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18.02.06 / Israels Atomwaffe: Auch Berlin half mit / Deutsche U-Boote sichern "Zweitschlagskapazität" - sie soll potentielle Angreifer das Fürchten lehren

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Februar 2006

Israels Atomwaffe: Auch Berlin half mit
Deutsche U-Boote sichern "Zweitschlagskapazität" - sie soll potentielle Angreifer das Fürchten lehren
von Diertich Zeitel

Seit Beginn ihres Nuklearwaffenprogramms in den späten 1960er Jahren verfolgt die nicht erklärte Atommacht Israel eine Politik der "atomaren Zweideutigkeit": Zur Abschreckung feindlicher Angriffe oder mutmaßlicher Bedrohungen (wie jetzt im Falle des Irans) wird der Besitz von Atomwaffen angedeutet, aber nicht offiziell zugegeben.

Israel ist bis heute, im Gegensatz zu Teheran, noch nicht einmal dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten, auch wenn es als Mitglied der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) deren Kontrollen unterliegt. Israel verweigert der IAEO aber bis heute, seine Anlagen zu inspizieren. Vor allem islamische Länder kritisieren, daß der Iran, der im Dezember 2003 sogar das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hatte (das unter anderem unangemeldete Kontrollen zuläßt), für dessen Aufkündigung im Januar dieses Jahres international am Pranger steht, während die Weltöffentlichkeit im Hinblick auf das Atomwaffenpotential Israels bemerkenswert wenig Worte verliere.

Experten gehen davon aus, daß Israel mittlerweile die sechstgrößte Atommacht der Welt ist und Hunderte von Atomsprengköpfen besitzt. Die renommierte Federation of American Scientists (FAS) geht von bis zu 200 Sprengköpfen aus; die US-Army in einer Studie sogar von zirka 500. Der Iran wirft den USA, der EU und Rußland vor, daß sie Israel, "das nicht einen Abrüstungsvertrag unterschrieben" habe, Tor und Tür öffneten, während der Iran selbst "unter höchstem Druck" stehe.

Daß es heute halbwegs gesicherte Erkenntnisse über das Atomwaffenprogramm Israels gibt, ist vor allem dem israelischen Atomexperten Mordechai Vanunu zu verdanken, der 1986 die englische Zeitung "Sunday Times" über Israels Nuklearpotential und seine Pläne informierte. Vanunu arbeitete fast ein Jahrzehnt am israelischen Dimona Nuclear Research Center, in dem seiner Aussage nach waffenfähiges Plutonium hergestellt werde. Um seine Behauptungen zu beweisen, stellte Vanunu den britischen Journalisten unter anderem 80 heimlich geschossene Fotos zur Verfügung, die sowohl den Gesamtkomplex zeigten als auch Einzelheiten.

Was auf diese Enthüllungen folgte, könne, wie Horst Hoffmann es in einem Hintergrundbericht für die linksradikale Zeitung "Junge Welt" nannte, als "Polit-Thriller à la James Bond und John le Carré" bezeichnet werden. Im November 1985 war Vanunu mit 180 anderen Mitarbeitern von Dimona entlassen worden. Von Israel ging er, so Hoffmanns Recherchen, nach Australien, um neue Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Hier sei er dann zum Christentum übergetreten und habe auch den Entschluß gefaßt, über seine Erfahrungen in Dimona zu berichten. Zu diesem Zweck flog er nach London, wo er mit der "Sunday Times" in Kontakt trat.

Neben Details zum israelischen Atomwaffenprogramm verriet Vanunu auch, daß Israel mit dem international verpönten Apartheitregime in Südafrika kollaboriert habe. Der israelische Geheimdienst Mossad hat darauf eine attraktive Agentin auf Vanunu angesetzt, die ihn nach Rom lockte, wo Vanunu vom Mossad gekidnappt und nach Tel Aviv verschleppt worden ist.

Der "Hoch- und Landesverräter" Vanunu, so die israelische Anklage, erhielt 18 Jahre Haft; elf Jahre davon befand er sich in Isolationshaft. Vanunu, der erst am 21. April 2004 unter strengen Auflagen entlassen worden ist, läuft wegen der Interviews, die er gibt, weiterhin Gefahr, in Israel erneut in Haft genommen zu werden.

