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15.07.06 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / 15. Juli 2006

Leserforum

Das ist nicht nur unanständig, sondern grenzt an Größenwahn
Betr.: "Mißbrauch" (Nr. 23)

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich! (?) Herr Voss bezeichnet den Vorwurf der Politiker zur Hartz-IV-Regelung als "verräterisch" und "falsch", bravo. Dies möchte ich zum Anlaß nehmen, die Situation weiter zu betrachten.

Da wagt doch der SPD-Vorsitzende Beck tatsächlich in der Zeitung "Die Welt", die Empfänger der Hartz-IV-Gelder aufzufordern oder zu ermahnen: "Man muß nicht alles rausholen, was geht", oder an anderer Stelle: "Damit muß Schluß gemacht werden". Unbeschadet der Richtigkeit der Hartz-IV-Regelungen steht über alldem: Haben die angeprangerten Bürger diese untauglichen Regelungen selbst erfunden? Haben hier nicht "Experten" lange genug die Pläne in ihren Schubladen gehabt, darüber beraten und diskutiert und sind nicht auf die Idee der, wie sie behaupten, "Mißbrauchsmöglichkeit" gekommen? Wie kommen diese Herren dazu, dem Volk zu unterstellen, der Bürger verhalte sich unanständig? Hier sei nur mal kurz eingeschoben: Wer verhält sich da unanständig? Sind das nicht diese Herren, die hier andere ermahnen, denn sie haben ja gerade, trotz "Pleite" in unserer Bürgerkasse und ohne uns zu fragen, sich ihre "Vergütungen" um runde 3000 Euro je Monat erhöht. Dies ist nicht nur unanständig, sondern selbstherrlich an Größenwahn grenzend.

Wohl nach dem Motto von "Kriegsführern", die da sagen: "Angriff ist die beste Verteidigung!".

Dieser Hartz-Unfug wurde schon vor der Einführung von vielen Sachkundigen als wertloses Monster bezeichnet. Aber was ist aus dieser Einstellung ersichtlich? Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, doch einige bilden sich ein: sie sind gleicher!

Horst Schmidt, Höhbeck

 

Geheimwaffe gegen Rechts
Betr.: "Traumata" (Nr. 24)

Liebe Redaktion, wirklich köstlich, wie Hans Heckel die seelischen Qualen unserer Bundesempörungsbeauftragten Claudia Roth beschreibt, wenn er ihr auch ein bißchen viel Raum opfert.

Dabei unterschätzt er die Gefährlichkeit dieser Person vollkommen: Wenn sie nämlich seine Idee aufgreift und als Flitzerin auftritt, könnte sie zur unschlagbaren Geheimwaffe des Innenministers gegen "rechte Aufmärsche" werden! Mit einem Schild "Ich will Sex mit Nazis!" vor dem breiten Becken und auf diese bösen, bösen Menschen losgelassen, wäre jeder Platz in Sekunden geräumt.

Mich jedenfalls würde eine solche Drohung dazu bringen, in Panik in unsere Wälder zu fliehen und wochenlang dem Bär Bruno Konkurrenz zu machen ...

Walter Held, Traunstein

 

Absurd, aber ...
Betr.: "Brecht statt Fallersleben?" (Nr. 25)

Man könnte über den Vorschlag des GEW-Vorsitzenden Nagel, statt des Deutschlandliedes als Nationalhymne ein Kinderlied zu singen, zur Tagesordnung übergehen. Dieser Vorschlag ist so absurd, daß jedem anständigen Deutschen plastisch vor Augen geführt wurde, welch Geistes Kind dieser oberste Gewerkschaftsfunktionär ist. Bei aller Entrüstung ist dennoch Vorsicht geboten. Hinter dem Vorschlag steckt eine hinterfotzige Absicht. Schließlich vertritt Jochen Nagel Lehrer, die im Grunde mit den Vorstellungen ihres obersten Bosses einverstanden sind oder zumindest mit diesen sympathisieren. Wie will diese Spezies Lehrer den Kindern die Entstehung des Deutschlandliedes und den Sinn seiner Strophen erklären, wenn sie diese nach ihren verschrobenen Vorstellungen als zu nationalistisch interpretieren. Der perfide oder gar gewollte Ausrutscher des GEW-Vorsitzenden sollte deshalb schon ernst genommen werden.

