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03.06.06 / Was eine gute Lehre ausmacht / Private und staatliche Hochschulen und die Gründe ihres Erfolges

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juni 2006

Was eine gute Lehre ausmacht
Private und staatliche Hochschulen und die Gründe ihres Erfolges
von George Turner

Bei den Wirtschaftswissenschaften werden private Institute, die sich trotz ihres schmalen Fächerspektrums "Universität" nennen, von Dritten qualitativ nicht selten vor den staatlichen eingeordnet. Das paßt dann in die Argumentation, daß es privater Einrichtungen bedürfe, um hervorragende Absolventen und damit Berufseinsteiger für den internationalen Wettbewerb zu gewinnen. Da wird behauptet, die deutschen Universitäten entließen nicht die hervorragend ausgebildeten Absolventen, welche die Wirtschaft benötigt. Dies ist nachweislich falsch. In großer Zahl treten sehr gut qualifizierte examinierte Abgänger deutscher Hochschulen in die Unternehmen ein. Woher kommen ansonsten die Erfolge? Daß es daneben auch andere, weniger gute gibt, welche die Hochschulen verlassen, ist ebenso unbestritten. Das aber ist die Folge der politischen Vorgabe, daß jede Universität jeden Bewerber nehmen muß, solange Plätze vorhanden sind. Gäbe es nicht das überholte Zulassungsverfahren über die ZVS, hätte sich längst ein "Markt" entwickelt. Wenn nämlich die Fakultäten ihre Studenten selbst auswählen dürften und müßten, würde sich bald herausstellen, welche Einrichtungen besonders anspruchsvoll sind und wo es etwas lockerer zugeht. So bedürfte es keiner privaten selbsternannten Elite-Universitäten, um den angeblich anders nicht zu befriedigenden Bedarf zu decken.

Auch die Bucerius Law School in Hamburg hat vermeldet, daß der erste Juristen-Absolventenjahrgang hervorragende Ergebnisse im Examen erbracht habe. Das ist nicht erstaunlich. Die Erklärung liegt keineswegs - wie eine vordergründige und voreingenommene Kritik gern suggerieren möchte - in der Tatsache begründet, daß private Hochschulen Studiengebühren erheben und deshalb besser als staatliche Universitäten in der Lage seien, einen intensiven Paukbetrieb vorzuhalten. Sicher ist das Programm besonders dicht, die zeitliche Inanspruchnahme der Studierenden extrem groß. Das Geheimnis des Erfolgs aber liegt in der Möglichkeit, die Studierenden auszuwählen. Wer die Prozedur mit Erfolg hinter sich bringt, fühlt sich bestätigt in der Wahl des Studienfachs und bringt gute Voraussetzungen für den Lernerfolg mit. Die Gruppe der Studierenden ist, was Leistungsvermögen und Einstellung zu dem zu erbringenden Arbeitsaufwand angeht, weitgehend homogen.

Ganz anders an den staatlichen Hochschulen. Die Studierenden sind von ihren Kenntnissen und ihrem Leistungsvermögen und -willen bunt zusammengewürfelt. Beim Abschluß reicht die Skala von herausragend bis unzureichend. Die Leistungen hervorragender Absolventen sind im Grunde höher zu bewerten als die von privaten Einrichtungen, weil sie nicht jene gezielte, individuelle Anleitung und Förderung erfahren und weil sie im täglichen Betrieb manche Hürde selbst beseitigen müssen. Es ist allerdings eine Illusion anzunehmen, man könne das Studium an den staatlichen Hochschulen so gestalten wie an privaten. Es müßte dann den Fakultäten erlaubt sein, nur diejenigen zuzulassen, die qualitativ hohen Anforderungen genügen. Dies ist für den staatlichen Bereich nicht durchsetzbar. Deshalb herrschen dort Bedingungen der Massenuniversität. Solange freie Studienplätze vorhanden sind, müssen sie an Bewerber mit einer Hochschulberechtigung vergeben werden. Das garantiert das Grundgesetz und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Das gilt es zu beachten, wenn von sehr guten Ergebnissen der Absolventen privater und weit auseinander fallenden bei denen staatlicher Hochschulen berichtet wird.

Die Inanspruchnahme vom Land besoldeter, an staatlichen Hochschulen tätiger Lehrkräfte in Nebentätigkeit (und Verdienst) ist solange nicht zu beanstanden, wie nicht der Eindruck erweckt wird, im privaten Bereich sei die Lehre vorbildlich, im staatlichen hingegen mittelmäßig bis schlecht (bei identischen Professoren).

Es ist erfreulich, daß sich das Augenmerk der Hochschulen, Politiker und Ranking-Experten auch auf die Qualität der Lehre an staatlichen Institutionen richtet. So schwer es festzustellen ist, was eine "gute Lehre" ausmacht - Anerkennungen in Form von Preisen, wie sie jüngst von der Rektorenkonferenz und dem Stifterverband verliehen wurden, sind ermutigende Zeichen.

Die Umstellung des Studiums auf die neuen Abschlüsse (Bachelor und Master) und die prognostizierte Zunahme der Zahl der Studierenden von derzeitig zwei Millionen auf 2,7 erfordern eine deutliche Aufstockung des Lehrpersonals. Aber noch so viele Bemühungen, mehr Professoren einzustellen, und Anreize, Lehrveranstaltungen so effektiv wie möglich zu gestalten, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß dies für die Studierenden höchstens "die halbe Miete" bedeutet. Entscheidend bleibt die eigene Anstrengung, das Lernen nicht nur durch den passiven Konsum des Dargebotenen. Das rhetorische Feuerwerk von Professoren und aufheiternde Gags wirken nicht nur unterhaltend, sondern können auch zur Illusion verführen, man habe die Zusam-menhänge verstanden. Manch weniger glänzende Vortrag, mühevoll durch Erarbeitung von schriftlichem Material nachvollzogen, hat länger anhaltende Wirkung. Das soll kein Plädoyer für komplizierte Vorlesungen und gegen spritzige Darlegungen sein. Aber es soll deutlich machen, daß ein noch so reichhaltiges und qualitativ hervorragendes Angebot nie das Selbststudium ersetzen kann. Das gilt auch für den Umfang des Stoffs. Was für eine Pennälermentalität, wenn Studierende auf Fragen erwidern, daß der betreffende Gegenstand in der Vorlesung nicht "dran" gewesen sei. Wenn sie nicht lernen, mit dem verfügbaren Material umzugehen, fruchten alle Bemühungen der Lehrenden nicht. Das gilt für staatliche wie für private Einrichtungen.

Die Auswahl der Bewerber bedingt den Erfolg der Uni

Erstaunliche Fassade des neuen Hörsaalpavillons, wenig erstaunliche Ergebnisse: Die Bucerius Law School bringt nach eigenen Angaben hervorragende Juristen-Absolventen hervor. Foto: Ullstein


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