ich zurückstellen, weil ich noch nähere Angaben benötigte. Es handelt sich um Veröffentlichungen ihres Vaters Alfred Otto von Terzi, der als Redakteur und Schriftleiter auch in Lyck, Königsberg und Braunsberg tätig war, und dessen Name sicherlich manchen älteren Landsleuten bekannt ist. 1889 in Wien geboren, hat Herr von Terzi in seiner Heimatstadt und in Graz studiert und schon während dieser Zeit einige Abhandlungen über studentische Verbindungen wie die Broschüre „Fechten und Mensur in Österreich“, die er als 24jähriger herausgab, veröffentlicht. Später erweiterte er diesen Bereich, vor allem während seiner Tätigkeit als Schriftleiter der „Deutschen Hochschulzeitung“, so daß von Terzi als „Studentengeschichtler“ bekannt wurde. Von seinen zahlreichen Arbeiten wären besonders zu nennen die Schrift zum 50jährigen Bestehen der Deutschen Landsmannschaft, die Chronik der Landsmannschaft Normannia Wien und die Geschichte der Prager Studentenverbindungen. Frau Dahlke-von Terzi hätte nun gerne für ihre Kinder einige dieser Veröffentlichungen ihres 1977 verstorbenen Vaters, auch als Kopie, und fragt, wo sich solche befinden könnten – vielleicht in Bibliotheken, Archiven oder in privaten Bücherschränken ehemaliger Verbindungsstudenten. Für diesbezügliche Hinweise wäre sie dankbar (Susi Dahlke-von Terzi, Siemensstraße 26 in 71636 Ludwigsburg, Telefon 0 71 41 / 44 66 34).

Ach ja, noch einmal „zurück zu den Wurzeln“: Die ihrer Familie fand Elisabeth Jacobshagen im vergangenen August in Schloßbach / Pillupönen greifbar in dem noch vorhandenen Haus ihrer Großeltern Georg und Wilhelmine Waltereit. Sie besaßen eine kleine Landwirtschaft und verwalteten auch die Post im Ort. Im Internet fand Frau Jacobshagen nun den Hinweis auf ein Kirchspieltreffen Schloßbach, das allerdings schon im Oktober 2003 in Düsseldorf stattgefunden hat. Ihre Frage ist einfach: „Wer weiß etwas davon und kann von dem Treffen oder auch von alten Zeiten erzählen?“ Da meine Mutter aus diesem Kreis stammt, besitze ich die geradezu akribisch erstellte Dokumentation „Der Kreis Stallupönen (Ebenrode)“ von Dr. phil. Rudolf Grenz. Und siehe da: Ich fand in dem Verzeichnis der landwirtschaftlichen und sonstigen Betriebe im Ortsbereich Schloßbach auch „Georg Waltereit, Posthalter“! Ja – was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen! Ich glaube, Sie werden viele Zuschriften bekommen, liebe Frau Jacobshagen. Bleibt für mich nur noch ein kleiner Tipp: Lesen Sie sorgfältig die Berichte aus den Heimatkreisen in unserer Zeitung (Elisabeth Jacobshagen, Sögeler Straße 64 in 30539 Hannover, Telefon 05 11 / 52 17 25)!

Noch einmal zu der in Nr. 50 erschienenen Frage von Herrn Dr. med. Kaiser nach dem in Alt-Preußen gelegenen Ort Klippenfeld, aus dem die Vorfahren einer aus Rußland stammenden deutschen Krankenschwester stammen sollen. Sie wurden von der Zarin Katharina der Großen im Ural angesiedelt. Nun konnte Herr Dr. Kaiser diesen Platz präzisieren: Es handelt sich um die Region Orenburg im Südural, wo es zwölf vorwiegend von Deutschen bewohnte Dörfer gibt beziehungsweise gab. Bemerkenswerterweise soll sich dort unter den Bewohnern der ostpreußische Dialekt der Urheimat erhalten haben. Aber wo lag bloß dieses Klippenfeld? Bislang war nichts über den Ort und die Umsiedlung zu erfahren. Ist auch für uns ein interessantes Thema, da anscheinend kaum bekannt (Dr. med. G. Kaiser, Karl-Engelhard-Straße 7 in 34286 Spangenberg, Telefon 0 56 63 / 79 00, Fax 0 56 63 / 9 10 49).

Eure Ruth Geede


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