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21.01.05 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / 21. Januar 2006

Endlich auch mal dran / Friedbert Pflüger hat schon auf so vielen falschen Pferden gesessen, daß er jetzt auf Nummer sicher geht
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Was? Wir hatten Agenten im Irak? Und die haben da sogar spioniert, ohne daß ihre Schritte samt Kontaktpersonen, Beobachtungsobjekten und anderen Quellen im Bulletin der Bundesregierung veröffentlicht worden sind? Wir wissen zwar nur wenig darüber, was die beiden Schlapphüte in Bagdad erforscht haben und an wen sie was weitertrugen. Allein was wir ahnen und mutmaßen, reicht jedoch, um sehr, sehr böse zu werden. Vor allem den Grünen unter uns, denen die Eingeweide rotieren bei der Nachricht, daß sie während ihrer siebenjährigen Regierungszeit unter Umständen doch mit dem Virus „Politische Wirklichkeit“ infiziert worden sein könnten.

Böse ist überdies Frank-Walter Steinmeier. Er darf sich betrogen fühlen. Vorbei die Zeiten, da der Außenminister auf den Platz des „beliebtesten Politikers“ abonniert war, weil sich der Kanzler zuhause mit der Opposition balgen mußte, während der Herr Chefdiplomat auf roten Teppichen zu den schicksten Fototerminen des Globus schweben durfte. Letzte Woche war es genau umgekehrt. Merkel ließ sich auf dem ganz großen Bahnhof der Weltpolitik ihre gestiegene Popularität schmecken, derweil Steinmeier die rot-grünen Kellerleichen der Schröderjahre umherschleppen mußte. Dabei kann er nur verlieren: Gelingt es ihm, seine Unwissenheit glaubhaft zu machen, steht er als Trottel da. Gelingt ihm das nicht – au weia!

Eine Lehre können wir aus der Affäre bereits ziehen: Mache nie einen ehemaligen Kanzerlamts-chef zum Außenminister. Kanzleramtschefs sind dazu da, sich in jene Schmuddelecken zu begeben, in denen der Regierungschef nicht gesehen werden darf. Da bleibt immer was kleben.

Allerdings gebricht es dem Außenminister zudem an einer gewissen Wendigkeit im Umgang mit seinen Aktivitäten von gestern. Warum geht er nicht an die Mikrophone und lamentiert mit bebender Stimme, daß er schon „damals höchste Bedenken hatte“, der Kanzler aber leider nicht auf ihn gehört habe. Der würde das zwar dementieren, aber wen schert das schon? Fühlt sich Steinmeier noch immer zur Loyalität gegenüber Schröder verpflichtet oder gar – der Staatsräson? Dann hat er von seinem Ex-Chef wenig bis nichts gelernt und ist für jedes hohe politische Amt ungeeignet.

Dort muß man mit den Wellen reiten und nicht gegen sie, sonst schluckt man Wasser. Kaum einer hat das so gründlich erfahren müssen wie Friedbert Pflüger, der nun endlich für seine Mühen entlohnt wird. Führende Berliner CDU-Landespolitiker wollen ihn auf ihren Schild heben.

Pflüger hatte es nicht immer leicht im Leben. Das Ende der DDR schoß quer zu seinem Karriereplan in die deutsche Geschichte.

Eigentlich hätte die Ära Kohl um 1990 ihr natürliches Ende finden müssen, so die allgemeine Erwartung bis 1989. Pflüger setzte sich daher früh von dem Dicken ab (rechtzeitig, wie er meinte, vorzeitig, wie sich herausstellte) und ließ sich von eher linken Medien zum „Querdenker“ adeln. Denn nach links würde es nach Kohl weitergehen, soviel schien mal klar.

Als Sprecher des damaligen Bundespräsidenten Weizsäcker wähnte er sich strategisch wie inhaltlich auf der Überholspur. Dann fiel die Mauer, und Kohl ging in die achtjährige Verlängerung. Pflügers Pechsträhne war damit noch nicht zu Ende. Fanatisch kämpfte er 1991 gegen den Regierungsumzug nach Berlin, was wieder zur Pleite geriet, dann enthüllte er einen „Rechtsruck“ in der CDU, den außer ihm und der PDS keiner gesehen hatte. Bald war er derart frustriert, daß er sich vorübergehend sogar als Öko-Mahner verdingte, um mit aller Macht auf die Bühne zu gelangen. Es ging nicht weiter. Eine zähe Zeit, die sich tief in seine Seele gebrannt hat und mit der er in seinem Buch über das „System Kohl“ 2000 erbarmungslos abrechnete.

