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11.03.06 / Besser als ihr Ruf / Die Wehrmacht im Vergleich mit der US-Army

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. März 2006

Besser als ihr Ruf
Die Wehrmacht im Vergleich mit der US-Army

Das deu-tsche Heer (im Zweiten Weltkrieg) war eine vorzügliche Kampforganisation. Im Hinblick auf Moral, Elan, Truppenzusammenhalt und Elastizität war ihm wahrscheinlich von den Armeen des 20. Jahrhunderts keine ebenbürtig." Das ist die Quintessenz einer vergleichenden Untersuchung der Kampfkraft der deutschen Wehrmacht mit der US-Army aus der Feder des an der Hebrew University in Jerusalem forschenden und lehrenden Historikers Martin van Creveld in seinem Buche "Kampfkraft". Man reibt sich überrascht die Augen: So vorzüglich soll die Wehrmacht gewesen sein, die doch von den führenden bundesdeutschen Verteidigungsbeamten, ob in Zivil oder in Uniform verabscheut wird, und von der sie erklären, sie dürfe keineswegs Vorbild und Beispiel für die Bundeswehr sein!

Das Buch ist das Ergebnis einer umfangreichen Forschungsarbeit vom Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Zur Zeit des US-Präsidenten Carter war die US-Armee in einem schlimmen Zustand. Der Vietnamkrieg hatte die Moral des Landes, vor allem aber seiner Soldaten, angeschlagen. Das Selbstbewußtsein war geschwunden. Es fragten sich die verantwortlichen amerikanischen Militärs was falsch gelaufen sei bei Aufstellung und Ausbildung der US-Streitkräfte und wie der Zustand zu ändern sei. Es drängte sich die Frage auf, wie es zu erklären sei, daß die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg so hervorragend gekämpft hatte, und das selbst noch in den letzten Wochen in verzweifelter Situation. Das Ergebnis der Untersuchung ist in dem soeben in deutscher Übersetzung erneut erschienenen Buch niedergelegt.

Nun ist der jüdische Wissenschaftler van Creveld keineswegs ein Freund der Deutschen, was auch verständlich ist. Er ist aber sachlich und vernünftig genug, sich von den propagandistischen Parolen freizumachen, weil er wirklich aus der Vergangenheit Schlüsse für die Zukunft ziehen will. So untersuchte er vergleichend Wehrmacht und US-Army, um deren Gefechtswert und ihre Ursachen zu ermitteln.

Voraussetzung für eine Armee mit vorbildlicher Kampfkraft ist nach seinen Feststellungen ein Soldat, der kämpfen will, der von der Gesellschaft hoch geachtet wird, der gut ausgebildet wurde, der sich diszipliniert verhält und gut geführt wird. Mit welcher Organisation sei das zu erreichen, fragt der Autor.

Fest steht, daß die Soldaten der Wehrmacht von hoher Kampfmoral beseelt waren. So hatten sie vom Anfang des Krieges an Erfolg, obwohl "die Wehrmacht 1939 nicht auf einen Konflikt vorbereitet war", da "noch keine tief greifende Aufrüstung stattgefunden hatte", so Creveld. Ein großer Teil ihrer Ausrüstung war veraltet; 80 Prozent ihrer Einheiten waren noch mit Pferden bespannt. In technischer Beziehung war sie den gegnerischen Armeen unterlegen, siegte aber trotzdem.

Der Verfasser untersucht die Grundsätze der Ausbildung beider Armeen und stellt fest, daß die deutschen Soldaten in weitaus höherem Maße zum selbständigen Handeln ausgebildet worden waren als die US-Soldaten. Die Behauptung von dem "deutschen Kadavergehorsam" sei nichts als gegnerische Propaganda gewesen. Weil in den amerikanischen Streitkräften im Einsatz den Soldaten jede Einzelheit befohlen werden mußte, gab es bei ihnen sehr viel mehr Offiziere als in der Wehrmacht. Dafür war das deutsche Unteroffizierkorps deutlich höher qualifiziert als das amerikanische. Vom ersten Tag der Ausbildung an waren die deutschen Soldaten, im Gegensatz zu den amerikanischen, in Stammverbänden zusammengefaßt, in die sie auch stets zurückkehrten. Dadurch entstand unter ihnen ein festes Band der Kameradschaft. Es ist bemerkenswert, daß Creveld festgestellt hat, die deutschen Soldaten seien in geringerem Maße politischer Propaganda ausgesetzt gewesen als die amerikanischen. Während in der US-Army fast neun Prozent der Soldaten psychiatrisch behandelt werden mußten, lag der Satz in den deutschen Einheiten unterschiedlich hoch, überstieg aber nie 2,7 Prozent.

Creveld untersuchte die Besoldung, die Urlaubsregelungen, die Systeme der Auszeichnungen und Beförderungen, das Beschwerdewesen, die Auswahl und Ausbildung der Offiziere. (In Deutschland wurde bei deren Auswahl mehr Gewicht auf charakterliche Stärken gelegt als auf intellektuelle Fähigkeiten.)

Der Autor wollte "das Geheimnis der hohen Kampfkraft des deutschen Heeres" erforschen. Er meint, daß manche seiner Erkenntnisse Eingang gefunden hätten in eine Reform der amerikanischen Armee. Nach seiner Auffassung kann es allein die israelische Armee an Kampfkraft mit der damaligen Wehrmacht aufnehmen.

Ein bemerkenswertes Buch! Es beweist, daß man Erkenntnisse aus der Vergangenheit nur gewinnen kann, wenn man sich von aller Propaganda befreit. H.-J. von Leesen

Martin van Creveld: "Kampfkraft - Militärische Organisation und Leistung der deutschen und amerikanischen Armee 1939-1945", Ares Verlag GmbH, Graz 2005, s/w Abb., geb., 216 Seiten, 19,90 Euro


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