13.08.2022

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03.06.06 / Widerstand lohnt sich doch

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juni 2006

Widerstand lohnt sich doch
von Harald Fourier

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat seine Nominierung als SPD-Spitzenkandidat zur Wiederwahl im September geschickt genutzt. Auf dem jüngsten SPD-Parteitag distanzierte er sich überraschend deutlich von der Ostalgie- Befindlichkeit seines Koalitionspartners Linke/PDS: "Ich finde es unerträglich, wenn ehemalige Angehörige des DDR-Regimes ihre Opfer noch verhöhnen. Es darf nicht toleriert werden, daß sich Täter unter die Teilnehmer bei Rundgängen im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen mischen. Ich habe es selbst erlebt." Ist die Empörung echt oder gespielt? Es spricht einiges dafür, daß sich der Wind dreht und daß Wowereit dem Zeitgeist hinterherhechelt.

Eine Nummer unterhalb des überheblichen Verhaltens der Stasi-Leute hat sich schon lange ein scheinbar unpolitischer DDR-Kult breitgemacht. In den ersten Jahren nach der Revolution konnte noch vermutet werden, der Handel mit DDR-Insignien oder Sowjetsymbolen fuße nur auf der Nachfrage von Touristen. Die fliegenden Händler, die NVA-Uniformen, FDJ-Fähnchen und dergleichen verkauften, würden verschwinden, sobald sie ihren Vorrat an rotem Ramsch verkauft hätten. So die Annahme damals.

Doch längst ist eine kleine Industrie entstanden, die immer neue DDR-Konsumgüter auf den Markt bringt. Vor einem Jahr etwa verhökerte die Billigkette "Norma" Likörflaschen, auf deren Etikett DDR-Oberpropagandist Karl Eduard von Schnitzler zu sehen war. Makaberer Name des dunklen Gesöffs: "Der schwarze Kanal". Reißenden Absatz fanden derlei mäßig komische Ulkartikel kaum.

Im gleichen Jahr versuchte es die Einzelhandelskette "Reichelt" mit "Erichs Luxus Duschbad DDR" (mit DDR-Staatswappen) und "Erichs Rache", einem Kräuterlikör. Nach harten Protesten von Opferverbänden nahm Reichelt das Zeug bald wieder vom Regal.

Vergangene Woche wollte "Norma" diese unverkauften Restposten an den (Stasi-) Mann bringen. In einem Brandbrief erhob der wohl schärfste SED-Kritiker unter den einstigen DDR-Schriftstellern Siegmar Faust schwere Vorwürfe und fragte, ob in der "Norma"- Geschäftsleitung, "ein paar Verantwortliche dieser roten Diktatur untergekommen" seien. Mit Faust beschwerten sich etliche Gegner von DDR-Spaßprodukten.

Ein hilfloser Akt von einigen einflußlosen Bürgerrechtlern? Mitnichten. Nur zwei Tage darauf verschwand Erichs Duschbad. Der Firma war der Protest von SED-Opfern extrem unangenehm. Einer der Initiatoren freut sich: "Da soll noch mal jemand sagen, wir seien nicht kampagnefähig."


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