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21.01.05 / Wenig Licht und wunderbarer Glanz / Schon jetzt sind erste Ausstellungen zum 400. Geburtstag von Rembrandt in den Niederlanden zu sehen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 21. Januar 2006

Wenig Licht und wunderbarer Glanz
Schon jetzt sind erste Ausstellungen zum 400. Geburtstag von Rembrandt in den Niederlanden zu sehen
von Silke Osman

Zum 400. Geburtstag des großen niederländischen Malers Rembrandt van Rijn (1606–1669) finden an vielen Orten Ausstellungen statt – von Rembrandts Bibelverständnis bis hin zu seiner Mutter bleibt kein Aspekt unbeleuchtet. Sogar ein Musical ist dem großen Meister gewidmet. Henk Poort, der die Titelrolle übernommen hat, will vor allem das Rebellische des Malers hervorheben. Dem Künstlerischen widmen sich die diversen Ausstellungen, die nicht nur in Leiden, wo Rembrandt das Licht der Welt erblickte, und Amsterdam, wo er seine größten Erfolge feierte, aber auch Niederlagen erlitt, zu sehen sind (siehe Kasten unten).

Zwei niederländische Maler sind es, wenn auch aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammend, die immer wieder in den Schlagzeilen der Weltpresse auftauchen. Der eine, Vincent van Gogh, erzielt heute, mehr als 100 Jahre nach seinem Tod, astronomische Preise auf Auktionen, während das ebenfalls unbezahlbare Werk des anderen, Harmensz van Rijn, besser bekannt als Rembrandt, Opfer von Attentätern oder gar als nicht von ihm stammend entlarvt wird. So wurde der legendäre „Mann mit dem Goldhelm“, von Wissenschaftlern in Berlin untersucht und seines illustren Namens beraubt. Nunmehr gilt er „nur“ noch als aus dem Kreis um Rembrandt stammend. Ist er deshalb weniger bedeutend?

Immer wieder stoßen Experten auf angebliche Werke von Rembrandt – in Amsterdam, in Kassel, New York und Den Haag. „Der ,Mann mit dem Goldhelm‘ befindet sich also in guter Gesellschaft“, las man damals im „Rheinischen Merkur“. Und: „Eines Tages erleidet sein Maler noch das Schicksal Shakespeares, von dem besonders wohlmeinende Kenner behaupteten, er habe nie existiert.“

Eine Parallele zu Shakespeare, wenn auch ganz anderer Art, sieht im Jahr 1906 ein damals 22jähriger Journalist und Schriftsteller – der spätere erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss. In einem Essay schreibt Heuss über den holländischen Meister, den er an den Beginn einer spezifisch nordischen, protestantischen, bürgerlichen Kunst setzt: „Bei Rembrandt liegt es genau wie bei Shakespeare: es ist unmöglich und eine Versündigung gegen das Genie, will man ihn oder sein Werk auf eine Formel bringen. Das Wesentliche, was er schafft, ist im tiefsten Sinne Emanation seines Lebens und seiner Persönlichkeit, und dieses Leben heißt: schaffen, grübeln, wachsen, verwerfen und gewinnen, diese Persönlichkeit hält ungemessene Steigerungen eines großen Temperaments umschlossen. Alles fließt. Deshalb betont auch die Literatur bei keinem Künstler so stark wie bei Rembrandt den Zusammenhang von Arbeit und Lebensschicksal ...“

Geboren am 15. Juli 1606, vor nunmehr 400 Jahren, im niederländischen Leiden als Sohn eines Müllers, wächst Harmensz van Rijn in einer Zeit auf, die geprägt ist vom Freiheitskampf seiner Heimat gegen das sie unterjochende Spanien. Eine neue, eine bürgerliche Kultur entsteht, Kaufleute und wohlhabende Bürger werden zu Mäzenen der Kunst. Der Junge besucht eine Lateinschule und wechselt schon früh, wie es damals Brauch war, zur Universität über.

Seine Eltern erkennen jedoch bald die Begabung des Jungen und lassen ihn bei den Malern van Swanenburg und Pieter Lastmann ausbilden. Bei Swanenburg begegnete Rembrandt übrigens der Kunst, Motive durch Licht- und Schatteneffekte eindrucksvoll zu gestalten. Gemeinsam mit Jan Lieven unterhält er in Leiden schließlich eine Werkstatt, bis er 1631 seine Vaterstadt verläßt und sich in Amsterdam niederläßt.

Rasch steigt sein Ansehen in der Kunstwelt, nicht zuletzt durch Porträtaufträge, die er zur Zufriedenheit ausführt. 1634 heiratet er die Bürgermeistertochter Saskia van Uylenburgh.

Zahlreiche Selbstporträts und Bildnisse seiner jungen Frau fallen in diese Zeit, die vom Erfolg geprägt ist. Diese heitere Stimmung schlägt sich denn auch in seinen Werken nieder, die in „ihrer aufgehellten Farbigkeit wie im kraftgeschwellten Duktus ihrer Pinselführung“ auffallen.

