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08.04.06 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. April 2006

Immer April / Warum Schröder wirklich nichts wußte, die Chinesen Geld von uns kriegen, und warum das alles nie ein Ende hat
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Was das jetzt wieder soll: Natürlich hatte Schröder keine Ahnung von der Milliardenbürgschaft, mit der die deutschen Steuerzahler für die Ostseepipeline geradestehen sollten. Unbegreiflich, warum ihm das keiner glauben will. Bekanntlich gehört es seit jeher zu den Grundregeln gewisser Firmen, daß jeder, der drinhängt, nur soviel weiß, wie er für seinen Teil des Deals unbedingt wissen muß und nicht mehr. Damit ist sichergestellt, daß er nicht allzuviel verpfeifen kann, wenn sie ihn schnappen.

Die Vorsicht wäre im Falle des Altkanzlers allerdings entbehrlich gewesen. Hochprofessionell ließ Schröder die Presse beim ersten öffentlichen Verhör auflaufen: Gasprom will gar keinen Kredit, also gibt's auch keine Bürgschaft. Die Häme, die sein Lächeln dabei durchzog, war echt: Jetzt habt ihr geglaubt, ihr habt mich, ihr Deppen - ätsch!

Solch ein Auftritt ist gar nicht so einfach wie er scheint, das muß man drauf haben. Schröder hätte sich auch verheddern können wie der Pressesprecher des Entwicklungshilfeministeriums, Markus Weidling, als es um China ging.

China ist in aller Munde. Als Vorzeigewirtschaft, die Deutschland gerade überholt oder als Räuberhöhle skrupelloser Produktpiraten, auf jeden Fall als die kommende Großmacht, die uns lahme Europäer demnächst wegfegen wird. In diese Flut bedenklicher Meldungen platzte die Notiz, daß Deutschland dem Reich der Mitte jährlich 68 Millionen Euro an Entwicklungshilfe überweist. Wenn sie uns schon in den Rinnstein kehren, müssen wir ihnen dabei auch noch den Besen halten? - fragen die ziemlich irritierten Deutschen. Nicht doch, winselte Weidling und ritt sich und sein Ministerium prompt noch tiefer hinein: "Wir sehen die 68 Millionen eher als Dialogkosten." Das hätte der brave Mann lieber nicht gesagt.

Offensichlich ging Weidling davon aus, daß man mit "Dialog" jeden denkbaren Schwachsinn begründen kann. Das war wohl auch mal so. Seitdem einige unserer Dialogpartner jedoch das Sprechen gelernt haben und Todesurteile für Christen oder Eroberungsphantasien für Europa aus ihren Mundwinkeln tropfen, hat der "Dialog" einen Gutteil seines betäubenden Wohlklangs eingebüßt. Es soll sogar Zyniker geben, die "Dialog" mit "Lügen und Belügen lassen" übersetzen. Kurz: Weidling hat den deutsch-chinesischen Beziehungen vermutlich schwer geschadet, als er sie in Zusammenhang brachte mit einem Wort wie "Dialog".

Und das Geld? Ach ja, das ist nun nichts Besonderes. Was rackern wir uns ab, um beispielsweise das "Infrastrukturgefälle im Zuge der europäischen Harmonisierung abzubauen" - vulgo: in anderen Mitgliedsländern Autobahnen zu finanzieren, damit sich die Unternehmen "frei auf dem europäischen Markt bewegen können", also mit ihren Produktionsstätten von Deutschland weg. Da dürfen Chinesen und Inder auf ihr Recht pochen, auch was abzukriegen vom deutschen Kuchen, zumal sie als Atommächte erhebliche Sonderlasten zu schultern haben - zu schweigen vom chinesischen Raumfahrtprogramm und dem aufwendigen Nachbau des Transrapid.

Die mürrischen Deutschen wollen das alles nur teilweise einsehen und hegen den düsteren Verdacht, veralbert zu werden. Manche halten das Ganze gar für einen einzigen, üblen Scherz, womit sie auf bizarre Weise richtig liegen könnten. Forscher haben entdeckt, daß der "Aprilscherz" aus unserer Alltagskultur verschwunden ist. Früher schlug man begierig die Tageszeitung auf am 1. April, um "sie" zu entdecken, die oft äußerst abgefeimt getarnte Falschmeldung. Alles vorbei. Ein Verlust? Im Gegenteil: Der Abschied vom Aprilscherz markiert einen gewaltigen qualitativen Aufstieg der deutschen Spaßkultur. Wie trostlos, wenn man seinen ansonsten völlig humorlosen Auftritt mit ein paar der berüchtigten "Kalauer" mühsam bespränkeln muß. Wirklich humorvolle Menschen sind immer zum Sprung bereit, verlassen sich ganz auf die Situationskomik und meiden den "Kalauer" wie die Pest. Das nennen die Franzosen "Esprit".

