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10.06.06 / Leben wie ein König in Preußen / Die preußischen Schlösser in Berlin-Brandenburg können vielfach auch für private Feiern angemietet werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. Juni 2006

Leben wie ein König in Preußen
Die preußischen Schlösser in Berlin-Brandenburg können vielfach auch für private Feiern angemietet werden

Mit den Pfunden zu wuchern, diesen Ratschlag aus der Bibel hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) wörtlich genommen. Die Stiftung betreut die schönsten Zeugnisse der Kunst-, Kultur- und Architekturgeschichte in Brandenburg-Preußen und bietet nun allen Interessierten die Möglichkeit, verschiedene Räumlichkeiten in den historischen Schlössern und Gärten für Veranstaltungen zu mieten. Zum Schutz der wertvollen Kunstwerke und Räume sind dabei allerdings einige konservatorische Auflagen zu beachten. Vom Schloß Charlottenburg über Schloß Glienicke und das Jagdschloß Grunewald bis nach Sanssouci und Königs Wusterhausen reicht das Angebot.

Das Schloß Charlottenburg ist heute die größte Hohenzollernresidenz in der Bundeshauptstadt Berlin. Umgeben ist der Prachtbau von einem einzigartigen Barockgarten, den vielfältige Architekturen schmücken. Das gesamte Ensemble ist geprägt von prachtvoll ausgestatteten Räumen und Sälen, beeindruckenden Raumfluchten und hochkarätigen Kunstsammlungen mit herausragenden Meisterwerken. Zu sehen ist hier zum Beispiel die größte Sammlung französischer Malerei des 18. Jahrhunderts außerhalb Frankreichs. Das künstlerisch wie historisch eindrucksvolle Monument ist außerdem lebendiges Zeugnis höfischer Kulturgeschichte vom Barock bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Die westlich an das Alte Schloß anschließende Große Orangerie wurde 1709 bis 1712 im Auftrag König Friedrichs I. in Preußen nach Entwürfen Johann Friedrich Eosanders als langgestreckter einstöckiger Barockbau errichtet. Der prachtvolle, durch weite, dreiachsige Säulenstellungen hervorgehobene Salon in der Mitte öffnet sich zu den beiden in vornehmem Weiß gehaltenen Seitenflügeln. Hauptsächlich zur Aufbewahrung der umfangreichen kostbaren Charlottenburger Pomeranzensammlung während der kalten Jahreszeit gedacht, diente die Große Orangerie der Hohenzollernfamilie als repräsentativer Gartenfestsaal für Bälle, Empfänge und Hochzeitsfeiern. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude bis 1962 äußerlich wiederhergestellt und im Innern als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum errichtet worden. Er faßt 500 Personen (sitzend) bis maximal 1000 (stehend) und ist geeignet für Konzerte, Lesungen, gesetzte Essen, Empfänge, Hochzeiten.

Die Große Orangerie ist zur Zeit an die Firma IMaGE untervermietet. Für Informationen und Buchungsanfragen wenden sich Interessenten direkt an den Ansprechpartner der Firma ImaGE (Henning Borgwardt, Telefon: 030 / 25 81 03 50, Fax: 030 / 258 10 35 11, E-Mail: office@concerts-berlin.com.

Das Landgut Glienicke mit seinen lieblichen Wiesengründen, die sich zwischen laubbesetzten Hügeln sanft zur Havel hinabschwingen, entsprach ganz dem Geschmack des Prinzen Carl. Diese Anlage hatte der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné für den Vorbesitzer, Karl August Fürst von Hardenberg, geschaffen. Nach der Übernahme durch Prinz Carl kam es zu durchgreifenden Veränderungen. Nach Schinkels Entwürfen wurde in Glienicke "antik gebaut". Schloß, Casino, die Große und die Kleine Neugierde - alles wurde klar gegliedert und ausgewogen proportioniert, jene "heiter-festliche Würde" ausstrahlend, die schon Goethe und Winckelmann bewunderten.

