27.01.2022

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03.06.06 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juni 2006

Leserforum

Alle Opfer sind vor Gott gleich
Betr.: "Was man in Deutschland (nicht mehr) sagen darf" (Nr. 17)

Heilige Wahrheit. Ist es ein Unterschied, wenn ein Türke oder ein Ostpreuße verprügelt wird? Tut einem ein Faustschlag mehr Leid als der andere? Oder sind es nur die verdummten jungen Neonazis, die als alleinige Täter andere Menschen schlagen? Wenn mir jemand sagen würde, ein Zahnarzt aus Berlin jüdischer Abstammung, der in Treblinka vergast wurde, sei eine mehr Achtung wertes Opfer als ein Kleinkind aus Treuburg, das durch die Panzerketten samt dem Kinderwagen zermalmt worden ist, dem würde ich für ein entmenschtes Wesen halten. Denn beide Opfer waren vor Gott gleich, ihr Tod hat Jesus gleiche Trübsal bereitet. Wer eine Nation oder andere Opfer hervorhebt und die anderen verschweigt, der ist ohne Zweifel ein Rassist. Man muß den Mut haben, die Wahrheit zu sagen. Denn sie ist wie die Sonne, kennt keine Korrektheiten, sondern existiert einfach und muß anerkannt werden, und wenn man sie nicht beachtet, dann verschwindet sie deswegen auch nicht.

Christoph Jachimowicz, Danzig-Neufahrwasser

 

Unduldsam und ichbezogen
Betr.: "Was der Partei nutzt" (Nr. 18)

Die Ausführungen von H.-J. von Leesen lese ich immer mit großem Interesse und Zustimmung. Es findet in Deutschland so etwas wie ein Meinungskampf um die Wertung von Opfern statt, wobei noch immer ein Großteil unserer Medien den linksgestrickten, Menschlichkeit verletzenden Vorgaben folgt. Da leben wir in einem christlich bestimmten Staat und müssen hinnehmen, daß in barbarischer Weise Opfer in Schubladen gepackt und mit Wertungen versehen werden. Sehr beunruhigend ist, wie Zeitungsredaktionen Meinungen übernehmen, nur ihren Prägungen folgen, ohne über Inhalte ernsthaft nachzudenken. Auch wie Inhalte mit Personen verbunden werden, gleiche Inhalte werden anders gewertet, ist erschreckend (Platzeck - Schönbohm). In der Opferdiskussion fällt auf, wie unduldsam und ichbezogen ein sehr lauter Teil der sogenannten NS-Opfer mit Schick-salen anderer umgeht. Aber es gibt weder minderwertige noch höherwertige Opfer. Es gibt viel zu viele Opfer, die alle unsere Trauer, unseren Schmerz und unser Gedenken einzufordern haben.

Dieter Pfeiffer, Berlin

 

"Gegen seinen Willen überredet"
Betr.: "Marokkokrise" (Nr. 13)

"In eben jenem Jahr 1905 setzte Wilhelm II. ein klares Zeichen."

