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08.04.06 / In welchem Lande leben wir?

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. April 2006

Hans-Jürgen Mahlitz:
In welchem Lande leben wir?

Wo leben wir eigentlich? Im Lande der Dichter und Denker? Im Lande eines Martin Luther, der als Theologe und als Sprachschöpfer Jahrhunderte währende Nachwirkung entfaltete? Eines Goethe oder Schiller, die in aller Welt als Dichterfürsten anerkannt sind? Eines Bach oder Beethoven, deren Werke noch heute bis in den fernsten Winkel dieser Erde klingen? Eines Immanuel Kant, der philosophische und moralische Maßstäbe für alle Ewigkeit setzte? Eines Albert Schweitzer, der in Afrika als leuchtendes Beispiel dafür steht, daß Weiße nicht nur als Eroberer und Ausbeuter kamen? Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Heute aber leben wir in einem Land, in dem kleinkariert diskutiert wird, ob es eine "deutsche Leitkultur" geben darf. Ob in deutschen Schulen und auf deutschen Schulhöfen der vorzugsweise Gebrauch der deutschen Sprache verlangt werden darf. Oder ob man - so die Idee eines soeben wiedergewählten Ministerpräsidenten - diese Form der Verständigung auf den Hausgebrauch beschränken, sich ansonsten aber des Englischen befleißigen sollte.

Wir leben in einem Land, in dem Fernseh- und Radioprogramme ohne hinreichende Fremdsprachenkenntnisse ein "Buch mit sieben Siegeln" bleiben (was angesichts der Qualität der Programme kaum als Verlust zu werten ist). In einem Land, in dem es als schick gilt, die eigene nationale Identität zu leugnen (man umschreibt das mit "kritisch hinterfragen") und sich völlig unkritisch bei allen möglichen fremden Identitäten anzubiedern.

Und, so der aktuelle Befund, wir leben in einem Land, das erst eine Horde disziplinloser, wild geworderer Hauptschüler "mit Migrationshintergrund" benötigt, um endlich wachgerüttelt zu werden und sich jahrzehntelanger Fehlentwicklungen sowohl in der Bildungs- als auch in der Ausländerpolitik bewußt zu werden (siehe dazu auch Beitrag von Klaus Rainer Röhl auf Seite 8).

Zu diesem bitteren Befund gehört auch das Thema "Handy". Hier hat sich, viel zu lange von Lehrern und Eltern unbemerkt, eine "Subkultur" - korrekt sollte es heißen: Pseudokultur - etabliert, deren "künstlerische Substanz" sich im Austausch möglichst widerwärtiger, brutaler, tabu- und hemmungsloser Gewalt-, Porno- und Horrorvideos erschöpft. Vor ein paar Monaten machte eine Schule im niedersächsischen Gifhorn erstmals darauf aufmerksam, daß in den Pausen blutige Prügeleien eigens inszeniert wurden, um den Umstehenden Schülern spektakuläre Aufnahmen mit ihren Foto-Handies zu ermöglichen - wer die härtesten Passagen verbreiten konnte, war "der King".

Das Thema ging, trotz Bericht in "Panorama", unter, bis jetzt an bayerischen Schulen bei Razzien offenbar wurde, welch erschreckendes Ausmaß diese Gewaltwelle bereits angenommen hat. Und wie reagiert man in diesem Land, in dem wir leben? Es wird allen Ernstes darüber diskutiert, ob Lehrer das Recht haben, zu kontrollieren, was die "lieben Kleinen" da so alles auf ihrem HighTech-Gerät gespeichert haben, ob der Staat gar das Recht hat, den Gebrauch von Mobiltelefonen in der Schule generell zu untersagen. Aber niemand stellt die viel näher liegende Frage, wozu Schüler im Unterricht überhaupt ein Handy brauchen. Um Goethe oder Luther, Schiller oder Kant kennenzulernen, ja wohl kaum - deren Werke passen nun mal nicht in SMS oder Videoclip.


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