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11.03.06 / Ein Herz und eine Seele

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. März 2006

Hans-Jürgen Mahlitz:
Ein Herz und eine Seele

Anfangs waren sie wirklich wie "ein Herz und eine Seele", die Berliner Großkoalitionäre Merkel und Müntefering. Keine Gelegenheit ließen sie aus, sich der staunenden Öffentlichkeit wie der vereinigte Vorstand vom "Gesangverein Harmonia Eintracht" zu präsentieren.

Nun ist das neue Traumpaar der deutschen Politik zwar noch nicht "in die Jahre gekommen". In der Politik aber geht bekanntlich vieles etwas schneller (außer der Umsetzung von Wahlversprechen natürlich). Also reicht der Ablauf der legendären ersten 100 Tage, und schon beginnt der Lack abzublättern - die große Koalition erinnert immer weniger an das gute alte Sprichwort und immer mehr an die Ekel-Alfred-Kultserie. Wobei jede Ähnlichkeit mit lebenden Politikern selbstverständlich reiner Zufall wäre.

Ekel Alfred, der Anti-Held von "Ein Herz und eine Seele", zeichnete sich durch deftiges Vokabular und maßlos überzogene Einseitigkeiten aus - die Karikatur des deutschen Spießbürgers, wie man ihn sich in sogenannten fortschrittlich-kritischen Kreisen vorstellte.

Kein Vergleich also mit Franz Müntefering. Dessen gepflegte und feinfühlige Wortwahl ("Heuschrecken") harmonisiert perfekt mit seiner Ausgewogenheit. Ein Beispiel: Wenn er jungen Arbeitslosen die Kürzung des ohnehin bescheidenen Hartz IV androht, begegnet er dem postwendend erhobenen Vorwurf, er wolle junge Leute einseitig belasten, indem er die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre ankündigt.

Natürlich ist ihm bewußt, daß solche Maßnahmen weder Junge noch Alte wieder in Lohn und Arbeit bringen, solange in Deutschland ein paar Millionen Arbeitsplätze fehlen (und immer noch welche ins Ausland verschoben werden). Aber beim Ignorieren dieser Erkenntnis befleißigt er sich vorbildlicher Ausgewogenheit - wenn schon, dann soll es eben alle treffen.

Allerdings trifft es doch nicht alle gleich, wenn "Münte" zu seinen überraschenden Rundumschlägen ausholt. Es trifft in erster Linie seine eigene Partei, die SPD, deren Bundesvorsitzender er ja zeitweise mal war. Deren Umfragewerte - soweit man solchen überhaupt noch trauen kann - gehen steil in den Keller. Denn es schadet vor allem den Genossen, wenn ihr wichtigster Mann im Kabinett fast nur noch durch Alleingänge auf sich aufmerksam macht, die weder mit den eigenen Partei- und Fraktionsgremien noch mit dem Koalitionspartner abgestimmt sind. Frau Merkels Unions-Christen, von denen viele vergessen haben, wofür das C eigentlich steht, profitieren einstweilen davon, ohne selber etwas dafür tun zu müssen.

Die Fehler des Genossen Müntefering aber können auch Nicht-Genossen nicht egal sein. Das Wohl unseres Vaterlandes - genauer: sein Bestand als Kulturnation und Wohlstandsgesellschaft - hängt auch davon ab, daß alle, die in politischer Verantwortung stehen, sich dieser bewußt sind und danach handeln. Mit Alleingängen läßt sich keine Reformpolitik machen. Gerade in einer solchen Krise, wie unser Land sie zur Zeit durchzustehen hat, reicht es nicht, wenn alle an einem Strang ziehen - sie müssen auch alle in dieselbe Richtung ziehen, und das tun nicht alle. Müntefering ist dafür ein herausragendes, aber leider keineswegs das einzige Beispiel.

Um noch einmal an Ekel Alfred, diese Karikatur des Spießbürgers, anzuknüpfen: "Münte" ist nicht die Karikatur des spießigen Sozialisten. Er ist es wirklich - ein sozialistischer Spießbürger.


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