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03.06.06 / Eine Reise nach Deutschland / "Spiegel"-Kulturchef Matthias Matussek hält ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Patriotismus

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juni 2006

Eine Reise nach Deutschland
"Spiegel"-Kulturchef Matthias Matussek hält ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Patriotismus
von Hans Heckel

Er verstehe nicht, warum man als Deutscher nicht stolz sein solle auf sein Land, meinte kürzlich der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer. Manche Überreaktion von jüdischer Seite auf Regungen deutschen Patriotismus noch im Gedächtnis, vermag diese Äußerung auf den ersten Blick überraschen. Auf den zweiten kaum: Die Zeiten, da das demonstrative Bekenntnis zur eigenen Nation noch giftige Verdächtigungen auslöste, scheinen endgültig überwunden.

Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer erklärte noch ausgerechnet die NS-Verbrechen zum Dreh- und Angelpunkt neudeutschen Selbstverständnisses. Daß darauf kein Patriotismus gründen konnte, mußte klar sein. Ebenso versandet ist der sogenannte "Verfassungspatriotismus", nach dem sich unser Stolz allein an der Liebe zum Grundgesetz entflammen sollte.

Der Kultur-Chef des "Spiegel", Matthias Matussek, ging denn auch an solch verkrüppelten Versionen von Patriotismusersatz nur kurz vorbei und aufs Ganze. Sein neues Buch "Wir Deutschen - Warum uns die anderen gern haben können" ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein Nationalbewußtsein, das sich nicht abspeisen läßt mit ein paar handverlesenen Bruchstücken aus der deutschen Vergangenheit. Sich wie manche Politiker oder Intellektuelle allein auf die wenigen Nachkriegsjahrzehnte als einzig "unverseuchte" deutsche Geschichte zu beziehen, kommt dem Autor nicht in den Sinn. "Ich möchte, daß unsere Kinder es als wunderbar empfinden, deutsch zu sein" bündelt Matussek sein Motiv zu dem Buch im Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". Das Buch nennt er auch "eine einzige große Reise auf der Suche nach Deutschland".

Matusseks Reise begann vor Jahrzehnten mit dem Slogan "Nie wieder Deutschland" der das Bewußtsein seiner Generation geprägt habe, mit dem er nun gnadenlos abrechnet: Die Fixierung auf den negativsten Teil ihrer Geschichte habe die nationale Erinnerung der Deutschen beinahe ausgelöscht: "Jenseits der Holocaust-Gedenkkultur sind wir erinnerungsschwach bis zur Schwachsinnsgrenze."

Die zweite Etappe der Suche führte ihn in die USA, nach Brasilien und England. Dort sei ihm aufgegangen, daß das Deutschlandbild im Ausland viel positiver sei als in Deutschland selbst. Am Amazonas hätten ihm Padres einer Missionsstation von Humboldt vorgeschwärmt, US-Intellektuelle von deutschen Geistesgrößen. Zurück in Deutschland will er seinen Landsleuten nun sagen: "Wir sind nicht das Volk der Henker. Wir haben der Welt sehr viel Schönes gebracht", was man ihm auf seinen Reisen bestätigt habe.

Patriotismus sei überdies nicht nur vernünftiger und schöner als "Nie wieder Deutschland". In Zeiten, da Familien auseinander brächen, sei es um so wichtiger, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Im Zeichen der Globalisierung müßten Nationen wie konkurrierende Unternehmen verhalten, um zu bestehen - "wenn wir es nicht schaffen, auf unsere Geschichte auch stolz zu sein, sind wir zukunftsunfähig".

Diesen unmittelbaren Zusammenhang zwischen mangelndem Nationalstolz und schwindender Konkurrenz- und Reformfähigkeit hatte vor Jahren bereits der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel beim Namen genannt. Vor wenigen Wochen tat es ihm der Geschäftsführende Redakteur des "Manager-Magazins", Henrik Müller, gleich. Die ständige Selbstgeißelung lasse die Deutschen in Verzagtheit erstarren, so Henkel. Müller nannte sein Buch ganz unverblümt "Wirtschaftsfaktor Patriotismus" (siehe PAZ 16/06).

Matussek umarmt selbst die scheinbar zweifelhaften Nationaleigenschaften der Deutschen wie ihre angebliche Nörgelsucht. Das sei, so der Autor, doch nur ein Beweis, wie unglaublich ehrgeizig wir seien: "Wir sind nie zufrieden, weil wir wissen, es geht immer noch ein Stück besser. Das ist doch in Ordnung."


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