Doch Pflüger verzagte nicht und schmiß sich weiter mit Verve an alle Machtzentren heran, die ihm als Türöffner hoffnungsvoll erschienen – und mußte weiter leiden. Daß die Irak-Invasion eine legitime Reaktion auf den 11. September gewesen sei, behauptete Pflüger mit unwirscher Zähigkeit und in der Hoffnung, daß ihm Washington das bald danken würde. Statt dessen ließ Bush öffentlich einräumen, daß der Zusammenhang erlogen war. Friedbert Pflüger stand erneut recht blöde da. Es ist einer der widerwärtigsten Züge großer Führer, ihre Position zu räumen, ohne es ihre Schranzen zuvor wissen zu lassen. Wenn man schon auf dem Rückzug ist, dann nimmt man seine Speichel-lecker gefälligst mit!

Friedbert Pflüger hat aus diesen elenden Erfahrungen gelernt und geht ab jetzt auf Nummer sicher. Staatssekretär im Verteidigungsministerium ist er schon, dank Angela Merkel. Aber wer weiß, wie lange das gutgeht und was danach kommt? Mit der Berlin-Kandidatur stellt er ein zweites Pferd in die Rennbahn, auf das er notfalls umsatteln kann. Und da sowieso alle von einer Niederlage der CDU ausgehen, darf Pflüger ohne „Ansehensverlust“ verlieren und 2011 noch einmal antreten. Daß die Berliner CDU bis dahin einen anderen Berwerber als ihn ausgräbt, darf ausgeschlossen werden. Der Zustand der Hauptstadt-Union ist dermaßen lausig, daß sich sogar die dortigen Grünen ehrliche Sorgen um sie machen. Das heißt was. SPD und PDS werden ihm natürlich vor die Nase halten, daß er gegen Berlin als Hauptstadt votiert hatte. Das kann er wegwischen mit dem Hinweis, dazugelernt zu haben.

Als einzige, rechnerisch denkbare Regierungsmehrheit unter Pflügers Führung gilt die schwarz-gelb-grüne „Jamaika-Koalition“, von der in Berlin auch die Grünen reden. Da fände sich der Bewunderer von George Bush an einem Tisch wieder mit einer Partei, zu deren Wortführern Hans-Christian Ströbele zählt. Der mag Amerika auch, aber eben eher das von Fidel Castro oder wenigstens Hugo Chávez, die wiederum mit Bush nicht so können. Das dürfte unter Umständen turbulent werden, zumal Ströbele große Freude am Ärgermachen hat.

Was wäre, wenn Ströbele in ein Senatorenamt eines „Jamaika“-Senats drängte? Dort hätte er mehr Möglichkeiten, Schaden anzurichten, als er sich je zu träumen wagte. Denkbar ist beispielsweise, daß Ströbele ein paar Vertreter der angehenden lateinamerikanischen Volksrepubliken nach Berlin einlädt, um seinen Wa-shington-verliebten Bürgermeister Pflüger zu foltern. In der Südwestecke der Weltkarte entwickelt sich derzeit nämlich eine politische Szenerie, die zur Kulisse eines marxistischen Heimatfilms gereichte. In Peru könnte bald jemand auf dem Präsidentenstuhl sitzen, der als roter Sympathieträger nicht zu toppen wäre: Er ist Indio, vermutlich auf einer Müllkippe großgeworden (wenn nicht, schminken die Biographen das noch so hin) und bekennender Kommunist, der versprochen hat, alle „Weißen“ rauszuschmeißen (siehe Zur Person). Dann will er einen „indianischen Kommunismus“ errichten. Ströbele wird ihn lieben.

Haß auf das „neokolonialistische Erbe“ ist wieder außerordentlich populär in den Anden. Man träumt sich zurück in die indianische Urzeit, als alles gerecht und gütig zuging. Daß diese Sicht Quatsch ist und etwa die Azteken laut neuester Forschung genauso blutrünstig waren, wie die Spanier sie beschrieben hatten, tut da nichts zur Sache. Kommunisten sind gegen die Zumutungen der Realität gefeit.

Viele Lateinamerikaner wähnen sich nun der heiklen Wahl gegenüber, sich entweder von den Kommunisten ruinieren oder von der CIA an der Nase herumführen zu lassen, an deren Leine so manche nichtrote Führung dort hängen soll. Mit Pflüger-Ströbele hätten wir diesen Streit mitten in unserer Hauptstadt, wo er gut hinpaßt – Wirtschaftslage und Staatsverschuldung haben sich an der Spree ohnehin bald auf „peruanischem“ Niveau eingependelt.

"Jamaika" im Roten Rathaus? Dann hätte Ströbele endlich die Chance, wirklich Schaden anzurichten

" … ich bin’s doch, die Angela!" Zeichnung: Götz Wiedenroth


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