Ja, aber nicht aus eigenem Antrieb: "Wer regierte in Berlin? Der Kaiser regierte, von Bülow gelenkt, der seinerseits von Holstein dirigiert wurde". Geheimrat von Holstein, ehemals "Werkzeug Bismarcks", dann "der geheime Führer der Anti-Bismarck-Kampagne", legte Ende 1904 einen Plan für eine Intervention in Marokko vor. Wilhelm II. rief eine Verwirrung hervor: Er stimmte Holsteins Plan nicht zu, wie die Wilhelmstraße (d. h. das Auswärtige Amt) gehofft hatte. Vor allem glaubte er immer noch, daß Frankreich um so weniger Unruhe in Europa stiften werde, je stärker es in Marokko gebunden sei. "Nach der Ansicht Seiner Majestät", schrieb (Reichskanzler) Bülow, "lag es im deutschen Interesse, daß sich Frankreich in Marokko engagiere und festlege. Dadurch würden die Blicke der Franzosen von den Vogesen abgelenkt. Sie würden so allmählich Elsaß-Lothringen vergessen und verschmerzen. Auch würde Frankreich durch die Eroberung und Behauptung Marokkos militärisch geschwächt werden". Außerdem glaubte der Kaiser, daß eine französische Besatzung den deutschen Handel fördern könne, denn die Zustände im Innern des Landes waren noch immer so rechtlos, daß es schwierig war, Geschäfte zu machen. Selbst Bülow hatte 1902 dem französischen Botschafter Bilhourd in Berlin versichert, Deutschland habe "praktische kein Interesse an Marokko, so geringfügig und belanglos wie es zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist". Jetzt änderte der Reichskanzler - von Holstein angestachelt - seine Meinung und schlug nach einer Nötigung des Sultans von Marokko durch einen französischen Emissär im Februar 1905 den Besuch in Tanger vor: Wilhelm war entsetzt. Ein Besuch des Deutschen Kaisers beim Sultan von Marokko würde eine Sensation verursachen. Er würde nicht nur der Welt zeigen, daß Deutschland die Absicht hatte, Frankreich entgegen zu arbeiten und England herauszufordern; das ganze konservative Ausland würde dies als einen verräterischen Akt empfinden. Daß ein Herrscher, der ein Kolonialreich anstrebte, zugunsten von Arabern und gegen seine europäischen Nachbarn sein Gewicht in die Wagschale warf, würde in England als "empörende Niedertracht verdammt werden. (...) Rundweg lehnte er das Ansinnen ab." Ließ sich dann jedoch - "gegen Meinen Willen", wie er an v. Bülow schrieb - zu diesem "niederträchtigen Akt" überreden und hatte es dann wiederum nicht zum wenigsten Holsteins "Taktik des Niederknüppelns" und dessen Auswahl der Delegierten zu verdanken, daß entgegen seinem eigenen Wunsche einer Verständigung mit Frankreich die Konferenz von Algericiras jene demonstrative Geschlossenheit gegen Deutschland und eine Stärkung der Entente zum Ergebnis hatte.

(Zitate aus: Virginia Cowles, Wilhelm II., 1983, amerik. Original The Kaiser 1963)

Holger Bremhorst, Remscheid

 

Kaum Wartezeit
Betr.: "Neuer Grenzübergang" (Nr. 19)

Der Bericht ist sehr irreführend. Ich habe den Übergang zwischen Nidden und Rossitten mehrmals überquert! 1995 mit einer geführten Reise per Bus und Fahrrad, 1996 selbstorganisiert (Fahrrad), 2003 und 2005 (öffentlicher Bus), einmal von Nord nach Süd, einmal umgekehrt. In allen Fällen gab es kaum Wartezeiten, eine höfliche und nette Abfertigung und keine Probleme, wenn Königsberg als Zielort stand oder Memel. In Nidden, so habe ich 2005 gesehen, kann man in einem Tag ein Visum für das Königsberger Gebiet bekommen. Das Visum gilt für acht Tage. Als der öffentliche Bus beim letzten Mal an Nidden vorbeifuhr und ich dem Fahrer das sagte, kehrte er um und fuhr nach Nidden. Im vollen Bus gab es nicht einen einzigen Protest der russischen und vereinzelt litauischen Fahrgäste! Großes Lob!

