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01.07.06 / Die Größte nach Ragnit / Reliquie in der Komtursburg Brandenburg erweckte einen Toten zum Leben

© Preußische Allgemeine Zeitung / 01. Juli 2006

Die Größte nach Ragnit
Reliquie in der Komtursburg Brandenburg erweckte einen Toten zum Leben
von Christofer Herrmann

Brandenburg war nach Ragnit die größte Komtursburg im Ordensland und besaß einen zahlenmäßig starken Konvent. Die Burg, unmittelbar am Frischen Haff gelegen, gehörte zu den frühen dreiflügeligen Kastellanlagen mit Bergfried und war durch ihre reiche Bauplastik (Laubfries, Buchstabensteine) mit Marienburg und Lochstädt verwandt. Vom Haupthaus sind schon seit dem späten 18. Jahrhundert kaum noch oberirdisch sichtbare Reste erhalten. Der Grundriß der Burg konnte jedoch durch Grabungen von Conrad Steinbrecht 1887 ermittelt werden.

Über die Geschichte der Deutschordensburg Brandenburg berichtet der Chronist Peter von Dusburg mehrfach. Die Gründung erfolgte 1266 durch Markgraf Otto III. von Brandenburg. Die hölzerne Anlage wurde aber schon ein Jahr später durch die Warmier zerstört. Einige der Verteidiger hatten sich in den Holzturm zurückgezogen und den Angriff überlebt. Der Markgraf ließ die Burg bald darauf wiedererrichten. Die Burg aus Backsein entstand vermutlich im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts. Dort lebte zu dieser Zeit ein besonders frommer Ordensbruder, Hermann von Lichtenberg, dem die heilige Jungfrau erschien. Durch eine Reliquie des Heiligen Kreuzes, die der Ordensbruder von Fleckenstein vom Rhein nach Brandenburg gebracht hatte, wurde 1322 ein toter Junge wieder zum Leben erweckt. Der Brandenburger Komtur Günther von Hohenstein erhielt 1379 von Kaiser Karl IV. eine Reliquie der heiligen Katharina zum Geschenk. Diese wurde in der Pfarrkirche aufgestellt, deren Trümmer sich nur wenige hundert Meter von der Burg entfernt befinden. 1456 und 1520 besetzten bündische beziehungsweise polnische Truppen die Burg und fügten ihr starke Beschädigungen zu. Ab 1776 erfolgte der Abbruch des Haupthauses, dessen Granitsäulen nach 1820 Verwendung beim Wiederaufbau der Marienburg fanden. Die Vorburg wurde weiter als Domäne genutzt und war noch bis in die 1990er Jahre bewohnt. Seitdem schreitet der Verfall voran. Am besten erhalten sind noch die Reste des ehemaligen großen Karwans.

Brandenburg liegt etwa 28 Kilometer südlich von Königsberg, direkt an der Hauptstraße nach Heiligenbeil. Die Reste der Deutschordensburg befinden sich nördlich der Straße, die Ruine der Kirche südlich davon.

Aus: "Burgen im Ordensland - Deutschordens- und Bischofsburgen in Ost- und Westpreußen", Bergstadtverlag, Würzburg 2006, 160 Abb., 288 Seiten, 24,90 Euro, Bestell-Nr.: 5489

Vorburg: Innenansicht der Ruine des Karwans Foto: Herrmann


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