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22.04.06 / Machtgier / Amerikanische Dynastien

© Preußische Allgemeine Zeitung / 22. April 2006

Machtgier
Amerikanische Dynastien

Eine derart weite Verzweigung seiner Nachfahren hätte sich Claes Martenszen van Rosenvelt kaum vorstellen können und wohl auch nicht, daß sein anglisierter Familienname für fast 20 Amtsjahre amerikanischer Präsidenten stehen würde. Claes stammte aus dem niederländischen Haarlem und suchte um etwa 1640 sein Glück in der Neuen Welt. Es war eine Epoche, in der Europa von schweren Verheerungen heimgesucht wurde. Im Herzen des Kontinents tobte der Dreißigjährige Krieg, in England begann der Bürgerkrieg zwischen Parlament und Krone." "Cleyn Claesie", dem kleinen Kläuschen, wie er im Register der Stadt Nieuw Amsterdam (später New York) eingetragen wurde, waren Ruhm und Ehre sowie Wohlstand jedoch fremd, doch sein Sohn Nicholas setzte nicht nur acht Kinder in die Welt, sondern brachte es auch zu einem gewissen Vermögen, das vor allem zwei seiner Söhne ausbauten. Aber nicht nur die Roosevelts, die Ronald D. Gerste in seinem Buch "Amerikanische Dynastien" vorstellt, wurden in den USA zu einer tonangebenden Familie in Politik und Wirtschaft, auch die Kennedys, Fords, Rockefellers, Vanderbilts und die Adams gründeten monarchieartige Dynastien. Gerade John Adams, der zweite Präsident der USA, hatte die englische Monarchie als Anti-Vorbild betrachtet, gründete jedoch eine eigene weitverzweigte Familie, in der die Familien-Ehre über alles ging. Erlangung von wirtschaftlicher und politischer Macht im Namen der Familie waren eines jeden Adams Pflicht. John Quincy Adams folgte seinem Vater 25 Jahre später sogar in das Amt des Präsidenten. Andere Adams verfielen jedoch dem Alkohol, da sie die an sie gestellten Ansprüche nicht erfüllen konnten. Dieses Extrem zwischen Genie und Verlierer teilen die Adams mit vielen anderen in dem Buch vorgestellten Familien. Ronald D. Gerste erwähnt sogar den Fall von Rosmary Kennedy, der Schwester des US-Präsidenten John F. Kennedy, deren Vater Joseph es nicht ertragen konnte, daß seine älteste Tochter kein Überflieger war, sondern unter einer Lern- und Leseschwäche litt. Ohne ihr Wissen ließ der Vater bei der fast erwachsenen jungen Frau einen gehirnchirurgischen Eingriff vornehmen, der fehlschlug. Da der Familie die nun geistig verwirrte Rosemary peinlich war, wurde sie in einem Behindertenheim versteckt, wo sie erst 2005 verstarb, und somit ohne es zu wissen, ihre unter tragischen Umständen ums Leben kommenden Geschwister Kathleen, John F. und Robert F. überlebte.

Ronald D. Gerste gelingt es hervorragend, politische, wirtschaftliche, private und skandalöse Fakten zu nennen, und den Leser gleichzeitig zu informieren und zu unterhalten. "Amerikanische Dynastien" erzählt von Macht und Millionen, Familientradition, Siegen und Scheitern, Tragödien, Glamour und dem schönen Schein. R. Bellano

Ronald D. Gerste: "Amerikanische Dynastien", Pustet, Regensburg 2005, geb., 319 Seiten, 26,90 Euro


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