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18.02.06 / "Mohammed lag falsch" / Islamistischen Todesdrohungen zum Trotz: Ayaan Hirsi Ali attackiert in Berlin einen verlogenen "Dialog"

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Februar 2006

"Mohammed lag falsch"
Islamistischen Todesdrohungen zum Trotz: Ayaan Hirsi Ali attackiert in Berlin einen verlogenen "Dialog"
von Markus Schleusener

Mitten im verschneiten Berlin war auf einmal der Karikaturenstreit so präsent bis dahin nirgends in Deutschland. Nicht in Form tobsüchtiger Moslems, die durch die Hauptstadt ziehen, sondern durch Ayaan Hirsi Ali.

Die niederländische Politikerin und Buchautorin ("Ich klage an") ist eine mutige Frau, die sich nicht den Mund verbieten läßt. Sie sagt zwar, "ich habe Angst um mein Leben und brauche Personenschützer". Aber sie würde deswegen nicht klein beigegeben.

Vielmehr ist Hirsi Ali am Tag der Berlinale-Eröffnung zu einer Stippvisite der besonderen Art nach Berlin gekommen. Um sich "solidarisch mit dem dänischen Ministerpräsidenten zu zeigen", sagt sie. Rund einhundert Journalisten, zur Hälfte aus dem Ausland, sind deswegen ins Bundespresseamt gekommen. Sie werden überprüft wie am Flughafen.

"Warum Berlin? Warum ausgerechnet ich?" fragt Hirsi Ali, die Freundin des im November 2004 ermordeten holländischen Filmemachers Theo van Gogh ("Submission"). "Berlin ist geschichtlich gesehen reich an Herausforderungen für die offene Gesellschaft."

Nein, sie setzt ihre Rede an dieser Stelle nicht mit den Nazis fort, sondern frischt die Erinnerung an Mauer und Stacheldraht auf: "Dies ist die Stadt, in der eine Mauer die Menschen innerhalb der Grenzen des kommunistischen Staates gefan- genhielt."

Und weiter: "Verteidiger der Freiheit hielten die Bürger über die Nachteile des Kommunismus auf dem laufenden. Die Lehre von Marx wurde offen diskutiert in Universitäten, Zeitungen und in Schulen. Geflohene Dissidenten aus dem Osten konnten schreiben, Filme drehen, Karikaturen zeichnen und ihre ganze Kreativität dazu nutzen, die Menschen im Westen davon zu überzeugen, daß der Osten weit, weit vom Paradies entfernt war. Trotz brutaler Zensur im Osten und der freiwilligen Selbstzensur von vielen im Westen, die den Kommunismus verherrlicht und verteidigt haben, haben wir die Schlacht gewonnen."

Ayaan Hirsi Ali benutzt gern den Begriff "Dissidenten". Sich selbst bezeichnet sie nicht als Atheistin, oder Ex-Muslimin, sondern als "Dissidentin vom Islam". Sie ist geprägt von dieser Religion. Als Ajatollah Kho-meini 1988 die Fatwa gegen Salman Rushdie verhängte, fand Hirsi Ali das nach eigener Aussage richtig.

Die junge Frau war damals noch keine 20 Jahre alt und trug den Schleier. Sie lebte mit ihrer Familie in Somalia. Als sie mit einem in Kanada lebenden Cousin, den sie noch nie gesehen hatte, zwangsverheiratet werden sollte, nutzte sie die Reise dorthin zur Flucht in die Niederlande. "Auch ich bin in den Westen geflohen", bekennt sie heute stolz.

"Ich denke, daß der Prophet Mohammed falsch lag, als er sich und seine Ideen für unfehlbar erklärte, als er Frauen den Männern unterwarf, als er befahl, Homosexuelle zu ermorden, als er sagte, Abtrünnige seien zu töten. Er lag falsch, als er sagte, Ehebrecher sollten ausgepeitscht und gesteinigt und Dieben eine Hand abgehackt werden. Er lag falsch, als er sagte, daß all jene, die im Namen Allahs sterben, mit dem Paradies belohnt werden. Er lag falsch, als er sagte, eine ordentliche Gesellschaft könne nur auf seinen Ideen aufgebaut werden."

Kritik an Mohammed müsse möglich sein, auch wenn sich deswegen jemand verletzt fühle. Deswegen lautet der zentrale Satz Hirsi Alis in Berlin auch: "Ich bin gekommen, um das Recht, andere verletzen zu dürfen, zu verteidigen." Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen pflichtvergessene Journalisten. Sie dürften nicht darauf verzichten, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu nutzen, das Menschen in andern Ländern versagt sei. Ohne eine freie Presse, die dieses Recht auch ausübe, könnten die Mächtigen nicht genug kontrolliert werden, warnt sie. Es sei daher ihre verdammte Pflicht, Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen.

Eine junge Frau steht vor den Journalisten aus ganz Europa und liest ihnen die Leviten. Viel zu viele der Journalisten in den Niederlanden, klagt sie, hätten sich einer Selbstzensur unterworfen.

"Berlin ist eine Stadt des Optimismus", schwärmt Hirsi. Ali "Der Kommunismus ist gescheitert. Die Mauer ist gefallen. Auch wenn die Dinge heute schwierig und verworren sind." Sie schaut in die Zukunft: "Ich bin sicher, daß die gedankliche Mauer zwischen den Freunden der Freiheit und denen, die sich den Verführungen und der Sicherheit totalitärer Ideen unterwerfen, eines Tages fallen wird."

Als eine deutsche Journalistin von einem öffentlich-rechtlichen Radiosender fragt, ob sich nicht alle erstmal ein bißchen beruhigen sollten, wirft ihr Hirsi Ali zunächst nur einen ungläubigen Blick zu. Dann antwortet sie sanft: "Die Frage ist, was ,sich beruhigen' bedeutet? Wer muß zur Ruhe kommen?" In Europa habe niemand randaliert und Botschaften angezündet.

"Ich bin gekommen, um das Recht, andere verletzen zu dürfen, zu verteidigen"

Sprach sich gegen Selbstzensur und für ein selbstbewußtes Auftreten Europas in der Karikaturenfrage aus: Ayaan Hirsi Ali will nicht, daß Christen "klein beigeben". Kritik an Mohammend müsse möglich sein, selbst wenn sie verletzend sein mag. Foto: Schleusener


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