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08.07.06 / Roboter als Ersatz für Schwestern? / Die Qualität der Pflege in Deutschland muß nachhaltig gefördert werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / 08. Juli 2006

Roboter als Ersatz für Schwestern?
Die Qualität der Pflege in Deutschland muß nachhaltig gefördert werden
von Silke Osman

Er ist nur 1 Meter 58 groß und wiegt stolze 100 Kilo. Noch ist er allerdings ein wenig schwach auf der Brust, kann er doch nur etwa 12 Kilogramm heben. Das soll sich aber bald ändern, dann wird "Ri-Man" bis zu 70 Kilogramm spielend tragen können. "Ri-Man" ist ein Roboter, der vom japanischen "Institute of Physical and Chemical Research" entwickelt wurde und Patienten aus dem Bett heben und tragen können soll. Der künstliche Altenpfleger soll sogar hören und acht verschiedene Gerüche unterscheiden können. Die japanische Regierung, die diese Forschungen unterstützt, erhofft sich dadurch eine Entlastung auf dem Pflegesektor. Die Roboter erinnern sogar an Arzttermine, geben Medikamente oder lösen Alarm aus, wenn der Patient menschliche Hilfe braucht.

Apropos menschlich. Viele der schwerstkranken Patienten brauchen manchmal nur einen Menschen, der zuhören kann, der die Hand hält, wenn's ganz besonders schlimm wird. Doch selbst da haben die Japaner schon eine elektronische Hilfe erfunden: "Paro", eine Roboter-Robbe, die man streicheln kann und die behagliche Laute von sich gibt. 3000 Dollar soll der Spaß kosten. Ein Spaß, der mittlerweile auch schon in Frankreich, Italien und Schweden alte Menschen erfreut. Doch Deutschland steht ebenfalls nicht im Abseits. Das "Stuttgarter Institut für Produktionstechnik und Automatisierung" hat "Care-O-Bot" entwickelt, einen Pflegeroboter, der Essen ans Bett bringen, an Tabletten erinnern und sogar Blumen gießen kann.

Ein Roboter als täglicher Begleiter? - Eine erschreckende Vorstellung. Erschreckend ist jedoch auch die Vorstellung, von heute auf morgen ans Bett gefesselt zu sein und die Hilfe anderer Menschen beanspruchen zu müssen, sei es aus Altersgründen, sei es wegen einer schweren Krankheit oder durch einen Unfall. Wer aber wird dann zur Stelle sein, um zu pflegen?

"Jeder wird jeden Tag einen Tag älter. Nur vergessen das die meisten. - Jeder von uns kann pflegebedürftig werden. Und jeder wünscht sich dann eine menschenwürdige Gestaltung dieses Lebensabschnittes. Das Bewußtsein dafür muß dringend geweckt werden! - Es ist dies ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, dem sich die ‚Stiftung Pflege' endlich angenommen hat. Das möchte ich sehr gerne und sehr dringend unterstützen!" sagte die beliebte Berliner Schauspielerin Ursela Monn, die sich bereit erklärte, künftig als Botschafterin der "Stiftung Pflege" tätig zu werden.

"Jeder Bürger ist in irgendeiner Weise betroffen, sei es als Angehöriger, Verwandter oder als Nachbar eines pflegebedürftigen Menschen", so Prof. Christel Bienstein, Vorstandsvorsitzende der "Stiftung Pflege e. V.", die diese Tatsache im Bewußtsein der Menschen verankern und damit die Bedeutung und die Leistungen der Pflege für die Gesellschaft und für das Gesundheitssystem deutlich machen will. Es ist dringend erforderlich, die Qualität der Pflege in Deutschland nachhaltig zu fördern. So sollen in der Öffentlichkeitsarbeit spezifische Themen der Pflege wie die Intensivpflege oder die Pflege von krebserkrankten Menschen, die Pflege von Menschen mit chronischen Schmerzen und chronischen Wunden, die besonderen Betreuungsmöglichkeiten für Demenzerkrankte oder die Begleitung von Schwerstkranken und sterbenden Menschen herausgestellt werden.