Walter Grubert, Hannover

 

Kindern die sprachlich-kulturelle Heimat bewahren
Betr.: "Englisch vorn" (Nr. 26)

Es sieht nach einer unheiligen Allianz zwischen ehrgeiziger Elternschaft und Politik aus, die im Endeffekt zur vollständigen Erosion des Mutterbodens unserer Kultur führt: unserer Muttersprache, unseres Identitätskerns.

Die Eltern sind auf frühkindlichen Fremdsprachen(-Englisch)unterricht fixiert in dem Glauben, damit könne die berufliche Zukunft ihrer Kinder gesichert werden.

Sie werden darin von Mitgliedern der Lehrerschaft bestärkt mit der Binsenweisheit, daß kleine Kinder besonders lernfähig seien. Soll nun der frühe intensive Englischunterricht bloß der Abrichtung der Kinder auf den späteren Einsatz in der Wirtschaft dienen beziehungsweise auf oberflächliche Parlierfähigkeit beschränkt sein? Da scheint für Literatur, Landeskunde und Vergleich der Sprachstrukturen (wie beispielsweise am Gymnasium) kein Platz mehr zu sein.

Auf der Jagd nach Wählerstimmen und unter dem Druck der Pisa-Erhebungen kommen von der Politik aus der Hüfte geschossene Modernisierungs- beziehungsweise Reformvorschläge, die in jeder Hinsicht unausgegoren sind:

Laut FDP müßte zugunsten des Frühunterrichts schon vor der Grundschulzeit eine Sortierung der Kinder erfolgen, was - nebenbei gesagt - in schreiendem Kontrast zu den Ansichten der Gegner des dreigliedrigen Schulwesens steht.

Diese Sortierung müßte konsequenterweise nach der Kindergartenphase fortgesetzt werden (wozu jegliche Voraussetzungen fehlen, von den Kosten ganz abgesehen).

Völlig offen ist der Zeitpunkt, wann ein Kind als gefestigt in seiner Muttersprache gelten kann, zu dem es sich ohne Verwirrung seiner Muttersprache "nebenher" eine Fremdsprache aneignen kann.

Noch schwieriger ist diese Frage bezogen auf ganze Lerngruppen.

Wie soll das allgemeine sprachliche Unvermögen (das zahlreichen Untersuchungen zufolge in direktem Zusammenhang mit zunehmendem Fernsehkonsum und Beschäftigung mit Videospielen steht) durch "Schnullerenglisch" (Däßler) weggezaubert werden können? (Wenn es um die Entwicklung des kindlichen Gehirns geht - die wird von musikalischer Betätigung außerordentlich begünstigt, was keine Frühselektion der Kinder erfordern und die Kindheit nicht verkürzen würde!)

Es fehlt jeglicher Hinweis, inwiefern das Kennenlernen eines Minimalwortschatzes und simpelster Satzstrukturen auf Kindergartenniveau für irgendeine berufliche Laufbahn überhaupt von Belang sein könnte.

Diese Kritik ist alles andere als ein Plädoyer gegen Englisch als Weltsprache, sondern sie soll eine ernste Mahnung sein, unseren Kindern nicht die kulturelle, sprachliche Heimat zu rauben und eine gesichtslose Weltmonokultur zu fördern.

Der ökologische Ansatz - der Erhalt der Vielfalt der Arten ist für den Erhalt des Lebens unentbehrlich - hat auch für die Völker und Kulturen zu gelten, nicht zuletzt im Namen der so häufig beschworenen Menschenwürde.