1642 jedoch stirbt Saskia nach der Geburt des Sohnes Titus, Rembrandt vereinsamt. Im gleichen Jahr malt er die berühmt gewordene „Nachtwache“. Die Schützengilde hat es in Auftrag gegeben, ist jedoch gar nicht begeistert von der Interpretation des Meisters. Rembrandts Aufträge gehen zurück. Ist sein Stern im Sinken begriffen?

Der Künstler wendet sich schließlich in dieser Zeit vor allem biblischen Themen zu. Seine Schaffenskraft ist keineswegs gelähmt. Und doch gerät er durch mangelnde Weitsicht in finanzielle Bedrängnis; sein Haus mitsamt den kostbaren Sammlungen wird zwangsversteigert. Hendrikje Stoffels, die Lebensgefährtin, und Sohn Titus helfen, die Not zu lindern; sie gründen eine Kunsthandlung, in der Rembrandt offiziell Beschäftigung erhält. Als dann Hendrikje (1663) und Titus (1666) sterben, ist die Not wieder groß. Bis zu seinem Tod am 4. Oktober 1669 lebt der Meister in ärmlichen Verhältnissen und wird in aller Stille in der Amsterdamer Westerkerk beigesetzt. – Fast zwei Jahrhunderte später erst wird ihm in Amsterdam ein Denkmal gesetzt.

Ist ihm diese Ehrung auch erst spät zuteil geworden, die Kunstwelt des Abendlandes hat sich immer wieder mit Rembrandt und seinem Werk auseinandergesetzt. Die Spannbreite reichte von tiefer Verehrung bis zur harten Kritik. Agnes Miegel, die große Dichterin aus Königsberg, widmete ihm 1907 eine Ballade: „Am schiefen kleinen Fenster eines schmalen, / Engbrüstigen Hauses in der Prinzen-gracht / Malt Rembrandt bei des Winterabends Strahlen, / Der draußen Mast und Segel rot entfacht, / Mit welker Hand, die leise von des Weines / Verrat bebt, im zerfetzten Pelz, bestaubt / Und grau wie sein wirres Haar, an eines / weißblonden Engels zartem Kinderhaupt ... Weit vorgebückt / Sieht Rembrandt auf des Lichtes Märchentrug. / Sein Antitz leuchtet kindlich, jäh entzückt, / Er fühlt verjüngt die greisen Adern klopfen. / Er atmet auf, dehnt die erschlafften Glieder / Und pfeift. Aus den verschwollnen Augen tropfen / Langsam und heiß zwei große Tränen nieder.“

Im gleichen Jahr 1907 schreibt Lovis Corinth, Maler aus Tapiau, an seine Frau Charlotte nach Berlin von einem Besuch in Darmstadt, wo er eines seiner Bilder („Trifoleum“ im Landesmuseum) wiedersehen wollte: „Ein prachtvoller Rembrandt ist da. Es ist schon zu gemein, wie viele schöne Sachen es gibt ...“ Corinth fühlte sich schon früh angezogen von den Werken der großen Niederländer, von Frans Hals und von Rembrandt. Mit seinem Vater war er vermutlich bereits 1884 von Antwerpen aus in Amsterdam. Gute vier Jahrzehnte später zog es den Ostpreußen, in dessen Werk so viele Parallelen zu Rembrandts Schaffen zu finden sind, wieder nach Amsterdam. Es sollte seine letzte Reise sein, zu der er im Juni 1925 mit einem ehemaligen Schüler aufbrach. In Amsterdam erkrankte Corinth schwer; auf Empfehlung des Arztes ging seine Frau mit ihm nach Zandvoort an die Ostseeküste. Dort starb Corinth am 17. Juli 1925. Zuvor aber hatte er noch die Werke seiner geliebten niederländischen Meister sehen können. Er schrieb an Charlotte nach Berlin: „Amsterdam ist recht interessant, aber teuer. Es gipfelt natürlich in Rembrandt. Das sind freilich Bilder, die bewundernswert sind. Es ist doch erstaunlich, daß keiner von den Rindsviechern sie damals erkannt hat ...“

Rembrandts Bilder zeichneten sich durch einen besonderen Stil aus, indem er nur wenig Licht zulasse und diesem wenigen einen wunderbaren Glanz verleihe, sagte Sir Joshua Reynolds 1781. Seine Bilder hätten Ähnlichkeit mit Akkorden großer Musik, hat ein anderer Kunstkenner einmal für sich festgestellt. „Die Dinge nehmen eine neue Färbung und Bedeutung an, nicht weil sie sich verändert haben, sondern weil in unserem eigenen Innern ein neues Organ aufgeschlossen wurde.“ Vielleicht bringen die einzigartigen Werke Rembrandts gerade in diesem besonderen Jahr in den Menschen wieder etwas zum Klingen; das ließe hoffen ...