Der entscheidende Schritt zur Verstärkung seiner Abschreckungskapazitäten gelang Israel allerdings erst Ende der 1990er Jahre, und zwar unter tatkräftiger deutscher Mithilfe. Mitte der 90er kamen die israelischen Militärs mehr und mehr zu der Überzeugung, daß der atomare Erstschlag eines feindlichen Staates Israel der Möglichkeit berauben könnte, atomar zurückzuschlagen. Die "Jerusalem Post" (3. August 1998) zitierte den damaligen israelischen Verteidigungsminister Yitzhak Mordechai: "Wir müssen jetzt und zukünftig die richtigen Antworten haben. Um jeder Bedrohung auf dem Weg zu begegnen, benötigt das Verteidigungsestablishment entscheidende Ressourcen, besonders für solch eine gefährliche Bedrohung, wie sie vom Iran ausgeht."

Es ging konkret darum, auch nach einem verheerenden Angriff noch fähig zu sein zurückzuschlagen. Der potentielle Angreifer soll dadurch von vornherein abgeschreckt werden, daß er sich nicht in der falschen Sicherheit wiegen kann, ungeschoren davonzukommen - selbst wenn er das kleine Israel vernichtend getroffen haben sollte. Diese "Zweitschlagskapazität" ist inzwischen durch die von Deutschland gelieferten und zum großen Teil auch finanzierten "Dolphin-U-Boote" Realität geworden. Sie ermöglichen Israel nach Meinung von Fachleuten, "weitreichende atomare Marschflugkörper mit bis zu 1500 Kilometer Reichweite" abzuschießen.

Mehr noch als Deutschland betätigen sich die USA beim Ausbau des israelischen Abschreckungsprogramms. Derzeit wird, so Haiko Lietz in einem Hintergrundbericht für die Internetseiten von "Telepolis", die israelische Luftwaffe mit 102 neuen F-161-Jagdbombern ausgestattet. Das Geschäft wird auf zirka 4,5 Milliarden US-Dollar geschätzt und werde, so Lietz, nach Angaben des "Jewish Institute for National Security Affairs" (JINSA), einer Organisation, die sich als Fürsprecher israelischer Sicherheitsinteressen in den USA versteht, "aus dem amerikanischen Militärtopf" bestritten. Zudem wurden etwa zwei Dutzend F-151-Jagdbomber angeschafft, die einen Einsatzradius von 1500 Kilometern abdecken und mithin jeden Ort im Nahen Osten erreichen können sollen, ohne aufzutanken.

Israel hat bereits mehrere Male durchsickern lassen, daß es einen atomar bewaffneten Iran keinesfalls akzeptieren werde. Für den Fall, daß die USA von einer militärischen Intervention gegen die nukleare Aufrüstung Teherans absehen wollten, habe Israel politisch vorgesorgt, schreibt der israelische Journalist Michael Karpin laut "Spiegel Online" in seinem gerade publizierten Buch "The Bomb in the Basement - How Israel Went Nuclear and What That Means for the World", in dem er Israels Weg zur Atommacht untersucht. Karpin behauptet, daß US-Präsident George Bush, als deutliche Botschaft an Teheran, Israels Premier Ariel Scharon in einem Brief das Recht auf Selbstverteidigung mit seinen eigenen Streitkräften zugesichert habe. Darüber hinaus gebe es eine prinzipielle Übereinkunft zwischen Israel und den Vereinigten Staaten, wie Israel auf die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen reagieren dürfe.

Im Jahr 2004 verfügte der Mossad nach den Recherchen von Karpin über drei Mal mehr Agenten als in der Vergangenheit. Der legendäre israelische Geheimdienst könnte Karpins Einschätzung zufolge versuchen, mit gezielten Schlägen gegen wichtige iranische Atomanlagen die Karten neu zu mischen. Der Iran reklamiert angesichts dessen das Recht auf Selbstverteidigung. "Wir suchen die militärische Konfrontation nicht", behauptet Armeechef Abdolrahim Mussavi, "aber wenn es dazu kommt, werden wir dem Feind eine Lehre erteilen, die er sich noch Jahrhunderte lang merken wird".

Ob hierfür allerdings die iranischen Mittelstreckenraketen vom Typ "Schahab-3" ("Sternschnuppe") ausreichen, die Israel und US-Stützpunkte am Golf erreichen können, wird von vielen Experten bezweifelt.

Sie sollen feindliche Raketen vom Himmel holen: Israelische "Patriot"-Raketen in Tel Aviv Foto: Corbis


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