Jürgen M. Streich, Alveslohe

 

Mattuseks Waffe: Wortgewalt
Betr.: "Eine Reise nach Deutschland" (Nr. 22)

Zu seinem Buch kann man ihn nur beglückwünschen. Es war überfällig. Matthias Matussek, Jahrgang 1954, leitet das Kultur-Ressort beim Nachrichtenmagazin der "Spiegel".

Matussek hat uns viel zu sagen. Nachdem Generationen von Journalisten und Politikern uns eingebleut haben, daß die Wurzel allen Übels der Nationalismus wäre, ermuntert uns der Autor zum Bekenntnis zum Nationalgefühl und zur Nation als kulturtragende Gemeinschaft im allgemeinen. Aber auch das Bekennen zur deutschen Nation im besonderen macht es uns leichter. Er macht uns klar, daß die deutsche Geschichte nicht erst 1933 begann und daß wir stolz auf sie sein dürfen. Er plädiert für ein unverkrampftes Umgehen mit der Nationalität.

Das Buch besticht durch präzise Formulierungen. Es ist ein Erlebnis, Matusseks geschliffenes Deutsch zu lesen. Wortgewalt kann eine Waffe sein; er besitzt diese Waffe, doch er mißbraucht sie nie.

Lesen Sie selbst, wie es die Linken verstanden, die Schuld der Deutschen zu thematisieren, um selbst Karriere zu machen.

Matussek reflektiert zu den unterschiedlichsten Themen, die die Deutschen, ihre Kultur und ihre Geschichte betreffen, wohl wissend, daß völlige Objektivität, um die er sich aber redlich bemüht, nur schwer zu erreichen ist.

Berthold Arndt, Klötze

 

Briefe über Mauer und Stacheldraht hinweg
Betr.: "Einmischen" (Nr. 26)

Private Briefe, die Menschen über die innerdeutsche Grenze hinweg gewechselt haben, sind Zeugnisse der Verständigung zwischen Ost und West, die trotz Mauer und Stacheldraht stattgefunden hat. Das "Museum für Kommunikation" möchte diese Dokumente bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es baut deshalb derzeit ein Spezialarchiv zum Thema deutsch-deutscher Briefverkehr auf. Für den Aufbau dieser Sammlung bittet das Museum um Briefspenden aus der Bevölkerung. Während die politische Kommunikation zwischen Ost- und Westdeutschland durch Abgrenzungen und Spannungen gekennzeichnet war, versuchten viele Menschen in beiden deutschen Staaten, miteinander im Gespräch zu bleiben. Eines der wichtigsten Medien, Kontakte über räumliche und ideologische Grenzen hinweg zu pflegen, war der Brief.

Obwohl die Zensur der DDR den Brief- und Paketverkehr zwischen Ost und West empfindlich einschränkte, stifteten diese Sendungen ein Gefühl von Gemeinschaft. Briefe, die zwischen Liebespaaren, Verwandten oder Freunden über die innerdeutsche Grenze hinweg gewechselt wurden, erlauben nicht nur die Rekonstruktion historischer Zusammenhänge, sondern zeigen auch ein Stück individuell erlebte deutsch-deutsche Alltagskultur in der Zeit des Kalten Krieges. Manche Briefe sind Zeugnisse versteckter Kritik am System, andere offene ideologische Bekenntnisse.

Damit eine reichhaltige und umfangreiche Sammlung entstehen kann, ist das "Museum für Kommunikation" auf die Unterstützung von Privatleuten angewiesen. Gesucht werden Briefe, Postkarten, Fotografien und Dokumente aller Art, die zwischen 1948 und 1990 brieflich verschickt wurden. Das Museum nimmt auch Kopien dieser Dokumente an.

Annahme für Briefspenden: "Museum für Kommunikation Berlin", Bibliothek / Archiv, Leipziger Straße 16, 10117 Berlin, Telefon (0 30) 20 29 43 03, Fax (0 30) 20 29 41 11, pressestelle.mkb@mspt.de , www.museumsstiftung.de.

