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25.02.06 / Idealbild / USA-Austausch wird zur Hölle

© Preußische Allgemeine Zeitung / 25. Februar 2006

Idealbild
USA-Austausch wird zur Hölle

Aufgeregt geht die australische Austauschschülerin Louise auf ihre US-amerikanische Gastfamilie zu. Sofort ist der aus einer sozialschwachen und asozialen Familie stammende Teenager von den Hardings begeistert: Henry und Margret machen einen wohlsituierten Eindruck, und auch die kleine Vorstadtvilla begeistert das Mädchen. Die 13jährige Bridget und der 15jährige James sind ebenfalls sehr freundlich zu ihrer Gastschwester, auch wenn Louise Bridgets oberflächliches Geplapper schnell auf die Nerven geht. Schnell jedoch offenbart sich, daß auch die scheinbar makellosen Hardings nicht ganz so makellos sind. Louise jedoch will die Zeichen nicht erkennen und redet sich alles schön. Nichts soll ihren Traum von ihrem neuen Zuhause zerstören. Briefe von ihrer Mutter werden ignoriert, und das von Komplexen zerfressene Mädchen versucht sich, in ihr Idealbild zu fügen. Aber nicht nur Louise neigt zur Schönfärberei, auch die Hardings sind der Meinung, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Als Louise nach einer Begegnung mit ihrem alten Ich zum ersten Mal zu Drogen verführt wird und verdreht nach Hause kommt, will Margret das ständig an Schlaflosigkeit leidende Gastkind sofort abschieben. Henry zeigt Verständnis, kann sich jedoch nicht gegen seine Frau durchsetzen, als Margret auch noch eine Flasche Gin im Zimmer der Musterschülerin findet. Lou kommt für den Rest ihres USA-Aufenthalts ins Heim.

Die Autorin von "Schlaflos", Maria Hyland, wuchs als Tochter irischer Eltern in schwierigen Verhältnissen in London auf. Offenbar weiß sie, wie die sozialen Lebensverhältnisse das Selbstbewußtsein eines Kindes beeinflussen können, so sehr, daß es trotz Intelligenz sich selbst im Wege steht. An einigen Stellen ist "Schlaflos" zwar ein wenig anstrengend, doch offenbart es die komplizierten Emotionen und Denkwege junger Erwachsener auf dem Weg zur Selbstfindung.

Am Ende ihres Amerika-Aufenthaltes hat Louise zumindest erfahren, daß Geld, schöner Schein und gutes Aussehen keineswegs Garantien für Glück sind. R. Bellano

M. J. Hyland: "Schlaflos", Piper, München 2005, kartoniert, 377 Seiten, 14 Euro


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