Manfred Kremp, Bremen

 

"36facher Verdienst" ist übertrieben
Betr.: Leserbrief "Geschäft mit Solarstrom erinnert an DDR" (Nr. 15)

Vorab möchte ich den Leserbriefschreiber fragen, von welchem Anbieter er den Strom (Normaltarif) für 2,94 Cent bezieht. Da wechsele ich sofort; denn mein Strom kostet einschließlich Stromsteuer, Kohle-pfennig und Mehrwertsteuer zirka 22 Cent. Die Vergütung für den Solarstrom beträgt pro kWp in diesem Jahr noch 51,8 Cent und sinkt ab 2007 in jedem Jahr des Anlagenbaus um jeweils 5 Prozent (EEG). Da von einem bis zu 36fachen Verdienst zu sprechen ist wohl mächtig übertrieben. Um nicht zu sagen, an der Sache vorbei argumentiert. Man mag zur Solarenergie stehen, wie man will: Fakt ist, daß die fossilen Brennstoffe irgendwann verbraucht sein werden. Wenn jeder Hausbesitzer nur ein Viertel seines Stromverbrauchs selbst produziert, kann man über die stufenweise Abschaltung der AKWs nachdenken. Ehe die Sonne "verbraucht" ist, vergehen noch 1 Million Jahre. Den Kohlekraftwerken ist dann schon lange die Luft - sprich: Kohle ausgegangen. Ein Hausbesitzer mit einer 7,8-kWp-Anlage spart zirka 6900 Kilogramm CO2 pro Jahr, auf 20 Jahre ergibt das eine Summe von 137 Tonnen CO2. Noch mehr Argumente für Solarstrom? Übrigens: Den Kaninchenpreis der damaligen DDR mit dem Preis der Solarenergie zu vergleichen, ist am Problem vorbei geschrieben.

Karla Bartsch, Herzogenrath

 

DDR: mehr als "Widrigkeiten"
Betr.: Leserbrief "DDR war absolut kein GULag" (Nr. 12)

Die Verfasser obengenannter Leserzuschrift nennen die Zustände in der Ex-DDR freundlich Widrigkeiten und umschreiben somit Mauer, Stacheldraht und Stasi-Bespitzelung. Nach der Vertreibung durfte ich 28 Jahre der totalen Abschottung zum Westen am eigenen Leibe erleben, wie auch Millionen Mitbürger, die sich ebenfalls in der "Sozialistischen Koppel der SED" eingesperrt sahen. Daran konnte auch das gelegentliche Sahnetörtchen in "Erichs Lampenladen" nichts ändern. Der sehnsuchtsvolle Blick vom Fernsehturm in Richtung Westberlin war zwar auch illegal, konnte aber mit Geduld als Trostpflaster erstanden werden. Die Liste der Gebäude mit Hintergrund zur deutschen Geschichte, die aus meist politischen Gründen damals verschwinden mußten, ist nicht nur in der ehemaligen Hauptstadt der DDR lang. Diverse Altkader der SED und deren Sympathisanten kämpfen natürlich um den Erhalt der Symbole ihrer verlorenen Macht. Der "Ballast der Republik" auf dem Gelände des im Auftrage von Ulbricht gesprengten Stadtschlosses war für viele Mitbürger der Ort, an dem Schlimmes verordnet wurde. Deshalb ist er auch keine Träne der wehmütigen Erinnerung wert. Die Zuordnung des Berliner Stadtschlosses als Ort des Bösen der Hohenzollern könnte man als Verbeugung vor der sogenannten Politischen Korrektheit bezeichnen.

Hans-Georg Balzer, Groß Köris

 

Der Palast der Republik ist nur eine Anekdote wert
Betr.: Leserbrief "DDR war absolut kein GULag" (Nr. 12)

Kurz vor der Maueröffnung waren meine Frau und ich spontan nach Berlin gefahren und verbrachten die Tage im Osten der Hauptstadt. Auf dem Platz der Republik konnte man herrlich parken, es waren nur wenige Trabies unterwegs. Mittags wollten wir eine Kleinigkeit essen und gingen in den Palast der Republik. Das Restaurant wies uns ab, es wäre überfüllt. Der freundliche Portier gab uns den Tipp es im Untergeschoß, im Restaurant der "Bowlingbahn" zu versuchen. Das Essen wäre dort sowieso besser.