Das Zentrum des Schlosses bildet der Rote Saal, an den sich der grüne Salon, das türkise Schlafzimmer der Prinzessin, das Marmorzimmer und die tiefblaue Bibliothek anschließen. Von den kräftigen Farben der Wände leuchten die Goldrahmen der Gemälde, funkeln die Kronleuchter, setzen Marmorkamin und das edle Schinkel-Mobiliar Akzente. Alles ist sehr prächtig, alles hat das richtige Maß und ist Teil eines harmonischen Ganzen.

Der Kavalierflügel des Schlosses Glienicke wurde 1796 erbaut und im 19. Jahrhundert mehrfach umgestaltet. Im Erdgeschoß befanden sich der Pferdestall und die Kutscherstube, woraus sich auch die Bezeichnung "Marstall" ableitet. Seit 2004 ist der Pferdestall mit seinen gußeisernen Säulen in der konstruktiven Fassung von 1872 wiederhergestellt. Teile des ursprünglichen Stallbodens sind durch gläserne Fenster exemplarisch zu besichtigen.

Der Kavalierflügel (230 Quadratmeter) bietet ideale Möglichkeiten für Vorträge, Konzerte,

Stehempfänge, aber auch für gesetzte Essen, Lesungen, Tanzveranstaltungen sowie für Hochzeitsfeiern und faßt 120 (gesetzt) bis 199 (stehend) Personen (Preis: ab 1000 Euro).

In reizvoller Lage am Ufer des Jungfernsees wurde 1824 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel das Casino erbaut. Inspiriert durch italienische Vorbilder gehört es mit seinen weit ausladenden Laubengängen zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Potsdamer Kulturlandschaft, die seit 1990 Teil des Unesco-Welterbes ist. Aus den elegant eingerichteten Räumen im Obergeschoß bieten sich stimmungsvolle

Blicke über den Jungfernsee hinweg nach Potsdam und in den von Peter Joseph Lenné gestalteten englischen Landschaftsgarten des Schlosses Glienicke.

Dieses idyllische Ambiente auf 84 Quadratmetern kann man während einer kleiner Konferenz oder eines gesetzten Essens

(14 Personen; Preis ab 2000 Euro) genießen.

Die 1839 errichtete Orangerie am Schloß Glienicke wurde während des Zweiten Weltkriegs abgerissen und 1979 nach den Originalplänen von Ludwig Persius wieder aufgebaut. Die schlichte Pflanzenhalle, in der Zitrusbäume und andere südländische Kübelpflanzen überwintern, zeichnet sich durch fünf große, nach Südosten gerichtete Bogenfenster aus, die den Raum mit Licht durchfluten. 120 Personen können den 147 Quadratmeter großen Raum von Juni bis September nutzen - für Vorträge, Konzerte, Lesungen, Stehempfänge, gesetzte Essen oder auch Tanzveranstaltungen (Preis: ab 400 Euro).

Jagdschloß Grunewald - das klingt nach Hörnerklang und erlegtem Wild. In den Wäldern und Seen rund um das malerische Renaissanceschloß "zum gruenen Wald" hatte die höfische Jagd seit 1542 Tradition. Kurfürst Joachim II. von Brandenburg ließ sich als begeisterter Jäger den bewehrten Stützpunkt errichten. Repräsentative barocke Erweiterungen und kleinere Hofgebäude kamen Anfang des 18. Jahrhunderts hinzu.

Fast alle preußischen Herrscher huldigten hier ihrer Jagdleidenschaft. Anschauliche Gemälde und kunsthandwerkliche Erzeugnisse illustrieren die Jagd, ebenso wie die monströsen und abnormen Tierdarstellungen, die der barocken Sammelleidenschaft und Freude am Spektakulären entsprachen.

Seit 1932 Museum, sind heute im Schloß neben Möbeln und Porzellanen bedeutende Gemälde des 15. bis 18. Jahrhunderts zu sehen. Darunter befinden sich Porträts der kürfürstlichen Familie von Lucas Cranach sowie eine Galerie berühmter Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts. Höhepunkt ist die Große Hofstube im Erdgeschoß. Zahlreiche Zeugnisse fürstlicher Hinterlassenschaften laden ein, höfische Kunst und Jagdgeschichte unmittelbar zu erleben.