Dr. Susanne Kiewitz, Berlin

 

Durch deutsch-deutsche Mauer getrennt: Sichtlich bewegt umarmt eine West-Berlinerin ihre Mutter aus dem Ostsektor, die im November 1964 erstmals ihre Tochter besuchen darf. Foto: pa

 

Mordgier
Betr.: "In memoriam" (Nr. 26)

All diese Tierschützer, die den armen, abgeschossenen Bären bedauern, bedenken nicht, daß dieser aus Jagdlust handelt, die weiter zur "Mordgier" hätte mutieren können. Man denke nur an die Menge der totgebissenen Schafe.

Klaus Zylla, Kelkheim

 

Wider aller Fakten
Betr.: "Schuldig - bis in alle Ewigkeit" (Nr. 26)

Es ist mir unmöglich zu begreifen, daß es Deutsche gibt, die ihr Land so hassen, daß sie es verleugnen, immer wieder neu beschmutzen und den Opfern unseres Volkes im Umfeld des Zweiten Weltkrieges Gedenken und Trauer versagen.

Was gilt für den Menschen? Unter anderem Ehrlichkeit, Anstand, Mitgefühl, Toleranz und Wahrhaftigkeit.

All das gilt nicht für die im Artikel von Hans-Joachim von Leesen erwähnten Historiker und andere ihres Schlages, die wider aller Fakten behaupten, daß unser Land am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges alleinschuldig sei.

Wie böswillig und auch wie dumm und überheblich müssen solche Menschen sein, die nicht selten sich Wissenschaftler nennen oder gut dotierte Posen besetzt halten?

Martina Herberts, Braunschweig

 

Uns fehlen die Sanierer
Betr.: "Sanierungsfall Kanzleramt" (Nr. 26)

Die Sanierung müßte wohl bei Frau Merkel selbst beginnen, deren Vorschußlorbeeren weitgehend verwelkt sind. Zu viele auf sie gesetzte Hoffnungen haben getrogen.

Wenn unter Frau Merkels Regie die Bundesregierung mehr Schulden denn je vorher aufnimmt und zur gleichen Zeit die Bürger durch neue Abgaben und Kürzungen geschröpft werden, dann darf man wohl von einem Totalversagen dieser Koalition sprechen.

Ein Sanierungsfall ist die Bundesrepublik ohne jeden Zweifel. Rot-Grün und deren Vorgänger haben unser Land dazu gemacht. Wenn sich die SPD vor ihrem eigenen Verschulden drückt, ist das zwar menschlich verständlich, aber doch nur erbärmlich.

Dem Sanierungsfall fehlen die Sanierer. Das sehe ich als das größte Problem an.

Konstantin Brenner, Neuwied

 

Wir brauchen unsere Seele zurück
Betr.: "Verglühter Hoffnungsträger" (Nr. 26)

Köhler, Schönbohm und Lammert waren für viele Deutsche Hoffnungsträger, daß die leider von Deutschen gepflegte Dauerdiskriminierung unseres Landes endlich ihr Ende findet. Der Bundespräsident hatte uns mit seiner Sympathieerklärung für unser Land sehr beeindruckt. Schade, daß er mit seiner Zustimmung zu vorgezogenen Neuwahlen einen Bruch zu sich selbst herbeigeführt hat. Trotzdem ist vieles, was er sagt, richtig und notwendig.

Lammert war leider nur ein Windei. Er weckte Hoffnungen, als er von der deutschen Leitkultur sprach, die wir brauchen, aber er meinte sie gar nicht.

Schönbohm hat nichts Neues zu bieten, dem General a. D. scheint der Mut zu fehlen, Bekenner für unser Deutschland zu sein, das ein deutsches Land bleiben soll und das seine Seele wiederhaben muß, die man auch Leitkultur nennen kann.

