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10.06.06 / Schicksal Vertreibung / Für die Betroffenen sind Flucht und Vertreibung mehr als ein TV-Ereignis

© Preußische Allgemeine Zeitung / 10. Juni 2006

Schicksal Vertreibung
Für die Betroffenen sind Flucht und Vertreibung mehr als ein TV-Ereignis
von Inge Scharrer

Zum 4. Frauenseminar hatte die Landesfrauenreferentin Sachsens Dora Arnold eingeladen. Der Landesvorsitzende Erwin Kühn-appel und Dora Arnold begrüßten die Teilnehmerinnen, und als Ehrengast wurden Anneliese Franz und Maria Eichel als Referentin begrüßt. Hauptthema des Seminars: "Als wir ankamen - Flüchtlinge und Vertriebene in Sachsen 1945-49".

In ihrem Vortrag berichtete Dora Arnold sehr anschaulich, mit einem fundierten Wissen und genauen Zahlenangaben über das Schicksal der Menschen aus den Ostgebieten. Die ersten kamen als Evakuierte, das waren in der Regel Mütter mit Kindern, denen die Schrecken der Flucht erspart blieben, die aber in den Städten Sachsens oft noch in den Bombenhagel gerieten. Die zweite Gruppe waren die Flüchtlinge, die beladen mit den Schrecken der Flucht ankamen. Die letzte Gruppe waren die Menschen, die in den Jahren 1945 bis 49 aus den Ostgebieten vertriebenen wurden, oft nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen. Die Referentin schilderte den schweren Überlebenskampf der Menschen und auch die Schwierigkeiten des Landes Sachsen die aus diesen Flüchtlingsströmen resultierten. Diese Menschenmassen mußten ja auch untergebracht und verpflegt werden. Für Dora Arnold sind das nicht nur Zahlen, für sie stehen hinter diesen Zahlen auch Menschen: "Man hatte Glück, wenn man auf Familien traf, die das teilten, was sie hatten, aber es gab viel Schlimmes, Hartherzigkeit, Beschimpfungen und der Neubeginn war für alle schwer."

Es folgten zwei Berichte von Zeitzeugen. Gertrud Altermann und Elfriede Rick berichteten über ihr Ankommen in Sachsen. Beiden Frauen war anzumerken, wie sehr sie die Erinnerungen an diese Zeit bewegen. Mit Tränen in den Augen schilderten beide Referentinnen von ihren Erlebnissen, so was kann man bis an sein Lebensende nicht vergessen.

In allen Berichten kam aber auch zum Ausdruck, wie sich die Flüchtlinge und Vertriebenen in Sachsen einbrachten, als das Leben sich normalisierte. Die Großeltern und Eltern packten an, um das Land wieder aufzubauen, die Kinder und Jugendlichen lernten und holten auf, was sie versäumt hatten, und alle gingen ihren Weg, "wurden etwas" wie man sagt.

Im Mittelpunkt des Referates von Anneliese Franz stand Elisabet Boehm. 1859 geboren, setzte sich Elisabet Boehm schon früh dafür ein, daß junge Mädchen und Frauen sich weiterbildeten und selbstständig wurden - viele Jahre bevor man an den Begriff "Frauen-emanzipation" auch nur dachte. Böhm gründete den Deutschen Landfrauenverband, führte die Biene als Qualitätszeichen für landwirtschaftliche Produkte ein und machte sich um Geflügelzucht, Obst- und Gemüseanbau weit über die Grenzen Ostpreußens verdient.

Nach einer Pause kam "Heiteres und Besinnliches von und über Schiller" durch Maria Eichel zu Gehör. Nach einer kurzen Vorstellung verstand sie es, auf heitere Weise über Friedrich Schillers Leben und Werk zu erzählen. Kleine Gesangseinlagen lockerten den Vortrag auf und beim Ergänzen der Zitate aus Schillers Werken machten alle mit. Zur Abrundung der Veranstaltung folgte ein kleines Kulturprogramm.

Nur das Nötigste konnte bei Flucht und Vertreibung mitgenommen werden. Foto: Archiv


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