Im Schloßhof Grunewald, der vom Frühling bis zum Herbst genutzt werden kann, finden 500 Personen (stehend) Platz (Preis: ab 600 Euro). Der Hof wird von den historischen Gebäuden und zwei großen Toren mit Torhäusern komplett eingeschlossen. Von hier bieten sich wunderbare Blikke auf das Schloß, das alte Jagdzeugmagazin sowie den Grunewaldsee.

Auch in Potsdam kann man seine Gäste auf das vorzüglichste verwöhnen, etwa im Neuen Palais im Park von Sanssouci. Die große Anlage diente erkennbar der Repräsentation, ganz im Gegensatz zu dem intimen und eher bescheidenen Weinbergschloß. Im Innern erwarten den Besucher prächtige Festsäle, großartige Galerien und fürstlich ausgestattete Appartements sowie im Südflügel das Schloßtheater von Sanssouci. Hier lassen sich erlesene Werke der Kunst und des Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts in ihrem originalen Zusammenhang erleben.

Das Neue Palais ist das letzte Schloß, das sich Friedrich der Große in seinem Park errichten ließ. Es war eine Demonstration des ungebrochenen Leistungsvermögens des preußischen Staates nach den entbehrungsreichen Jahren des Siebenjährigen Krieges (1756-

1763). Neben fürstlichen Gästeappartements, Festsälen und einem Schloßtheater ließ der König für einen seiner engsten Freunde, den Marquis d'Argens, in einem der Seitenflügel eine Wohnung einrichten. Diese im Stil des Friderizianischen Rokoko eingerichteten Räume sind Zeugnisse der höfischen Wohnkultur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dieses wunderschöne Ambiente kann man während einer Lesung, Vorträgen oder einem Stehempfang zum Beispiel im Anschluß an ein Konzert im darüber gelegenen Schloßtheater genießen. Hier finden 50 (gesetzt) bis 180 Personen (stehend) Platz (Preis: ab 1000 Euro).

Im Park Sanssouci südlich des Neuen Palais liegt der Gartensalon, der von Friedrich II. kurz nach dem Bau des Neuen Palais angelegt wurde. Er besteht aus einer ovalen Rasenfläche sowie einem Gittersalon. Wahrscheinlich diente der Gartensalon (Größe: 950 Quadratmeter, 350 Personen) damals hauptsächlich für musikalische Freiluftaufführungen. Vor einigen Jahren wurde die reizvolle Gartenarchitektur samt Umfeld liebevoll restauriert. Heute lädt der Gartensalon wieder zu Freiluftkonzerten, Stehempfängen sowie Lesungen ein (Preis: ab 500 Euro).

Der Vater des großen Preußenkönigs, Friedrich Wilhelm I., bekannt auch als der "Soldatenkönig", liebte seit seiner Jugend den Ort Königs Wusterhausen. Auch später verbrachte er dort, besonders von August bis November, mit seiner Familie glückliche Tage. Allabendlich rief Friedrich Wilhelm I. sein berühmtes Tabakskollegium ein, bei dem in geselliger Runde und bei derben Scherzen Politik gemacht wurde. Heute erhalten Besucher in dem im wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Gebäude einen authentischen Einblick in die Lebenswelt und das künstlerische Schaffen in Brandenburg-Preußen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihren ganz eigenen Reiz haben dabei die 40 eigenhändig gemalten Bilder des Königs. Die Räume im Sockelgeschoß, in denen wohl ursprünglich Vorräte gelagert wurden, vermitteln durch meterdicke Mauern, schmale Fensterschächte und Tonnengewölbe eine burgähnliche Atmosphäre. Ein Saal im Sockelgeschoß mit seinen 90 Quadratmetern eignet sich für 40 Personen und steht für Vorträge, Lesungen und Stehempfänge zur Verfügung. (Preis: ab 800 Euro).

Sollte der eine oder andere Leser auf den Geschmack gekommen sein und einmal fürstlich oder besser sogar königlich feiern wollen, dem können Dirk Ueberhorst oder Katja Berger vom Veranstaltungs- und Ausstellungsservice der

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg weiterhelfen: Fax (03 31) 96 94 - 1 06 oder E-Mail: eventlocations@spsg.de. SPSG/ os

Casino von Schloß Glienicke: Karl Friedrich Schinkel ließ sich von Italien inspirieren. Foto: SPSG


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