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18.02.06 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. Februar 2006

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied und Familienfreunde,

unsere Ostpreußische Familie ist schon für viele Leserinnen und Leser zum Mittelpunkt geworden, mit Spannung wird - wie ich immer wieder in den Briefen lesen kann - an jedem Wochenende die PAZ erwartet, um zu erfahren, was sich da in unserm Familienkreis getan hat. Oder was man tun kann, denn die Hilfsbereitschaft ist wirklich großartig - auch das steht in vielen Leserbriefen. Auch wenn - noch - keine konkrete Lösung einer Frage erfolgt, tut doch schon ein Mitfühlen, Mitdenken, Mitbemühen gut. So wie Waltraut Pfeffer über den Anruf eines Lesers erfreut war, der sich auf ihre Suchfrage nach ihrem Urgroßvater Gottlieb Skrzeba aus Beutnerdorf meldete, da er bis zur Vertreibung in Ortelsburg gelebt hatte. Leider konnte er aber keine Angaben machen, die Frau Pfeffer weiterhelfen könnten, er konnte nur ihre bisherigen Erfahrungen bestätigen, aber allein das Gespräch tat gut. Nun hofft sie, daß doch noch weitere Meldungen kommen, denn manche Antworten verzögern sich, weil ja - leider - nicht alle Landsleute unsere Zeitung lesen und viele erst im Internet auf die dort veröffentlichten Wünsche und Fragen stoßen.

Da kann es dann schon vorkommen, daß sich erst nach Jahr und Tag ein Erfolg einstellt wie bei Wolfgang Huwe, dessen Wunsch wir vor sechs (!) Jahren brachten. Er suchte ein Buch, das sich - wie ich damals schrieb - nur schwer auffinden ließe, denn es handelte sich um einen Dokumentarbericht über die Erschließung des nördlichen Hinterlandes von Kamerun in den Jahren 1886 bis 1892. In dem 1895 erschienenen Buch von Eugen Zintgraff wird auch der Tod von Herrn Huwes Großonkel geschildert. Ich schien Recht zu behalten - bis jetzt! Denn nun teilte mir unser Leser mit, daß sich das Buch gefunden hätte - eine Bekannte war im Internet auf unsere Suchmeldung gestoßen und hatte weiter geforscht. Es fand sich sogar ein Exemplar des Originals, leider zu einem horrenden Preis (über 1000 Euro!), aber auch ein wesentlich preiswertere Reprint-Ausgabe, die Herr Huwe nun besitzt. Und damit glücklich ist! Was wir verstehen können.

Es ist leider aber auch so, daß sich Leserinnen und Leser bemühen, brauchbare Informationen zu den veröffentlichten Fragen zu geben und sie an die Suchenden senden, aber keine Antwort erhalten. Liebe Frau Finckenstein, ich danke Ihnen sehr für Ihre diesbezüglichen Bemühungen, die auch für mich sehr aufschlußreich sind, da sie viele Richtigstellungen beinhalten. Ich werde dieses spezielle Thema in einer anderen Ausgabe behandeln. Aber Recht haben Sie schon mit der Feststellung, daß es Leute gibt, die meinen, daß ihnen andere die Sucharbeit abnehmen und ihnen eine komplette Ahnentafel auf einem silbernen Tablett servieren sollen! Diese Klagen höre ich auch von anderen Leserinnen und Lesern, Na, mir sind diese Erfahrungen auch nicht gerade fremd. Trotzdem befasse ich mich mit jeder Zuschrift, denn ich weiß ja nicht, ob nicht auch Unvermögen, oft altersgemäß oder krankhaft bedingt, Ignoranz und Isolation durch Einsamkeit dahinter stecken. Deshalb gehe ich da etwas behutsamer mit diesem Problem um.

Deshalb freue ich mich, wenn mir auch kleine Erfolge gemeldet werden wie von unserm Leser Heinz Bräuer, der eine Frage hatte, die in die Vorkriegszeit zurückgeht. Es handelte sich um das Haus am Königsberger Steindamm, in dem die DEFAKA war. Er besitzt ein Foto, in dem über dem Schild mit der Leichtreklame ein großes T zu sehen ist, wie es vom Kaufhaus Tietz verwandt wurde. Er fragte deshalb, ob sich früher dort ein solches Kaufhaus befunden habe. Drei Anrufer konnten ihm das nicht bestätigen, auch Nachforschungen im Internet blieben erfolglos. Dafür ergab sich aber eine andere vermutliche Lösung: Es gab neben der DEFAKA eine Porzellanhandlung Tietz & Kranz, das T könnte also aus diesem Firmenzeichen stammen. Erscheint glaubhaft.

