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22.04.06 / Sprache und Integration

© Preußische Allgemeine Zeitung / 22. April 2006

Hans-Jürgen Mahlitz:
Sprache und Integration

Das unbefriedigende Urteil im Berliner "Ehrenmord-Prozeß" hat erneut gezeigt, wie gefährlich die Bildung sogenannter Parallelgesellschaften ist: Der Rechtsstaat hat nicht die Mittel, so zu reagieren, wie es der "gesunde Menschenverstand" erwartet. Ganz offensichtlich war der zu einer Jugendstrafe Verurteilte kein Einzeltäter; eigentlich hätte die ganze Familie auf die Anklagebank und dann lebenslang hinter Gitter gehört . Aber wie beweisen, daß hier gezielt derjenige als Mörder ausgesucht worden war, der die geringste Strafe zu erwarten hatte?

Es ist müßig, zu diskutieren, ob unser Rechtssystem den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen angepaßt werden soll. Wichtiger ist es allemal, ein weiteres Wuchern solcher gesellschaftlicher Bedingungen zu verhindern. Aber wie?

Zentrale Bedeutung kommt hier der Sprache zu. Wer auf Dauer in Deutschland leben will, muß sich in der Sprache dieses Landes verständigen können. Wer sich dem bewußt verweigert, hat hier nichts zu suchen. Daher ist es richtig, vor die Gewährung einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung - egal ob mit oder ohne deutschen Paß - die Überprüfung ausreichender Sprachkenntnisse zu setzen.

Dies soll kein Plädoyer sein für jene Arroganz, mit der zum Beispiel viele Franzosen ausländischen Gästen den Gebrauch der Landessprache abverlangen und sich weigern, es notfalls auch selber mal mit Englisch oder gar Deutsch zu versuchen. Der Gebrauch von Fremdsprachen kann durchaus zur Höflichkeit gegenüber einem Gast gehören. Wenn ich mich allerdings in gewisse Viertel Berlins oder Kölns, Hamburgs oder Frankfurts wage, habe ich nicht das Gefühl, Gästen zu begegnen.

Die hier leben, haben sich auf Dauer hier eingerichtet. "Menschen mit Migrationshintergrund", wie sie "politisch korrekt" genannt werden. Migranten, die keineswegs die Absicht haben, irgendwann einmal weiterzuwandern. Und die wir, wenn wir sie schon nicht mehr loswerden, wenigstens einigermaßen integrieren müssen.

Wer allerdings glaubt, dieses Ziel mit Sprachtests für nachziehende Ehefrauen oder Vorschul-Deutschkursen für Drei- bis Sechsjährige bereits erreicht zu haben, gibt sich Illusionen hin. Blicken wir 20, 30 Jahre zurück: Die damals in unser Land kamen, vorzugsweise aus der Türkei, lernten einigermaßen Deutsch, weil sie sonst in Deutschland nicht auf Dauer leben konnten. Aber haben diese Sprachkenntnisse auch die Integrationsbereitschaft gefördert?

Leider in vielen Fällen nicht. Im Gegenteil: Zielstrebig wurde in den einschlägigen Vierteln das Leben so organisiert, daß Deutschkenntnisse schließlich überflüssig wurden. Wer heute in Klein-Anatolien à la Kreuzberg leben will, braucht kein Wort Deutsch zu kennen. Für das tägliche Leben ist Türkisch besser geeignet - und für den Einkauf im Media-Markt ein paar Brocken Englisch.

Sprachkenntnisse führen nicht automatisch zu Integration. Eher umgekehrt: Wer sich bei uns integrieren will, wird von sich aus um Sprachkenntnisse bemüht sein. Wer sich dem verweigert, tut damit kund, daß er sich nicht integrieren will. Das gilt für Eltern, die ihren Kindern so bewußt den Weg ins Schul- und Berufsleben verbauen, wie für "Paschas", die ihre Ehefrauen mit aller Gewalt hindern, Deutsch zu lernen - eine besonders hinterhältige Form der Unterdrückung! Das mag ihrer Religion und "Kultur" entsprechen - in Deutschland hat es keinen Platz.

Und um uns vor solchen gesellschaftlichen Bedingungen zu schützen, müssen wir notfalls auch unser Rechtssystem anpassen.


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