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08.04.06 / Aus Liebe / Das Leben der Friede Springer

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. April 2006

Aus Liebe
Das Leben der Friede Springer

Friede Riewerts, aufgewachsen auf der Insel Föhr, kommt mit 23 Jahren nach Hamburg und wird Kindermädchen im Hause von Axel Springer. Nach zwei Jahren wird sie die Geliebte des Hausherrn. Er nahm sie mit auf Reisen, bei denen sie bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur kennenlernte. Die Mitarbeiter des Verlages legen ihre friesische Verschlossenheit als kühle Berechnung und nicht als tiefe Liebe aus. Ihre dienende Rolle, für die sie sogar den Kontakt zu ihrer Familie auf das Notwendigste reduzierte, habe nur ein Ziel gehabt, fünfte Ehefrau zu werden, so munkelt man.

Nach zehn Jahren "wilder Ehe" machte Axel Springer seiner Friede einen Heiratsantrag. Lange hatte sie darauf gewartet und den Gedanken daran schon aufgegeben. Friede sagte nicht sofort ja, denn zu ihrer Vorstellung von Familienleben gehörten Kinder. Aber Axel Springer hatte ihr schon vor Jahren erklärt, er wolle keine weiteren Kinder. Sie sollte ganz für ihn dasein, auch wollte er sie mit niemandem teilen. Außerdem wäre er ein schlechter Vater und würde den Kindern nicht das geben, was sie bräuchten. So verzichtete sie ihm zuliebe auf Kinder und lebte bis an die Grenze der Selbstverleugnung nur für diesen Mann.

1985 stirbt Axel Springer und Friedes wohlgeordnetes Leben an der Seite des erfolgreichen Mannes stürzt ein. Schmerzlich vermißt sie seinen Humor, sein Lachen, die gemeinsamen Spaziergänge, die Abende vor dem Kamin und die vielen anregenden Gespräche. Noch lange hat sie seine Worte im Ohr: "Du wirst das schon machen, Friede." Als Haupterbin des Springerkonzerns wird sie sich später noch oft an diese Worte erinnern, wenn sie sich menschlich und juristisch gegen ihre Miterben, verkrustete Strukturen, Intrigen, Mißstimmungen im Vorstand, Speichellecker, Bücklinge und Drückeberger im Verlag durchsetzen muß. Mit viel Geduld und fremder Hilfe rettet sie das Lebenswerk ihres Mannes vor der Zerschlagung.

Die Autorin Inge Kloepfer beschreibt in ihrer Biographie über Friede Springer glaubwürdig und einfühlsam den Charakter und die Lebensgeschichte einer ungewöhnlichen Frau, die es vom Kindermädchen, gegen ihren Willen, bis an die Spitze eines großen Medienkonzerns geschafft hat. In vielen Gesprächen mit Inge Kloepfer erzählt Friede Springer, immer wohltuend diskret, von ihrem Leben mit Axel Springer. Wie sie nach seinem Tod mit ihrer friesischen Bodenständigkeit und gesundem Menschenverstand und ohne sich von den vielen selbsternannten Experten beeinflussen zu lassen, das fast zerschlagene Lebenswerk ihres Mannes wieder zu einem wirtschaftlich florierendem Zeitungsimperium aufbaut. Friede Springer war nie die "graue Maus" an der Seite ihres Mannes, sondern eine starke Persönlichkeit, die es nur nicht liebt, im Vordergrund und Rampenlicht zu stehen. Barbara Mußfeldt

Inge Kloepfer: "Friede Springer - Die Biographie", Hoffmann und Campe, Hamburg, geb., zahlr. Fotos, 319 Seiten, 22 Euro


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