Ute Lendle, Böblingen

 

Den Staat zur Beute degradiert
Betr.: "Am Nasenring durchgeführt" (Nr. 24)

Jahrelang wurden unserem Volk Schuldgefühle eingebleut, dadurch bei der Mehrheit, vor allem bei den nachkommenden Generationen, Unmündigkeit produziert - es wurde großkotzig mit finanziellen Geschenken geblendet und bei guter Laune gehalten, egal was daraus wird. Jahrelang standen Tor und Tür offen für jedermann und die "sozialen Geschenke" nahmen kein Ende: jährlich einen neuen Mantel, mindestens ein bis zwei Paar neue Schuhe pro Jahr, Haushaltsgeräte standen sowieso jedem zu und immer vom feinsten. Viele, die ewig geschuftet, manches abstotternd angeschafft und auf Heller und Pfennig abgetragen haben, kennen bis heute keinen Geschirrspüler oder Wäschetrockner!

Heutige Rentner sind die Gehörnten, zahlen unter anderem Pflegeversicherungsbeiträge, können sich paradoxerweise keine Hilfe, eventuell für Haushalt oder Einkauf, leisten. (Ein Seniorendienst bietet sich an für 19,80 Euro die Stunde.) Strategisch hilft eine einzige "Pille" und alle Probleme wären gelöst, aber den Ärzten wären die profitablen Geräteuntersuchungen und kostenträchtigen OPs versagt.

Die "Politische Klasse" kann sich inzwischen bequem zurücklehnen und freudig in die Zukunft blicken, sie ist ohnehin finanziell abgesichert einschließlich ihrer Pensionen, dafür haben sie sich im Laufe der Zeit entsprechende Rechte eingeräumt, sie haben, ohne mit der Wimper zu zucken, den Staat (das Volk) zur Beute degradiert.

Zusätzlich zahlen wir uns inzwischen dumm und dämlich für in- und ausländische Projekte, die uns nichts angehen - die lassen sich an dieser Stelle nicht einzeln aufzählen. Alle sind doch für sich selbst verantwortlich, das wird uns nun täglich gepredigt, das trifft leider nicht für alle "Nehmerländer" zu.

Fazit: Zur Zeit herrscht ein allgemeiner Wunsch: Eine reformierte politische Kultur für unsere Republik - und vielleicht auch etwas mehr Patriotismus - kein Fanatismus!

Margot Mahner, Bremen

 

Giftige Leckerei
Betr.: "Dumm durch die Wucht der Bilder" (Nr. 25)

Daß ständiges Fernsehen Kindern nicht bekömmlich ist, ist nicht neu, auch wenn die Medien-Industrie uns das Gegenteil gern einreden möchte. Wer Kinder beim Fernsehen beobachtet, wie gebannt sie auf den Bildschirm starren, selbst auf die x-te Wiederholung von Werbung, der kann nur entsetzt sein. Häufig werden sogenannte Kindersendungen von einem ständigen Handlungswechsel und schrillen Tönen begleitet. Für den Normalbürger der Horror, für Kinder eine erstrebte "Leckerei", die leider nur giftig ist.

Daß die Handlungsfolge in Bildern das Denken nicht beansprucht, aber leicht falsche Vorstellungen weckt, weiß jeder, der selbst der ständigen Beeinflussung der Medien ausgesetzt ist. Wir müssen uns täglich neu bemühen, nicht zu ihren Opfern zu werden. Wie wehrlos sind da Kinder!

Was ist zu tun? Für die Kinder Zeit aufbringen, kann helfen.

Max Rother, Nürnberg

 

Das war ganz anders mit der Namensfindung bei den Reußen und Preußen
Betr.: "Reußen und Preußen" (Nr. 21)

Es wäre besser gewesen, Herr Leitner hätte sich nicht nur halb gebildet. Wo und wann bitteschön sollen Slawen im Memeldelta gewohnt haben? Das war westbaltisches Gebiet, in dem die Pruzzen und Kuren lebten. Die Slawen waren zu der Zeit tausende Kilometer entfernt. Zwar gab es Kontakte zu den Wikingern, zunächst kriegerische, später friedliche, aber einen Wikingerbegriff mit einem finnischen Wort zu erklären, wird dann doch recht abenteuerlich, weil Finnisch einer ganz anderen Sprachfamilie zugehört.

