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18.02.06 / "Umstrittener" Rundumschlag / Bundeswehr läßt in Fürstenfeldbruck vorauseilend alle Straßenschilder abhängen

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Februar 2006

"Umstrittener" Rundumschlag
Bundeswehr läßt in Fürstenfeldbruck vorauseilend alle Straßenschilder abhängen

Angefangen hatte es 1998, zur Zeit der rot-grünen Machtübernahme im damals noch Bonner Bundesparlament: übereifrige Vergangenheitsbewältiger beauftragten das Verteidigungsministerium, alle namentlichen Erinnerungen an Angehörige der "Legion Kondor", die von 1936 bis 1939 im spanischen Bürgerkrieg zum Einsatz kam, strikt zu löschen. Auf der Hardthöhe nahm man den Parlamentarierwunsch nicht als Befehl - und ließ die Angelegenheit in irgendwelchen Schubladen auf sich beruhen.

Bis Peter Struck, derzeit wieder mal Fraktionsvorsitzender der SPD im Deutschen Bundestag, zwischenzeitlich das Kommando übernahm. Als Verteidigungsminister sorgte er dafür, das es bald aus war mit der Ruhe an der Traditionsfront. Erstes und zugleich prominentestes Opfer seiner Aktivitäten: Werner Mölders, hochdekorierter Kampfflieger im Zweiten Weltkrieg, bei Freund und (damaligem) Feind als untadeliger, hochanständiger und politisch unbelasteter Soldat bekannt und daher zu Recht Namensgeber des Jagdgeschwaders 74 der Bundesluftwaffe in Neuburg an der Donau. Daß er zu Beginn seiner Fliegerlaufbahn auch bei der "Legion Kondor" gedient hatte, war bekannt. Struck aber präsentierte "neue historische Fakten", aufgestöbert vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, und verfügte gegen heftigsten Protest der Truppe die Umbenennung - obwohl sich die "Fakten" schon bald in Luft auflösten.

Nun ist Struck an die Fraktionsspitze zurückgekehrt; sein Ministerium erbte Franz Josef Jung vom Koalitionspartner CDU. Mit dem Kabinettsposten ließ er sich gleich auch die politisch korrekten zeitgeschichtlichen Reinigungsrituale mitvererben.

So wurde die gerade über den Großraum München hereingebrochene Faschingszeit durch überraschende Aktivitäten im nahen Fürstenfeldbruck "bereichert", die auf den ersten Blick ausgesprochen lächerlich wirkten. Auf den zweiten Blick aber verging nicht nur den auf dem Fliegerhorst dienenden Luftwaffensoldaten das Lachen.

Die überkorrekten Vergangenheitsschnüffler hatten nämlich entdeckt, daß auf dem Gelände des Fliegerhorstes mehrere Straßen nach "umstrittenen" Fliegern benannt waren. Und da es keine objektiven Kriterien für den Begriff "umstritten" gibt, verfuhr man nach dem simplen Motto: "Wer umstritten ist, bestimme ich". Im Klartext: jeder, der öffentlich als umstritten bezeichnet wird, ist damit automatisch umstritten. Um also nur ja nicht versehentlich einen "umstrittenen" Straßennamen zu übersehen oder gar einen "nichtumstrittenen" zu streichen, schritten die Fürstenfeldbrucker zur Radikalkur: In vorauseilendem Gehorsam wurden alle Straßenschilder abmontiert und durch den unverfänglichen Einheitsnamen "Straße der Luftwaffe" ersetzt.

Nicht überliefert ist, ob zu den als "umstritten" Entlarvten auch Weltkrieg-I-Fliegerasse wie Immelmann oder Boelcke zu zählen sind, oder gar der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Der war zwar im Zweiten Weltkrieg auch als Flieger aktiv, freilich nicht auf deutscher, sondern auf französischer Seite. Sie alle wurden jedenfalls aus der Ahnengalerie des Fliegerhorstes getilgt.

Geradezu befremdlich ist in diesem Zusammenhang eine Sprachregelung bei der Nato, auf die jetzt "Welt"-Autor Hans-Jürgen Leersch aufmerksam machte: Bündnisintern werden deutsche Maschinen mit dem Funkcode "Stuka" aufgerufen - obwohl doch die ersten Flugzeuge dieses Namens einst in der "Legion Kondor" eingesetzt waren. H.J.M.

Probleme mit der Tradition: Auch unter dem neuen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (Mitte, beim Antrittsbesuch bei der Luftwaffe) scheint sich an den "umstrittenen" Methoden der Vergangenheitsbewältigung nichts zu ändern, wie jüngste Vorfälle in Fürstenfeldbruck bestätigen. Foto: pa


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