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11.03.06 / Risiko Fußball

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. März 2006

Risiko Fußball
von Harald Fourier

Vergangenes Wochenende habe ich einen Wochenendtrip nach Estland gemacht. Ziel: Reval (Tallinn). Beförderungsmittel: eine bekannte Billigfluggesellschaft. Sie wurde ihrem Ruf in jeder Hinsicht gerecht. Der Pilot nuschelte auf englisch irgendwas von einem "leichten Abendessen", auf das wir Passagiere aber bis zur Landung vergeblich warten mußten. Für Cola und Kaffee mußten zwei Euro (jeweils, versteht sich) berappt werden.

Das Bodenpersonal in Estland war so unfreundlich wie der Kapitän unehrlich. So wie die meisten Service-Kräfte.

Ansonsten kann der Besucher der baltischen Staaten nur staunen: Keine zwei Jahre nach dem EU-Beitritt haben die Esten den westlichen Lebensstandard erreicht, fahren offenbar alle BMW oder Mercedes und zahlen genauso viel für ein Bier in der Kneipe wie wir!

Städtereisen ins östliche Europa - von Helsinki bis nach Sofia - haben große Konjunktur. Die Billigflieger, die bis zu 80, 90 Prozent günstiger sind als Lufthansa & Co, machen es möglich. Der neue Trend zum Kurzurlaub zählt daher auch zu den großen Themen der diesjährigen Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin.

Diese Woche startete sie wieder, die weltgrößte Reisemesse unter dem Berliner Funkturm. Es gibt sie bereits seit 40 Jahren. Damals - 1966 - warnten die Fremdenverkehrsverbände noch vor einer solchen Veranstaltung "wegen vollständiger Zwecklosigkeit". Zur ersten Messe kamen nur 250 Besucher. Auf zehn Tage verteilt!

"Tempores mutantur et nos mutamur in illis", wußten schon die Alten Römer (Die Zeiten haben sich geändert und wir uns in ihnen). 2006 sind 10000 Aussteller aus 180 Ländern präsent - und zwar noch bis zum morgigen Sonntag. "Mindestens 160000 Besucher" erwartet die Messe Berlin. Um auf Nummer Sicher zu gehen, hat die Messegesellschaft vergangene Woche sogar noch Postwurfsendungen im Berliner Stadtgebiet verteilen lassen, eine bislang unübliche Aktion.

Eine konkrete Angst sitzt dem Wirtschaftszweig 2006 im Nacken: die Unsicherheit wegen der Fußball-WM. Niemand kann vorher sagen, ob nun Urlaubsreisen von Deutschen reihenweise abgesagt werden, weil sie das Ereignis zu Hause erleben möchten. Oder ob sich die optimistischen Schätzungen bewahrheiten, daß die ganze Welt zu Gast bei Freunden sein wird, was dem Land eine Rekordzahl an Besuchern bescheren dürfte. Derlei Unwägbarkeiten beurteilen die meisten Vertreter dieses Wirtschaftszweigs typisch deutsch und halten die schlechtere Möglichkeit für die Wahrscheinlichste: 2006 werde ein ganz mieses Jahr. Man hoffe nun, daß wenigstens einige deutsche Frauen im Ausland noch Urlaub machen möchten. Ohne ihre Männer und ohne Fußball.


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