Einen Erfolg, an den ich kaum geglaubt hätte, konnte mir Herr Dr. med. Kaiser melden, Er hatte nach dem Ort "Klippenfeld" gesucht, aus dem die Vorfahren einer rußlanddeutschen Krankenschwester stammen sollten. Eine Zwischenbilanz konnten wir bereits vor einem Monat bringen, da Dr. Kaiser mir mitteilte, daß diese von Katharina der Großen angeworbenen Deutschen im Südural angesiedelt wurden. Nur, wo der angeblich in Ostpreußen gelegene Ort "Klippenfeld" lag, das blieb ein Rätsel. Aber dann erhielt Dr. Kaiser drei Zuschriften. Frau Gertrud Bischof konnte ihm mitteilen, daß die Siedler aus der Region Weichseldelta stammten und zur Glaubensgemeinschaft der Mennoniten gehörten. Als er dann mit Herrn Walter Maus durch eine andere, von diesem gestellte Suchfrage in Verbindung kam - auch da zeichnet sich Positives ab - konnte dieser Herrn Dr. Kaiser mit Unterlagen versorgen, die nun Folgendes ergeben: Den Ort Klippenfeld gibt / gab es tatsächlich. Es handelt sich um eine 1862 gegründete Mennonitenkolonie in Taurin (Ukraine). Die Siedler entstammten dem Marienburger und Elbinger Gebiet. Zwischen 1803 und 1805 wanderten 342 mennonitische Familien aus den genannten Regionen nach Südrußland aus. Es kann also durchaus möglich sein, wie die Krankenschwester behauptet, daß die Nachfahren noch heute diesen Dialekt sprechen. Bleiben aber weitere Fragen offen, denn die Zarin verstarb ja 1796 - gab es schon einen früheren Siedlerzug aus altpreußischen Gebieten? Da Herr Dr. Kaiser noch andere Informationen bekommen hat, ist dieses ein weiterer Zwischenbericht. Aber hochinteressant!

Erfolg und neue Wünsche gehen Hand in Hand. So wie bei Alfred Stanschus, der durch unsere Familie in Sachen Familienforschung ganz schön vorangekommen ist, woraus sich neue Fragen ergeben. Es geht um das Gut Adl. Schillgallen, den Heimatort seines Großvaters Emil Stanschus, der 1885 dort geboren wurde wie auch dessen Vater, der den gleichen Namen trug. Über das Gut Adl. Schillgallen möchte nun Herr Stanschus mehr erfahren. Als damaliger Besitzer wird Franz Habedank genannt. Das Gut lag zwölf Kilometer von Tilsit entfernt, gehörte vor 1939 zum Memelgebiet, dann zum Kreis Tilsit-Ragnit. Der Beruf von Großvater und Urgroßvater Stanschus wird mit "Schlachter" angegeben. Das irritiert, denn konnte ein berufsmäßiger Schlachter - bei uns sagte man ja "Fleischer" - auf einem Gut wohnen, oder führte er als Gutsangehöriger diese Tätigkeit nebenberuflich aus? Falls noch Nachkommen der Familie Habedank leben, bittet Herr Stanschus diese, sich bei ihm zu melden. Er ist an allen Angaben über das Gut interessiert und würde sich besonders über Fotos freuen (Alfred Stanschus, Simonswälder Straße 83 a in 79261 Gutach-Bleibach, Telefon 0 76 85 / 5 34, Fax 0 76 85 / 6 34, E-Mail: AStanschus@t-online.de).

Auch Fridolin Herrgeist ist in seinem Bestreben, die Reste seiner Sippe zusammen zu suchen, ganz schön weitergekommen, sogar mit überraschenden Erfolgen. Nur in Bezug auf zwei Schwestern seines Vaters gibt es bisher keine nennenswerten Ergebnisse. Daher drei neue Fragen. Bei Nr. 1 handelt es sich um die älteste Tochter von Herrn Herrgeists Großvater aus dessen erster Ehe, Anna Herrgeist, * 1888 in Dungallen. Sie hieß nach der Heirat Anna Busching und soll zuletzt in Thüringen gelebt haben. Hier werden Nachkommen gesucht. Bei Frage Nr. 2 handelt es sich um die dritte Tochter, Elisabeth Herrgeist, verheiratete Gehlhaar, * 1892 in Dungallen. Sie soll nach dem Krieg in Bremerhaven gewohnt haben und dort verstorben sein. Leben noch Nachkommen? Frage Nr. 3 betrifft eine Familie Lyks, die vermutlich in Rendsburg gelebt hat. Die Namen von drei Kindern sind bekannt: Karl-Heinz, Ingeborg und Ursel Lyks (Fridolin Herrgeist, Hartmannsgr. Straße 6 in 08233 Treuen).

Ja, erfüllte Wünsche bekommen Kinder. Seit Ingrid Haase las, daß Armin Thiel die erhofften Aufnahmen aus dem alten Königsberg - Lutherkirche, Haberberger Kirche, Ostpreußenhalle - erhalten hat, möchte sie diese auch bekommen, denn sie erwecken in ihr Erinnerungen an Familie und Kindheit. Besonders die Ostpreußenhalle hat es ihr angetan, denn dorthin nahm ihre Tante sie einmal zu einer Eiskunstlauf-Veranstaltung mit. Seitdem wollte sie auch eine zweite "Sonja Henie" werden - na ja, das klappte ja leider nicht, nun wäre sie mit Fotos zufrieden. Wobei sie ihre Wünsche noch erweitert um Aufnahmen vom "Luna-Park" oder von der Apotheke in Rosenau, denn in diesem Vorort wurde sie geboren. Wer besitzt noch alte Fotos (Ingrid Haase, Krauseplatz 2 in 07607 Eisenberg, Telefon 03 66 91 / 5 45 58)?

