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17.06.06 / Sinnlose Panikmache

© Preußische Allgemeine Zeitung / 17. Juni 2006

Sinnlose Panikmache

Ein toter Bussard, gefunden im Landkreis Märkisch-Oderland - sorgsam formulierte Jens-Uwe Schade, Sprecher des Potsdamer Landwirtschaftsministeriums, seine Pressemitteilung zum 21. Vogelgrippe-Fall in Brandenburg. Der Mäusebussard trug das Virus H5N1 Typ Asia. Die Arbeit hätte sich Schade auch sparen können, denn Aufsehen in der Bevölkerung erregt die Vogelgrippe nicht mehr.

Selbst Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer dürfte inzwischen wieder einen normalen Adrenalinspiegel haben. Als im Februar die ersten toten Schwäne auf Rügen gefunden worden waren, war ihm keine Maßnahme sicher genug. Seehofers Mediengalopp hätte die Rügener beinahe die Tourismus-Saison gekostet.

Es ist nicht die Art des Ministers, auf warnende Stimmen zu hören, jetzt aber liegen neue Fakten auf dem Tisch: Zug- und Wildvögel haben mit der Ausbreitung der Tierseuche Geflügelpest wenig zu tun. Die Zugvögel, die im Herbst von Europa nach Afrika gezogen waren und jetzt wieder an ihre Brutplätze im Norden zurückgekehrt sind, waren nicht mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 infiziert.

"Derzeit ist die Zahl der Neufunde ziemlich gering, und das ist das Gegenteil von dem, was viele Leute erwartet hatten", sagte Ward Hagemeijer, Spezialist für Vogelgrippe in der niederländischen Umweltschutzorganisation Wetlands.

Seine Einschätzung deckt sich mit den Auswertungen der führenden Wissenschaftler, die jetzt in Rom und Wien auf Einladung der Welternährungsorganisation FAO und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) beraten haben. Alle bisherigen Zwangsmaßnahmen stehen in Frage; einigermaßen sicher scheint nur zu sein, daß das Virus in allererster Linie durch den Geflügelhandel verbreitet wird - besonders dann, wenn illegale Machenschaften im Spiel sind oder die Tiere unter ungeeigneten Methoden gezüchtet werden.

In Frage gestellt sind durch die Erkenntnisse der Wissenschaftler Schutzmaßnahmen wie die staatlich verfügte Stallpflicht oder das massenweise Töten von Geflügel auf Verdacht. Inzwischen sind nach den Hochrechnungen der Forscher 200 Millionen Zuchttiere getötet worden. Vs

Zugvögel sind nicht die Überträger der Vogelgrippe


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