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21.01.05 / Düster und geheimnisvoll / Rätsel um einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg und eine Steilwand

© Preußische Allgemeine Zeitung / 21. Januar 2006

Düster und geheimnisvoll
Rätsel um einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg und eine Steilwand

Jan Severin Somm ist ein Mann Anfang 30. Er lebt in der Stadt und sein Beruf des Tierpräparators ist eben so wenig zukunftsversprechend wie seine Beziehung mit Cécile.

Von daher heißt er die aus heiterem Himmel kommende Nachricht, eine Hütte in den Schweizer Bergen geerbt zu haben, durchaus willkommen.

Kurzerhand kündigt er, in dem Glauben sowieso nichts zu verlieren zu haben, seine Wohnung und bezieht das Häuschen des verstorbenen Fortunat Wiler im verschneiten Bergdorf Gspona.

Doch nicht genug damit, daß die Bergler sein Haus als „Mörderhaus“ bezeichnen. Er findet in Wilers Haus einen zugemauerten Raum. „Jan verkeilte seine Füße in den Leitersprossen, genauer visierte er die Stelle an, wo der Riegel saß. Zum dritten Mal riß er den Vorschlaghammer hoch. Der rostige Kopf krachte gegen das Holz, der Riegel gab mit einem Knall nach, die Falltür sprang einige Zentimeter hoch und fiel zurück.“

Was Jan in diesem Zimmer findet, wird ihn in die Vergangenheit Gsponas führen, genauer gesagt in die Zeit von Fortunat Wilers Jugend, als er als Soldat im Zweiten Weltkrieg in dem Bergdorf stationiert war.

Ein Geheimnis liegt über dieser Vergangenheit, etwas Schreckliches, das in einem mysteriösen Zusammenhang mit der Steilwand, die von den Dörflern als Schattwand betitelt wird, steht. „Er betrachtete die Wand wieder als Ganzes. Erinnerte sich an Fortunat Wilers Versuche, sie zu malen. Vor wenigen Wochen war er vor den Bildern gestanden, es schien ihm, als wären Jahre vergangen. Die Erinnerung daran, oder an Cécile und die Nächte mit ihr, war verweht wie der Schnee auf den steilen Felsplatten. Um wie viel deutlicher er Fortunats Weg durch die Wand sah! Eine gezackte Linie, sie sprang ihm aus dem Spinnennetz der verschneiten Simse entgegen wie ein Vexierbild, dessen Geheimnis – einmal entdeckt – offenlag.“ Dieses Geheimnis zu lüften, wird für Jan zur Obsession. Völlig vernarrt in den Gedanken, das Vergangene aufzudecken, merkt er nicht, daß er drauf und daran ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Denn es scheint so, als wäre es jemandem sehr daran gelegen, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Urs Augustburger ist es gelungen, mit „Schattwand“ ein so mysteriös wie geheimnisvolles Drama zu erschaffen, das Spannung bis zur letzten Seite garantiert. A. Ney

Urs Augustburger: „Schattwand“, dtv, München 2005, 222 Seiten, 8,90 Euro


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