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08.07.06 / Fragwürdiger Sommerregen / Erneute Eskalation in Nahost - und der Westen schweigt

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. Juli 2006

Fragwürdiger Sommerregen
Erneute Eskalation in Nahost - und der Westen schweigt
von R. G. Kerschhofer

Der von Angehörigen der Hamas ausgeführte Tunnelangriff gegen einen israelischen Posten, also nicht gegen ein ziviles Ziel, war offensichtlich von langer Hand vorbereitet. Ausgeführt wurde er aber erst, nachdem die Hamas ihre im Februar 2005 einseitig verkündete und eingehaltene Waffenruhe widerrief - weil sie dafür einige Gründe hatte: Die Waffenruhe war weder von Israel noch von den USA oder der EU honoriert worden. Die Ermordung von Palästinensern - "gezielte Tötung" genannt - ging unvermindert weiter. Und die nach dem Wahlsieg der Hamas im Januar dieses Jahres gebildete Regierung wurde materiell ausgehungert und damit handlungsunfähig gemacht. Ausschlaggebend waren aber letzten Endes die Ermordung eines Hamas-Führers Anfang Juni und der Tod einer Familie am Strand von Gaza.

Auch der "Gegenschlag", die "Operation Sommerregen", war längst vorbereitet und wäre unter diesem oder jenem Vorwand auf jeden Fall durchgeführt worden. Israel gelang es bisher, einen großen Teil der Hamas-Minister,

-Abgeordneten und -Bürgermeister aus dem Westjordanland zu verhaften. Die Hamas-Regierung, die wegen des Reiseverbots zwischen Gaza und Ramallah ohnehin nur mittels Videoschaltung "konferieren" konnte, ist gelähmt, und das Parlament ist beschlußunfähig, weil die Mindestzahl an Abgeordneten nicht mehr erreicht wird. Viele Parlamentarier sind untergetaucht, und auch Ministerpräsident Haniya lebt im Untergrund. Sein Büro wurde inzwischen zerbombt, und auch er kann demnächst verschleppt oder - wie angedroht - getötet werden.

Zerstört wurde bisher vor allem Infrastruktur - da die Stromversorgung in Gaza weitgehend und längerfristig ausfällt, ist auch die Trinkwasserversorgung überwiegend lahmlegt. Daß dies alles nur der Befreiung eines israelischen Soldaten dienen soll, wird selbst von israelischen Beobachtern bezweifelt, denn Bombardierungen aus der Luft und Kanonaden aus weiter Distanz sind dazu am allerwenigsten geeignet.

Eine besonders unrühmliche Rolle spielt jedenfalls wieder einmal die EU, die sich ganz vor den Karren Israels und der USA spannen läßt. Denn die für den Boykott der Hamas vorgeschobene Begründung, daß diese Israel nicht anerkennen wolle, ist mehr als fadenscheinig: Der Türkei, die das EU-Mitgliedsland Zypern nicht anerkennt und sogar 40 Prozent von dessen Territorium völkerrechtswidrig besetzt hält, gewährt man Beitrittsverhandlungen und vorweg schon Milliarden-Subventionen! Mittlerweile hat sich die Hamas sogar mit der Fatah auf die indirekte Anerkennung Israels geeinigt. Aber der Welt ist das ohnehin egal.

Schon lange geplant: Israelische Panzer auf dem Weg nach Gaza Foto: pa


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