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15.07.06 / Ein Ende ist nicht in Sicht / Israel besetzt erneut den Gazastreifen und schürt damit bewußt Haß gegen sich

© Preußische Allgemeine Zeitung / 15. Juli 2006

Ein Ende ist nicht in Sicht
Israel besetzt erneut den Gazastreifen und schürt damit bewußt Haß gegen sich
von R. G. Kerschhofer

Über die "Operation Sommerregen" wächst nicht nur internationale "Besorgnis" - die ohnehin keiner ernst nimmt -, sondern auch in Israel regt sich massive Kritik, medial vor allem in der Zeitung "Haaretz". Schon allein "Sommerregen" wirkt als besonderer Zynismus, denn es wurde die Wasserversorgung der 1,5 Millionen Menschen im Gaza-streifen weitgehend lahmgelegt. Und die Aktion ist weder ein "Gegenschlag" - dafür ist sie um ein Vielfaches überdimensioniert - noch dient sie der vorgeblichen Befreiung eines israelischen Soldaten.

Es häufen sich Berichte über Reibereien zwischen Ministerpräsident Olmert und der Armeeführung. Olmert hat ein Profilierungsproblem, denn auch er war zwar in der Armee, aber nur ein kleiner Infanterie-Offizier. Kein Vergleich also mit seinem Vorgänger, dem "Bulldozer" Ariel Scharon, der schon als Vierzehnjähriger der zionistischen Militärorganisation Haganah beigetreten war und dafür bekannt war, mit den Palästinensern nicht gerade zimperlich umzugehen

Olmert wird einerseits bedrängt von Likud-Chef Netanjahu und ähnlichen Scharfmachern, andererseits von diversen konzessionsbereiten Linksgruppen. Kabbalistische Fanatiker zelebrierten in der Nacht zum

25. Juni sogar eine "pulsa denura" (siehe Kasten) genannte Verfluchungszeremonie gegen Olmert - zwei Tage nachdem dieser in Jordanien mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas Bruderküsse getauscht hatte. Und diese "pulsa denura" ist selbst "sekulären" Juden alles andere als gleichgültig.

Tatsächlich aber hält sich auch Olmert an die - nie offen zugegebenen - Rezepte seines Vorgängers. Trotz aller Abkommen und trotz der Lippenbekenntnisse zum "Friedensprozeß" sind es drei - eng ineinander verflochtene - Prinzipien: Erstens dürfen die Palästinenser keine handlungsfähige Regierung haben. Denn gäbe es eine solche, müßte man mit ihr echt verhandeln und der "Staatengemeinschaft" reinen Wein einschenken. Akzeptabel sind daher nur Korruptionäre - eben deshalb wurde die abgewählte Fatah zuletzt so positiv dargestellt. Wenn dies nicht reicht, müssen die (von der EU finanzierten) Verwaltungseinrichtungen zerstört werden, wie dies auch schon 2003 großflächig geschah, und die Regierung muß finanziell abgewürgt werden.

Zweitens muß die nach Herkunftsländern, religösen Schattierungen und Parteipräferenzen überaus zersplitterte israelische Gesellschaft irgendwie zusammengehalten werden - und das geht am besten mit Hilfe eines Feindbilds. Daher wird selbst in "normalen Zeiten" die palästinensische Bevölkerung in jeder Weise schikaniert und geschädigt. Als Kollektivstrafen gibt es dann die Vernichtung von Infrastruktur, Privathäusern und Olivenhainen, totale Blockaden und ständige Tiefflüge mit Überschallknall. Daß über 10000 Palästinenser in israelischer Gefängnis- und Lagerhaft gehalten werden, sorgt endgültig für jenen Haß, der immer neue "Terroristen" produziert.

Drittens muß die Finanzierung des hochdefizitären Staates Israel sichergestellt werden. Und das geht nur, wenn auch die Welt an eine ständige Bedrohung der Atommacht Israel glaubt. Was die "Terroristen" nicht schaffen, muß eben die weltweite Berichterstattung besorgen.

Daß die "Operation Sommerregen" die Position der Hamas bisher eher gefestigt hat, paßt ins Rezept. Doch gibt es einen Ausweg aus dem Teufelskreis? Vielleicht, denn auf beiden Seiten leben auch Leute, die um ehrliche Verständigung bemüht sind. Voraussetzung wäre allerdings, daß die jahrzehntelang vor der Weltöffentlichkeit aufgebauten Mythen und Phrasen durch historische Wahrheiten ersetzt werden.

 

Tödlicher Fluch - "pulsa denura"

Die "pulsa denura" ist eine Verfluchungszeremonie und entstammt der kabbalistischen Geheimlehre. Die Kabbala entstand ab dem 1. Jahrhundert nach Christus - als Umgangssprache war Hebräisch bereits ausgestorben und durch Aramäisch ersetzt. Die aramäische Bezeichnung "pulsa denura" bedeutet etwa "Feuerpeitsche". Das Ritual soll innerhalb von 30 Tagen zum Tod des Verfluchten führen.

Daß die "pulsa denura" selbst im sekulären Staat Israel ernstgenommen wird, zeigt sich schon allein daran, daß dieser Ritus offiziell verboten ist. Auch gegen den verständigungsbereiten Itzhak Rabin war eine "pulsa denura" ausgesprochen worden - etwas später wurde er von einem israelischen Fanatiker ermordet. Gegen Ariel Scharon wurde die Verfluchung voriges Jahr wegen der Räumung des Gaza-Streifens verhängt - und Scharon liegt seit Jahresanfang im Koma. In beiden Fällen wurde die 30-Tage-Frist zwar nicht eingehalten, aber selbst dafür mag es kabbalistische Erklärungen geben. Gegen Scharon wie nun gegen Olmert wurde die "pulsa denura" zu nächtlicher Stunde am Grab des von Palästinensern ermordeten Tourismus-Ministers Rehavam Zeevi zelebriert. RGK

Kontrolle: Israelische Soldaten durchsuchen einen palästinensischen Jugendlichen nach Waffen. Foto: epa / Corbis


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