Die Niederlande feiern einen ihrer größten Künstler

Ist der "Mann mit dem Goldhelm" nun weniger bedeutend?

Durch mangelnde Weitsicht gerät Rembrandt nach dem Tod seiner Frau Saskia in finanzielle Bedrängnis

Seine Werke wurden von Malern wie Corinth bewundert

"Keiner von den Rindsviechern hat sie erkannt ..."

Rembrandt: Selbstbildnis mit Saskia (Öl auf Leinwand, um 1636; im Besitz der Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden) Foto: pa

 

Begegnungen mit einem großen Meister – Ausstellungen und Aufführungen im Rembrandt-Jahr

Amsterdam: Alle Rembrandts. Aus der Sammlung des Rijksmuseums werden alle Rembrandt-Gemälde gezeigt. Rijksmuseum, vom 26. Januar bis 19. Februar.

Kopenhagen: Rembrandt? Der Meister und seine Werkstatt. Große Schau mit Gemälden, Druckgrafiken und Zeichnungen sowie Arbeiten von seinen Schülern und Künstlerkollegen. Statens Museum for Kunst, vom 4. Februar bis 14. Mai.

Amsterdam: Rembrandt – Caravaggio. Das Rijksmuseum und das Van Gogh Museum präsentieren 25 monumentale Gemälde dieser beiden Genies des Barock aus dem 17. Jahrhundert. Parallel dazu „Van Gogh und Rembrandt“ mit 25 Gemälden, Zeichnungen und Briefen. Van Gogh Museum, vom 24. Februar bis 18. Juni.

Amsterdam: Wirklich Rembrandt? Die Ausstellung versammelt zum ersten Mal Werke, die ursprünglich Rembrandt zugeordnet waren, deren Echtheit allerdings im Laufe der Jahre angezweifelt wurde. Rijksmuseum, vom 9. März bis 24. Mai.

Amsterdam: Rembrandt – Ein Genie auf der Suche. Wie befreite sich der Maler aus der tiefen Krise nach dem Tod seiner Frau Saskia? Museum Het Rembrandthuis, Jodenbreestraat, vom 1. April bis 2. Juli; anschließend in erweiterter Form vom 4. August in der Berliner Gemäldegalerie.

Kassel: Rembrandts Landschaften. Die weniger bekannten Land-schaftsgemälde werden zusammen mit Arbeiten seiner Schüler präsentiert. Zweite Station: Stedelijk Museum De Lakenhal, Leiden (6. Oktober bis 7. Januar 2007), Schloß Wilhelmshöhe, Gemäldegalerie Alte Meister, vom 23. Juni bis 17. September.

Den Haag: Ein Sommer mit Rembrandt. Zehn Meisterwerke des Malers, darunter die restaurierten Gemälde „Loblied von Simeon“ (1631), „Homer diktiert seine Verse“ (1663) sowie das Selbstporträt aus seinem Todesjahr 1669. Mauritshuis, vom 26. Juni bis 18. September.

Amsterdam: Alle Zeichnungen Teil 1: Der Erzähler. Im ersten Teil der Ausstellung werden rund 30 Zeichnungen des niederländischen Meisters aus der Sammlung präsentiert. Der zweite Teil der Schau „Der Beobachter“ ist vom 14. Oktober bis zum 31. Dezember zu sehen. Rijksmuseum, vom 11. August bis zum 11. Oktober.

Amsterdam: Rembrandt und die Bibel. 70 Kupferstiche mit biblischen Szenen. Zudem können die zusätzlich digitalisierten Stiche bis ins kleinste Detail betrachtet werden. Bijbles Museum, vom 15. September bis 10. Dezember.

Paris: Rembrandt. Die schönsten Zeichnungen aus französischen Sammlungen. Louvre, vom 17. November bis 15. Februar 2007.

Leiden: Rembrandts Mutter – Mythos und Wirklichkeit. Ausstellung rund um das Gemälde der lesenden alten Frau, die lange Zeit als Mutter des Meisters gedeutet wurde, jedoch als Verkörperung des tugendhaften Alters gemalt wurde. Stedelijk Museum De Lakenhal, vom 16. Dezember bis 19. März 2007.

Amsterdam: Nightwatching, eine theatrale Installation mit Bild und Ton des britischen Filmemachers Peter Greenaway. Der 1942 geborene Künstler hat sich von Rembrandts wohl berühmtesten Gemälde „Nachtwache“ inspirieren lassen. Zu sehen im Rijksmuseum, vom 2. Juni bis 6. August.

Amsterdam: Rembrandt – Das Musical. Musik Jeroen Englebert, die Titelrolle spielt Henk Poort. Premiere am 15. Juli im Königlichen Theater Carré.

Weitere Informationen finden sich auch unter www.rembrandt400.com


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