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21.01.05 / Auf Kollisionskurs / Warum Greenpeace seine Strukturen auch vor den eigenen Anhängern abschottet

© Preußische Allgemeine Zeitung / 21. Januar 2006

Auf Kollisionskurs
Warum Greenpeace seine Strukturen auch vor den eigenen Anhängern abschottet

Dirty Money (schmutziges Geld) – so überschrieb die amerikanische Organisation „Public Interest Watch“ vor zwei Jahren ihren Bericht über Greenpeace, in dem den Öko-Saubermännern massive Verstöße gegen das Steuerrecht der USA vorgeworfen wurden. Darüber hinaus wurden in diesem Dokument die gesamten Strukturen von Greenpeace als illegal bezeichnet. So trägt die Lektüre dieses Berichts dazu bei, daß man sich über den jüngsten Zwischenfall in der Antarktis, die Kollision eines Greenpeace-Schiffes mit einem japanischen Walfänger, schon gar nicht mehr wundert.

Wundern kann man sich allenfalls noch darüber, daß den selbsternannten Regenbogen-Helden die gewohnte Unterstützung im linken Medienlager inzwischen versagt bleibt. So thematisierte „Spiegel Online“ ausführlich und mit erkennbarer Sympathie die massive Kritik nahezu aller seefahrtkundigen Experten an den wunderlichen nautischen Manövern der „Arctic Sunrise“, die schließlich in der Flanke – mittschiffs Steuerbord – der „Nisshin Maru“ endeten.

In den nunmehr fast 35 Jahren seit Gründung von Greenpeace im kanadischen Vancouver haben die weltweit agierenden Spendensammler sich stets auf eine bestens funktionierende Öffentlichkeitsarbeit verlassen können. Vor allem der deutsche Zweig, 1980 in Bielefeld gegründet, tat sich hier unrühmlich hervor. „Spontane“ Aktionen waren in Wahrheit akribisch vorbereitet, befreundete Zeitungs- und Rundfunkredaktionen waren eng in die Planung eingebunden. Selbst die Standorte „zufällig“ anwesender Fernsehkameras wurden nicht dem Zufall überlassen; zum Beispiel wurde vor einer spektakulären Aktion gegen Bayer Leverkusen in Kölner Journalistenkreisen von einer sorgfältig getarnten „Generalprobe“ gemunkelt.

Nicht zuletzt dank der Hilfe öffentlich-rechtlicher Meinungsmacher, die sich nicht scheuten, selber zu inszenieren, worüber sie anschließend „objektiv“ berichteten, konnte Greenpeace zu einer machtvollen und finanzstarken Organisation aufsteigen. Zum Erfolgsrezept gehörte aber auch von Beginn an die lückenlose Abschottung der Führungs- und Entscheidungsstrukturen – auch gegenüber dem eigenen „Fußvolk“.

Greenpeace Deutschland zählt zur Zeit nahezu 550000 Förderer. Überwiegend sind das umwelt- und friedensbewegte Idealisten, die glauben: „Wir sind Greenpeace.“ Tatsächlich aber sind sie nur die Geldgeber, ohne jeden Einfluß darauf, was mit ihren Spenden geschieht. Und es geht hier nicht um die legendären „peanuts“; der Jahresetat pendelt zwischen 35 und 40 Millionen Euro!

Die Öffentlichkeit lernt meist nur die mittlere Ebene der Greenpeace-Struktur kennen: schätzungsweise 2000 Aktivisten, die gezielt für alle möglichen spektakulären Aktionen eingesetzt werden. Hier findet man eine bunte Melange aus idealistischen Weltverbesserern, Abenteurern mit einem sehr weit gefaßten Verständnis von „Gewaltfreiheit“, verbohrten Ideologen und Demo-Reisekadern, die heldenhaft vermummt durchs Land ziehen und bei jedem Krawall dabei sind, ohne im Einzelfall zu wissen, wogegen sie gerade zu sein haben.

Gesteuert werden die Männer und Frauen „fürs Grobe“ von einer weitgehend anonymen Mitgliederversammlung, wie sich das oberste Beschlußgremium nennt. Von den 40 Mitgliedern sind zehn feste Mitarbeiter von Greenpeace Deutschland, weitere zehn von ausländischen Greenpeace-Organisationen, ferner „Personen des öffentlichen Lebens“ sowie „ehrenamtliche Mitarbeiter“. Demokratische Wahlen gibt es nicht, eine demokratischen Regeln genügende Kontrolle des Finanzgebarens ebenfalls nicht. Unbekümmert räumt Greenpeace sogar öffentlich ein, „hierarchische Strukturen“ zu benötigen, um „schnell, flexibel und effektiv arbeiten zu können“.

Was mag damit gemeint sein? Der naheliegende Verdacht: Schnell erkennen, wenn der Spendenfluß verebbt, flexibel zum nächstbesten sich gerade anbietenden Panik- und Weltuntergangsthema greifen und dieses mit so effektvoller Dramaturgie hochziehen, daß kein „Anständiger“ in diesem Lande es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, den tapferen „Rächern der Entlaubten“ Herz und Portemonnaie zu verschließen.

Ob das auch noch gelingt, nachdem Greenpeace nicht nur mit japanischen Wahlfängern, sondern auch mit deutschen Leitmedien auf Kollisionskurs geraten ist, wird die Öffentlichkeit vielleicht nie erfahren – wohl aber der Schatzmeister von Greenpeace. M.S.

Von Demokratie und Transparenz hält Greenpeace nichts

Wer rammt hier wen? Die „Arctic Sunrise“ (links) kommt zwar von der Steuerbordseite der „Nisshin Maru“, fährt aber nicht das seemännisch vorgeschriebene „Manöver des letzten Augenblicks“. Foto: AP


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