Dort wollten wir uns - einfältig wie wir waren - einen Platz suchen, kamen aber nicht über die Tür hinaus. Obwohl nur mäßig besetzt, wurde uns bedeutet, wir sollten an der Bar warten, bis ein Tisch frei würde. Also warteten wir. Endlich ließ man uns und ein anderes Wessi-Ehepaar rein und wies uns einen Tisch für sechs Personen zu. Mit dem Ehepaar kamen wir sogleich in ein angenehmes Gespräch. Sie waren auch wegen der in der Luft liegenden Entwicklung nach Berlin gekommen und wollten alles direkt vor Ort erleben. Statt einer Speisekarte wurden uns kurz und bündig die Gerichte gesagt.

Wir bestellten. In dem Moment wurden uns eine Frau und ein Mann an den Tisch zugewiesen. Kein Ton, kein guten Tag, gleich Bestellung, mit zwei Bier für den Mann. In so einer Situation reizt es natürlich, mit solchen Zeitgenossen ins - natürlich politische - Gespräch zu kommen, und in Kürze wußten wir, mit wem wir es zu tun hatten und auch warum gleich zwei Bier bestellt wurden: Es wird nur einmal bestellt! Auf eine Nachbestellung hatten wir sowieso keinen Appetit!

Der Herr entpuppte sich als Professor der Universität Leipzig, der glaubte das rote Banner noch hochhalten zu müssen, denn er sei aus einfachen Verhältnissen - wie bekanntlich alle - und er habe dem Staat seine Karriere als Professor zu verdanken und sei dem Staat daher auf immer und ewig dankbar. Mit meiner Frage, ob er seine Karriere nicht vielleicht seiner eigenen Tüchtigkeit zuschreiben könne, konnte er offensichtlich nichts anfangen. Die Frage, ob er seine Karriere seinem Parteibuch zu verdanken habe, erübrigte sich dann. Kurzum: Die gastronomischen Einrichtungen des Palastes der Republik gehören nicht zu den Höhepunkten, sondern zu den Anekdoten meines Lebens. Kaschemmen sind selbst unter DDR-Gesichtspunkten nicht unbedingt erhaltenswert!

Hinsichtlich der Hohenzollern und der von diesen zu verantwortenden Kriege bedarf es noch einigen elementaren Nachhilfeunterrichtes in Geschichte und im übrigen mein Vorschlag: Wem es bei uns nicht paßt, soll gerne seine eigene DDR wieder aufbauen, mit Mauer und Stacheldraht und Schießanlage und ohne Bananen und Rente. Die DDR-Nostalgie ist auf die Dauer zu peinlich!

Dr. Hans-Wilhelm Wittmeier, Rösrath

Der Palast der Republik vor wenigen Wochen: Der "selektive Rückbau" des einstigen Sitzes der DDR-Volkskammer und repräsentativen Staatsbaus ist nicht mehr aufzuhalten - aller Ostalgie zum Trotz. Foto: Mahlitz

 

Im Kriechgang
Betr.: "Brüssel spricht fast nur noch Englisch" (Nr. 17)

Und Deutschlands Politiker plappern eifrig mit. Wie sollten sie sich auch zu ihrer Sprache bekennen, die zu einem Land gehört, das zwar der Zahlmeister der EU ist, das aber jede Selbstachtung aufgegeben hat und sich an den Kriechgang unter dem Holocaust gewöhnt hat. Wer dennoch aufrecht gehen wollte, wird in die rechte Ecke gestellt und abgestraft. "Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland?" Wie fern ist dieser Anfang der deutschen Hymne der Wirklichkeit!

Wolfgang Kusserow, Köln

 

Unwiederbringlich
Betr.: Leserforum

Ein ganz großes Lob an alle unsere Leserbriefschreiber muß hier einmal zum Ausdruck gebracht werden. Es sind ganz besondere Zeitdokumente von unschätzbarem, vielleicht sogar unwiederbringlichem Wert.

Klaus Peter Kolberg, Cuxhaven-Altenwalde


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