Überraschen möchte Anita Wagener ihre 1929 in Lyck geborene Schwiegermutter Elfriede Okuniek, verheiratete Wagner, mit alten Freundinnen und Freunden aus deren Schulzeit in Talussen. Sie träumt täglich von ihrer Heimat und sehnt sich nach alten Heimatgefährten

Sicher wird es noch Landsleute aus dem kleinen masurischen Dorf geben, die mit Elfriede Okuniek zur Schule gegangen sind. Für ihre Schwiegertochter wäre es eine große Freude, wenn sie sich bei ihr meldeten (Anita Wagener, c/o Reisebüro Weilke, Rathausstraße 21 in 48268 Greven, E-Mail: Anita Wagener@Weilke-Reisen.de).

Was so gewöhnlich an Fragen nach ostpreußischen Spezialitäten an mich herangetragen wird, beantworte ich selber. Gerade habe ich die Rezepte von "Buttermilchkartoffeln" und "Pflaumenkeilchen" weitergegeben, da wird mir ein Leserwunsch vorgelegt, den ich beim besten Willen nicht erfüllen kann: Gesucht wird das Rezept von "Plamperntunke". Es soll aus Ostpreußen stammen, aber ich kenne das Gericht nicht, habe nie davon gehört, finde es in keinem Kochbuch. Es hört sich auch gar nicht ostpreußisch an, ich denke da eher an Schlesien, denn zu den Zutaten sollen verschiedene Würste wie Krakauer und Oppelner gehören. Außerdem Frankfurter und Wiener Würste sowie Kassler - ganz schön deftig, diese "Tunke"! Wer kennt das Rezept (Zuschriften bitte an Petra Lohmann, Redaktion Leserservice "Onkel Max", Kampstraße 84 b in 45772 Marl, Telefon 0 23 65 / 10 72 46, Fax 0 23 65 / 10 72 47, E-Mail: onkelmax@zb-marl.de)?

Jetzt müssen die Berliner hinhören, denn es geht bei der Suchfrage von Johannes Krassowski um drei Berliner Kinder, die ausgebombt waren und 1943/44 nach Ostpreußen verschickt wurden. Die Schwarz-Geschwister Vera, Karl-Heinz und Erna kamen nach Nickelshorst, Kreis Sensburg. Karl-Heinz Schwarz wurde von der Familie Krassowski aufgenommen. Alle drei besuchten die Volksschule in Nickelshorst. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft, die auch nach dem Krieg Bestand hatte, denn Johannes Krassowski besuchte 1946 die Familie Schwarz in Berlin, die damals in der Frankfurter Allee 64 wohnte. Ein Jahr später kehrte Herr Krassowski in seine Heimat zurück, bis Ende 1948 bekam er noch Post, dann riß die Verbindung ab. "Es wäre so schön, ein Lebenszeichen von ihnen zu erhalten", schreibt unser Landsmann, aber das dürfte schwierig sein, denn die Mädchen Vera und Erna Schwarz werden wohl durch Heirat ihren Namen gewechselt haben. Und es ist auch unwahrscheinlich, daß sie diese Zeilen lesen. Unser Landsmann würde sich freuen, wenn ihm unsere Familie bei der Suche hilft. Der erste Schritt ist jedenfalls getan, wir haben seinen Wunsch veröffentlicht (Johannes Krassowski, Höhfeldstraße 8 in 42553 Velbert).

Und dies noch in Kürze: "Wer kann Auskunft über den Verbleib unserer früheren Nachbarn, der Familie Will aus Pr. Eylau, Fritz-Schlegel-Straße 18 (Siedlung), geben?" fragt unser Leser Horst Straßmann. Frau Will hieß mit Vornamen Anna, ihre Tochter Inge. Über eine Nachricht würde sich die Familie Straßmann sehr freuen (Horst Straßmann, Meteorstraße 16 in 25336 Elmshorn, Telefon 0 41 21 / 6 25 12).

Noch knapper: "Mein Vater Franz Fleischer aus Tolksdorf, Kreis Rastenburg ist seit unserer Flucht am 22. Januar 1945 verschollen, nach unserer Abfahrt ist er nirgends wieder aufgetaucht!" So der Sohn Franz Fleischer, dessen Rückfragen im Kreis der Dorfgemeinschaft von Tolksdorf, wie auch Erkundigungen bei allen bekannten Suchstellen, ohne Erfolg blieben. Aber ob hier die Ostpreußische Familie helfen kann (Franz Fleischer, Hagener Allee 38 in 22926 Ahrensburg, Telefon 0 41 02 / 5 38 59)?

Eure Ruth Geede


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