Das System der beruflichen Pflege ist auf die Aufgaben der Zukunft nur unzureichend vorbereitet, kritisiert "Pflege e. V.". Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steige deutlich - zur Zeit seien es mehr als zwei Millionen, von denen jeder Sechste jünger als 60 Jahre alt sei. Hinzu komme die Verkürzung der Verweildauer in den Kliniken, die einen wachsenden Bedarf an Pflegeleistungen im häuslichen Bereich zur Folge haben werde. "Die Anforderungen werden immer größer - doch immer weniger Menschen entscheiden sich für den Pflegeberuf. Zu den personellen Engpässen kommen strukturelle Defizite, die kompetente Pflege erschweren und mitunter unmöglich machen, sowie ein Mangel an wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen über Pflege in der Praxis", so "Pflege e. V.". Hier sei vor allem die Politik gefordert, die bestehenden Probleme gezielt zu lösen und dafür zu sorgen, daß dem Bürger Pflege kompetent und in einer möglichst hohen Qualität angeboten wird.

Neben den Forderungen an die Politik und an jeden einzelnen ist die "Stiftung Pflege e. V." jedoch auch selbst aktiv. So unterstützt sie die Pflegewissenschaft und -forschung an Universitäten sowie die akademische Ausbildung von Pflegeforschern. Sie fördert Initiativen und Lösungen, die pflegende Angehörige entlasten oder unterstützen. Sie sorgt dafür, daß wissenschaftliche Erkenntnisse auch tatsächlich die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen erreichen und berät die Politik, wie diese Erkenntnisse am besten in die Praxis umgesetzt werden. Auch werden Pflegekräfte, Patienten und Angehörige in breiter Form über Qualitätsanforderungen und -möglichkeiten von Pflege informiert. Auch sollen für den Ausbau der in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten noch jungen Disziplin der Pflegewissenschaft staatliche Stellen, aber auch private Initiativen wie Unternehmen und Verbände mobilisiert werden.

"Wissensgestützte Pflege verhindert Folgeerkrankungen und dauerhafte Pflegebedürftigkeit", so die Verantwortlichen. "Sie macht die Auswirkungen notwendiger medizinischer Therapien, etwa Chemotherapie, erträglicher. Mit ihr ist es möglich, Schmerzen frühzeitig zu erkennen und gezielte Hilfestellung - auch langfristiger Art bei chronischen Erscheinungsformen - zu leisten. Durch vorbeugende Maßnahmen gegen Druckgeschwüre und Thrombose verhindert wissensbasierte Pflege millionenfaches Leiden und führt zugleich zu erheblichen Einsparungen im Gesundheitswesen."

Wichtig sei auch eine umfassende Information und Beratung von Patienten und Angehörigen in pflegerischen Fragestellungen, zum Beispiel über neue Wohnformen für ältere, an Demenz erkrankte Menschen.

Gute Pflege sei vor allem aber auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Damit beruflich Pflegende ihren wachsenden Aufgaben gerecht werden könnten, bedürfe es einer breiten Unterstützung. Pflegende Angehörige benötigten dringend gezielte Unterstützung, die heute nur eingeschränkt geboten werde. Es sei dringend notwendig, Defizite schnell und wirksam zu beheben, neue, praxisorientierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und das neue Wissen in der Praxis zum Wohle des Patienten umzusetzen.

Weitere Information bei Pflege e. V., Geisbergstraße 39, 10777 Berlin, Telefon (0 30) 21 91 57 20, E-Mail: kontakt@stiftung-pflege.com  oder im Internet unter www.stiftung-pflege.com.

Zuwendung im Alter: Kompetente Pflege ist wichtig. Foto: Curanum

Engagiert sich: Die Schauspielerin Ursela Monn (mit Kuratoriumsmitglied Klaus H. Richter von der Barmer Ersatzkasse) ist die erste Botschafterin der Stiftungsinitiative Pflege e. V. Foto: BEK


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