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03.06.06 / Glaube / Was war der Deutsche Orden?

© Preußische Allgemeine Zeitung / 03. Juni 2006

Glaube
Was war der Deutsche Orden?

Hermann von Salza, Siegfried von Feuchtwangen und Winrich von Kniprode sind jenen, die sich für die Geschichte des Deutschen Ordens interessieren, durchaus ein Begriff, den meisten jedoch dürften die Namen dieser Hochmeister, ja sogar der Deutsche Orden an sich, im Vergleich zu seinen schon etwas länger existierenden Mitstreitern um das heilige Land, den Templern und den Johannitern, eher unbekannt sein. Denn während sich um die Templer Mythen ranken und die Johanniter als humanitäre Organisation heute immer noch den Alltag bestimmen, ist der Deutsche Orden der Gegenwart nur noch ein Schatten seiner selbst.

Schnörkellos, um nicht zu sagen sehr trocken, schildert Dr. Klaus Militzer, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bochum, die Entstehungsgeschichte des Deutschen Ordens. Nach der Gründung in Palästina vor Akkon 1190 und der Erhebung zum Ritterorden 1198 breitete sich der Deutsche Orden rasch aus. Detailliert zeigt der Autor die verschiedenen Besitztümer auf, die bald weit über die Grenzen des heilige Landes hinausgingen.

Klaus Militzer geht aber auch auf Statuten, Allianzen und Absonderlichkeiten ein. So ist es beispielsweise doch sehr amüsant zu lesen, daß es schon 1211 eine heute als "Copyright-Streit" bezeichnete Auseinandersetzung gab: Die Templer reichten Klage gegen den Deutschen Orden ein und erreichten, daß den Angehörigen des jüngeren Ritterordens das Tragen von weißen Mänteln mit einem schwarzen Kreuz untersagt wurde. Hochmeister Hermann von Salza mußte erst seine guten Beziehungen zu Kaiser Friedrich II. spielen lassen, der wiederum beim Papst vorsprach, bis dem Deutschen Orden 1218 das Tragen der Mäntel wieder gestattet wurde.

Nach dem vollständigen Verlust des heiligen Landes an die Moslems verlegte der Deutsche Orden seinen Hauptsitz nicht wie die beiden anderen Ritterorden nach Zypern, sondern nach Venedig. 1309 wurde der Hauptsitz unter Siegfried von Feuchtwangen nach Marienburg verlegt, dem späteren Kernland des Deutschen Ordens. Hintergründe für diese Verlegung und die Ausweitung des Deutschen Ordens beleuchtet Klaus Militzer in nachvollziehbarer Weise. Sehr strukturiert erläutert er den Aufbau und die Entstehung verschiedener Balleien. Da nicht jeder die Ausweitung des Deutschen Ordens gern sah, kam es zu Kämpfen mit verschiedenen Gegnern. Auch hier erklärt der Autor die jeweiligen Interessen und Frontverläufe.

"Die Geschichte des Deutschen Ordens" ist zwar klar strukturiert, da sie aber auch sehr nüchtern geschrieben ist, wird das Buch nur bereits am Thema Interessierte zum Lesen verleiten. R. Bellano

Klaus Militzer: "Die Geschichte des Deutschen Ordens", Kohlhammer, Stuttgart 2005, geb., Abb., 228 Seiten, 25 Euro, Best.-Nr. 5535


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