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08.07.06 / Wie Ideologen die Idealisten verdrängten / Von der Bewegung zur Regierungspartei, vom Molotow- zum Diplomatencocktail, von der Hausbesetzung zum Dosenpfand

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. Juli 2006

Wie Ideologen die Idealisten verdrängten
Von der Bewegung zur Regierungspartei, vom Molotow- zum Diplomatencocktail, von der Hausbesetzung zum Dosenpfand

Bis heute gelten sie als die Partei der 68er. Und zu erheblichen Teilen waren und sind sie das auch. Die Grünen, in den 70er Jahren entstanden als Bewegung aus diffusen umwelt- und friedensbewegten Strömungen, Anfang 1980 als "Anti-Parteien-Partei" gegründet, sodann von der Radikalopposition zum Regierungspartner gewendet.

Die Ursprünge hatten eher im Unpolitischen gelegen. Der Begriff "Umweltschutz" tauchte um 1970 auf, ohne daß man was damit anfangen konnte. Selbst in "fortschrittlichen" linksliberalen Medien wurde belächelt, wer was über "Umwelt" schreiben wollte.

Die Wende kam 1972 mit der Studie "Grenzen des Wachstums". Autoren waren nicht versponnene Naturromantiker, sondern durchaus ernstzunehmende Finanz-, Wirtschafts- und Technologie-Experten. In Bonn wurde dem neuen Thema eine Fachabteilung in Genschers Innenministerium gewidmet, das "schwarze" Bayern richtete 1973 das weltweit erste eigenständige Umweltministerium ein.

Ansonsten aber versäumte es das bürgerliche Lager, die Bewahrung der Schöpfung als ihren ureigenen Kompetenzbereich aufzubauen. Dutschkes Jünger hingegen, auf ihrem "Marsch durch die Institutionen" über alle anarchischen Strukturen hinweg ideologisch zusammengehalten durch die antikapitalistische, die antiwestliche und die antifaschistische Klammer, erkannten schnell, daß sich hier ein auch machtpolitisch nutzbares neues Thema auftat. Sie hatten sich bereits in Institutionen wie den Medien, den Universitäten, insbesondere den Pädagogischen Hochschulen und in logischer Konsequenz den Schulen festgesetzt. Nun brauchten sie ein Vehikel, das sie auch direkt in politische Institutionen transportierte, und das fanden sie in Ökologie und Pazifismus.

So war die ursprüngliche Bewegung von Natur- und Umweltschützern bereits unterwandert, als 1979 die "Sonstige politische Vereinigung Die Grünen" erstmals zu einer Wahl (Europaparlament) antrat: Ideologen verdrängten die Idealisten. Wie die Ur-Grüne Petra Kelly, die kurz zuvor wegen der westlichen Antwort auf die sowjetische SS20-Bedrohung aus der SPD ausgetreten war: Natur und Umwelt entdeckte sie erst, als sie die Chance sah, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen.

Doch auch diese Ökopax-Richtung (die Fundis) sollte sich nicht lange halten. 1980/81 sprangen stramm-sozialistische Machtstrategen auf das grüne Vehikel. Der Frankfurter Putztruppen-Agitator Fischer tat den Karriereschritt vom Molotow- zum Diplomatencocktail, der Göttinger Hausbesetzer und Mescalero-Sympatisant Trittin bewegte sich vom Kommunistischen Bund Richtung Bun- destag, die Terroristen-Anwälte Ströbele und Schily fanden hier eine neue politische Heimat. Sie, die "Realos", drängten die Öko-Fundis beiseite, perfektionierten das Geschäft mit der Angst (vor allem beim ideologisch geprägten Kampf gegen die Kernenergie) und brachten es ganz nach oben. Ihr siebenjähriges, keineswegs segensreiches Wirken als Regierungspartei hatte für die Umwelt kaum positive Folgen, aber umso gravierendere gesellschaftsverändernde Wirkungen. Daß unser Volk "nachhaltig" darunter zu leiden haben wird, liegt in der Logik der 68er-Methode: Der "Marsch durch die Institutionen" war so erfolgreich, daß die Macht der grüngetarnten Linksideologen den Verlust der Regierungsbeteiligung überdauert. Hans-Jürgen Mahlitz


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