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22.04.06 / Neuer Glanz am Heiligen See / Ein Kleinod unter den preußischen Schlössern ist nach jahrelanger Sanierung ab sofort wieder der Öffentlichkeit zugänglich - das Marmorpalais am Potsdamer Heiligen See.

© Preußische Allgemeine Zeitung / 22. April 2006

Neuer Glanz am Heiligen See
Ein Kleinod unter den preußischen Schlössern ist nach jahrelanger Sanierung ab sofort wieder der Öffentlichkeit zugänglich - das Marmorpalais am Potsdamer Heiligen See.

Der namengebende schlesische Marmor der Architekturglieder an der Fassade erstrahlt in neuem Glanz. Der zweigeschossige Prunkbau mit Belvedere auf dem Dach, 1787-1793 erbaut als Sommerschloß des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm II., liegt malerisch in die Potsdamer Havellandschaft eingebettet. Weite Blickachsen hin zur Pfaueninsel und in die großzügige Gartenanlage vermitteln noch heute die königliche Atmosphäre vergangener Zeiten.

Schon als Kronprinz hatte Friedrich Wilhelm das Grundstück am See erworben, es sich als Idealstandort seiner Schloßträume erwählt - ein Ort, der seinem Privatleben vorbehalten sein sollte. Carl von Gontard und Carl Gotthard Langhans errichteten den Backsteinbau zur Thronbesteigung des Prinzen im frühklassizistischen Stil. Durch Anbau zweier eingeschossiger Seitenflügel wurde das "neue Haus" ab 1797 von Michael Philipp Boumann (d. J.) erweitert. Das inzwischen zu klein gewordene Palais wurde von Anfang an in bewußter Distanz zu Barock und Rokoko, den bevorzugten Baustilen Friedrichs des Großen konzipiert. Ein äußerlich wie innerlich stilgebender Bau für Preußens Klassizismus.

Friedrich Wilhelm II. erlebte die Vollendung seines Traumes nicht mehr - die Arbeiten dauerten über seinen Tod bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach der Vollendung der Anbauten 1848 zogen in den Sommermonaten Prinz Albrecht, Prinz Friedrich Carl und andere herrschaftliche Gäste in die neuen Wohnräume des Nordflügels. Ab 1881 bewohnte das spätere Kaiserpaar Wilhelm II. und Auguste Victoria das Palais. 1907 wurde Prinz Louis Ferdinand (sen.) von Preußen im Marmorpalais geboren. Bis zur Fertigstellung des Schlosses Cecilienhof 1917 war das Palais bevorzugter Wohnort preußischer Prinzen. Nach Ende der Monarchie kam das Marmorpalais in die Obhut der Preußischen Schlösserverwaltung. Ab 1932 war es der Öffentlichkeit als Schloßmuseum zugänglich. Nach der Beschädigung im Zweiten Weltkrieg fristete es ein Schattendasein.

Die kostbare Innenausstattung königlicher Tage ist nun aufwendig wiederhergestellt worden. So der Grottensaal, der Konzertsaal und die Wohnräume des Königs. Sie sind prachtvoll mit Intarsien, Seidenbespannung, Stukkaturen, Marmorkaminen, Gemälden und Kunsthandwerk ausgestattet.

Herausragend ist die kostbare englische Wedgwood-Keramik. Das orientalische Kabinett wölbt sich heute wieder als seidenes Zelt über die Besucher.

Von der einstigen Pracht war nach 40 Jahren DDR-Tristesse wenig übrig geblieben.

Durch Brandbomben schwer beschädigt, mußte das Schloß ab 1946 als sowjetisches Offizierskasino herhalten. Von 1961 bis 1989 beherbergte es das Armeemuseum der DDR.

Zwischen Raketen- und T-34-Panzerexponaten verfiel die einstige Residenz zusehends. 1988 wurde mit den Restaurierungsarbeiten begonnen, 1997 war das Schloß wieder zu besichtigen. Nach erneuten Rekonstruktionsmaßnahmen können die Besucher den Einrichtungsgeschmack der Wilhelmine Enke nun wieder bewundern.

Die "schöne Wilhelmine" nahm als Mätresse Friedrich Wilhelm II. starken Einfluß auf die Gestaltung des Baus. Der König adelte seine Einrichtungsberaterin 1796 zur Gräfin Lichtenau, ihr Palais Lichtenau steht ebenfalls auf einer Sichtachse zum Marmorpalais. Sverre Gutschmidt

Königliche Wohnräume: Die eindrucksvolle Innenausstattung des Marmorpalais in Potsdam Foto: spsg


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