Den haben wir jetzt auch. Uns muß man nicht mehr "in den April schicken", damit's wenigstens einmal im Jahr was zu lachen gibt. Irgendwann sind wir nach dem Hineingeschicktwerden einfach nicht mehr zurückgekehrt und haben seitdem das ganze Jahr über 1. April, siehe China. Wer's nicht glaubt, schlage eine beliebige Zeitung der vergangenen Jahre auf. Von "Die Rente ist sicher!" bis "Mit der SPD wird es keine Mehrwertsteuererhöhung geben!" werden wir seit den 90ern mit Scherzmeldungen regelrecht zugeschaufelt.

Vom Dauerlachen bekommt man allerdings Kopfschmerzen. Dagegen können wir ab sofort etwas tun: Am Spreeufer neben dem Reichstag hat ein Künstler eine 25 Tonnen schwere Riesenaspirin aufgestellt, an der ganz Deutschland lecken darf, bis es ihm wieder besser geht.

Geben Sie's zu: Damals, in den humorlosen Tagen des teutonischen Ernstes, wäre so etwas außer am 1. April doch ausgeschlossen gewesen!

Aber war denn früher wirklich alles so schlecht? Nun ja, manchmal könnten wir nostalgisch werden. Etwa an den Tagen, an denen man insgeheim hofft, es komme jemand um die Ecke, rufe das erlösende "April! April!" und der ganze Quatsch hat ein Ende.

Schließlich warten einige sehr wichtige Aufgaben auf uns, die ohne Dauergrinsen leichter von der Hand gehen. Derzeit wäre das der Frühjahrsputz. An einigen Stellen ist Deutschland ganz schön dreckig geworden. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat entdeckt, daß sogar die deutsche Sprache bis zum Hals versaut ist von politisch unreinen Wörtern und will nun energisch gegensäubern. Wir ahnten ja gar nicht, wie viele rassistische und andere Nazi-Wörter im Deutschen überlebt haben und unser ganzes Denken verschmuddeln. Bisherige Bemühungen halfen nicht recht. So hatten die Sprachkammerjäger das Wort "Asylant" ausgemerzt und es durch "Asylbewerber" ersetzt, um diesen Personenkreis populärer zu machen. Ging schief, weil "Asylbewerber" bald dieselben Reaktionen auslösten wie zuvor "Asylanten". Ähnlich erging es dem "Ausländer", den man zum "Migranten" umtaufte und der den Deutschen trotz dem neuen Etikett weiterhin ziemlich - na sagen wir mal - "ausländisch" vorkommt.

Der DJV will daher zum großen Schlag ausholen, damit wirlich nichts Unerwünschtes mehr haften bleibt. Verbandschef Michael Konken hat das "Duisburger Institut für Sozialforschung" (DISS) mit der Ausarbeitung einer "Sprachfibel für Journalisten" beauftragt, wo es alle bösen Vokabeln zusammengeträgt, die dann mittels "Empfehlungen an Journalisten" aus dem Sprachgebrauch getilgt werden sollen. Das Institut residiert Tür an Tür mit der PDS-nahen "Rosa-Luxemburg-Stiftung" und fühlt sich dort dem Vernehmen nach nicht nur geographisch pudelwohl.

Das DISS hat Großes vor, es gilt "die Deutung gesellschaftlicher Sachverhalte grundsätzlich zu verändern". Über die Begriffe wird also unser ganzer Kopf aus- und umgeräumt, damit keine "rechten" Gedanken mehr Platz darin finden. Oben auf der Streichliste stehen alle Wörter, welche nach DISS-Recherche von den Nazis erdacht wurden. Das Schähwort "Gutmensch" etwa stamme aus dem "Stürmer" und solle nicht mehr gesagt werden dürfen. Ob bald alle deutschen Zeitungen wieder in Fraktur drucken? Schließlich waren es die Nationalsozialisten, welche die Fraktur als Regeldruckschrift ab 1941 aus Büchern und Gazetten verbannt haben.

NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) gab bereits eine Kostprobe vom neuen Deutsch nach der Rechtsprach- und Denkreform: Junge ausländische Straftäter seien nicht mehr "kriminell" zu nennen, sondern "sozial desorientiert".

Frühjahrsputz: Die Hirne der Deutschen werden von allen bösen, rechten Gedanken gereinigt

Sichtschutz in der Geldbadeanstalt Zeichnung: Götz Wiedenroth


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