Warum nicht das Naheliegende und den Begriff in der Sprache derer suchen, die dort lebten und ihre Orte nach den Gegebenheiten der Natur benannten? Der Name Ruß stammt aus dem prußisch-schalauischen Dialekt und bedeutet ganz einfach "Ort, der umflossen, umströmt wird".

Veröffentlicht in Tolkemita-Texte Nr. 52, findet sich der Artikel von Dr. K. A. Matulaitis "Die Schalauer des Altertums", aus "Tauti praeitis", II, 1965. Zitat: "Die Abgesandten von Groß Nowgorod, die 862 Ruß besuchten, baten um einen Herrscher. Sie sagten: Unser Land ist groß genug und reich, aber in ihm ist keine Ordnung, kommt und regiert uns. Zu ihnen reiste Hrorekr, später Rurik genannt. Den Namen Ruß verwandelte der Moskauer Staat im XIV. Jahrhundert in russija und machte daraus im XVIII. Jahrhundert Rossija (Vergleiche Litauische Enz. Band 26, Seite 147 und Encyklopedia Britannica, ed. XIV, vol. 19, Seite 712)." Ähnliches schreibt auch Prof. Letas Palmaitis, Kaunas. Demnach ist Ruß nicht von den Russen abgeleitet, sondern umgekehrt. Und von den finnischen Wikingern schon mal gar nicht.

Zum Eigen(!)namen der Prußen muß man nicht auf eine litauische Wurzel zurückgehen. Einige Quellen sagen "Prusas, der Verständige, der mit dem man reden kann"; Interpretationen von Eckert, Schmid, Karaliunas und so weiter bieten Lippen, Mund, zum Angesicht, hoch gewachsen und Menschen / Volk an. Vermutlich dürfte aber nach Otrembski der altindische Begriff "purusah" zugrunde liegen, der "Mensch, Mann" bedeutet. Der Eigenname der Eskimos Inuit bedeutet schließlich dasselbe.

Beate Szillis-Kappelhoff, Salzbergen

 

Ohne die Hilfe der Dänen wäre ich tot
Betr.: Leserbrief "Verstoß gegen die Genfer Konvention" (Nr. 23)

Zu dem obengenannten Leserbrief möchte ich als damals zehnjähriger Junge zu diesem Thema folgendes beitragen: Der dänischen Bevölkerung mit zirka fünf Millionen kann man nach meiner Meinung keinen Vorwurf bezüglich eines Verstoßes gegen die Genfer Konvention machen, da die deutschen Flüchtlinge in ihr kleines Land auf Weisung der deutschen Wehrmacht, die Dänemark aus militärischen Gründen bereits am 9. April 1940 besetzt hatte, eingedrungen sind. Am 25. Februar 1945 flüchtete meine Mutter mit uns drei Kindern - vier, zehn und zwölf Jahre -, Opa und Tante von Königsberg vor der Roten Armee. Nach vierwöchiger Flucht, längs der Ostseeküste unter Kriegshandlungen, liefen wir mit dem Lazarettschiff "Monte Rosa" am 22. März 1945 in Kopenhagen, für uns das rettende Ufer, ein.

Am 25. März 1945 wurden wir ins Gemeindehaus in Givskud / Jütland untergebracht und konnten uns hier mit den Dänen bis zur Kapitulation am 5. Mai 1945 frei bewegen. Von der deutschen Wehrverwaltung erhielten wir Geld (DKr.) für Lebensmittel, die wir in dem Dorf Givskud problemlos beim Kaufmann, Bäcker, Milchmann kaufen konnten. Die Bevölkerung distanzierte sich aber von uns, sie haben uns aber nicht angespuckt, auch nicht mit Steinen beworfen.

Am 5. Mai 1945 wurden wir in der Schule in Givskud interniert, hinter Stacheldraht mit dänischer, bewaffneter Bewachung. Die dänischen Widerstandskämpfer haben uns Flüchtlinge nicht bekämpft, belästigt und auch nicht bestohlen. Wir mußten nur das restliche dänische Geld abliefern.

Am 6. Dezember 1945 mußten wir Givskud verlassen, weil die Schule für die Schüler dringend benötigt wurde. Den Dänen war es auch nicht recht, die deutschen Toten (Kleinkinder und Alte) auf ihrem Friedhof zu bestatten, sie wurden später auf Kriegsgräber-Friedhöfe umgebettet.

Wir wurden in das große Internierungs-Barackenlager Grove / Jütland bei Karup verlegt. Hier lebten zirka 10000 deutsche Flüchtlinge hinter Stacheldraht mit dänischer, bewaffneter Bewachung. Es gab in Dänemark 66 Flüchtlingslager in Jütland und auf den dänischen Inseln in verschiedenen Lagergrößen, wo die zirka 240000 Flüchtlinge untergebracht waren.

Man muß heute die Probleme von damals durch eine andere Brille sehen, dann wird man auf beiden Seiten keinen Haß mehr empfinden. Dem dänischen Volk sage ich Dank, daß es unseretwegen damals Entbehrungen auf sich genommen hat. Ich verstehe erst jetzt, daß wir eingesperrt werden mußten, weil viele von uns auf der Flucht erkrankten und sich Seuchen verbreiten konnten. Wir wurden in Grove sechsmal gegen Paratyphus geimpft.

Fast 15000 deutsche Flüchtlinge sind in Dänemark gestorben und recht viele Kleinkinder. Von den 240000 Flüchtlingen waren etwa die Hälfte Frauen in den besten Jahren, dänische Ehen waren offenbar gefährdet. Aus diesen Gründen wurde auch die Verbrüderung (Fraternisierung) von den Dänen verboten. Wir Schulkinder durften auch nicht die dänische Sprache erlernen.

Am 1. Dezember 1947 wurde ich als 13jähriger Junge mit meiner Familie aus Dänemark nach Lübeck entlassen. Endlich wieder in Freiheit leben!

Mein Großvater väterlicherseits starb den Hungertod am 9. Dezember 1945 in Königsberg. Ich gehe davon aus, wenn wir nicht auf die letzte Minute aus Königsberg herausgekommen wären, hätten wir die Greueltaten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überlebt.

Mein Leben habe ich demzufolge im wahrsten Sinne des Wortes den Dänen zu verdanken.

Arno Zilian, Lübeck

 

Zukunft verspielt
Betr.: "Volksparteien ohne Volk" (Nr. 20)

Mit großer Genugtuung verfolge ich die Artikel Ihrer Zeitung, besonders die, die die verantwortungslose Politik der großen Koalition betreffen. Der Leitartikel Ihres Journalisten Hans-Jürgen Mahlitz hat mir persönlich aus dem Herzen gesprochen. Es ist auch aus meiner Sicht schon fast unglaublich, wie sich die Erben Konrad Adenauers und Franz Joseph Strauß' sozialisieren lassen von einer SPD, die historisch eigentlich schon überlebt ist. Die Krone setzt man dem ganzen Wahnsinn während der erfolgreichen Fußball-Weltmeisterschaft auf. Während das Volk die deutsche Elf zu Recht feiert und bejubelt, wird in den Hinterzimmern der Nation die Zukunft Deutschlands endgültig verspielt. Das tut weh und hier darf nicht mehr geschwiegen werden. Je eher diese Koalition des Grauens beendet wird, um so besser für uns alle.

Johannes Unrath, Prenzlau


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