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02.09.06 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / 02. September 2006

Leserforum

Eine Lanze für Grass brechen – Karriere war gefährdet
Betr.: „Der Balken im eigenen Auge“ (Nr. 33)

Ich mag Herrn Grass nicht. Ich mochte ihn auch nie. Trotzdem möchte ich für ihn eine Lanze brechen.

Ich empfinde es als schäbig, wie man heute mit diesem Menschen umgeht. Die berühmt-berüchtigte Schwarz-Weiß-Malerei aller selbsternannter Saubermänner feiert zünftig Urständ.

Die Medien maßen sich das Recht an, jemanden zu verurteilen, bevor die Frage der Schuld überhaupt beantwortet, ja geschweige denn gestellt worden ist. Dies ist leider typisch und symptomatisch für unsere so aufgeklärte Zeit.

Wenn Adenauer, selbst Naziverfolgter, damals über die Männer der Waffen-SS sagte: „Soldaten wie andere auch“, kann man über ein 17jähriges Bürschchen den Stab nicht brechen, wenn es zu dieser Einheit eingezogen wurde (selbst dann nicht, wenn es sich freiwillig gemeldet hätte). Hieraus Grass einen Schuldvorwurf zu machen, grenzt an hirnloser Weltfremdheit und arrogante Ignoranz von ahnungslosen Besserwissern. Wer die damaligen Umstände beim Einziehen der jungen Männer nicht miterlebt hat und sein Wissen über diese Zeit aus der Nachkriegsliteratur bezogen hat, die aus der Feder von weniger als einem Prozent der Bevölkerung stammt und das, was die anderen 99 Prozent der Bevölkerung erlebt haben, nicht kennt und nicht kennen will, möge sich mit persönlichen Schuldvorwürfen zurückhalten.

Und wie sieht es mit dem Schuldvorwurf aus, er habe (dieses „Verbrechen“) zu lange verschwiegen? Um es gleich zu sagen: Hier trifft Grass ebenfalls keine Schuld.

Die Atmosphäre von Hysterie, gerade von denjenigen aufgebaut, die heute mit dem Finger auf ihn zeigen, erlaubte es Herrn Grass nicht, sich mit der Wahrheit an die sogenannte „Öffentlichkeit“ zu wenden. Wer kann von Herrn Grass verlangen, daß er mit dieser „Enthüllung“ sein Leben als hervorragender Schriftsteller und Nobelpreisträger ruiniert?

Dr. Ferdinand v. Pfeffer, Lünen

 

 

Starker Tobak
Betr.: „Der Balken im eigenen Auge“ (Nr. 33)

Erst durch die Berichterstattung in den Medien zu Grass wurde mir bewußt, daß ich ein Greis sei, der es an Reue und Scham über seine Soldatenzeit in der Waffen-SS habe fehlen lassen, dem auch bewußt gewesen sein müsse, was der Anblick seiner Uniform für andere Menschen damals bedeutet habe, der sich natürlich bei Kriegsende hätte befreit fühlen müssen und dem auch der NS-Rassenwahn hätte bewußt sein müssen.

Weiter las ich, daß meine Mitgliedschaft in der Waffen-SS Ausdruck des Ungenügens und Unvermögens gewesen sei, daß von mir vorausgesetzt werden könne, daß ich mir als Soldat Nennenswertes hätte zuschulden kommen lassen und daß ich von sexueller Frustration, Sozialneid, Ressentiment und seelischer Unempfänglichkeit geprägt gewesen sei.

Es ist schon starker Tobak, der uns heutigen „Greisen“ da geboten wird.

Dieter Pfeiffer, Berlin

 

 

Einheiten der Waffen-SS kämpften "ritterlich"
Betr.: „Der Balken im eigenen Auge“ (Nr. 33)

Günter Grass habe als junger Soldat der Waffen-SS kein Schuldgefühl gehabt, aber, so sagt er: „Später hat mich dieses Schuldgefühl als Schande belastet“ und „es blieb dieser restliche Makel“. Darf man das einem Literaten glauben, dessen Werk der Geschichte seiner Zeit gilt?

Das Siegertribunal von Nürnberg, erklärte zwar die SS zur „verbrecherischen Organisation“, doch es verurteilte keinen Truppenführer der Waffen-SS, die im gesamten Krieg dem Heer oder dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellt war. Die Ehrenerklärung Adenauers für die Angehörigen der Waffen-SS mochte Grass beiseite schieben, doch wird er sich erinnert haben, daß auch im Soldbuch der Waffen-SS die „zehn Gebote für die Kriegsführung des deutschen Soldaten“ eingeklebt waren. Sie befahlen unter Strafandrohung, „ritterlich“ gemäß Kriegsvölkerrecht zu kämpfen, was die Waffen-SS bei aller Härte insgesamt auch befolgte, wie nicht ernsthaft bestritten wurde. Sie tat oft sogar mehr als das: Der Mitbegründer der SS und General der Waffen-SS Sepp Dietrich entließ 1941 nach der Kapitulation der Epirus-Armee auf eigene Faust die griechischen Kriegsgefangenen als „tapfere Gegner“ sofort nach Hause. Die SS-Kampfgruppe „Hohenstaufen“ nahm auf eigene Initiative noch Ende September 1944 den Briten im Kessel von Arnheim fast 1200 Verwundete ab, die sonst verloren gewesen wären, und transportierte sie in ihre Lazarette. Es war ein General der Waffen-SS, der gegen einen Führerbefehl Wien im März 1945 freigab und dadurch vor der Vernichtung rettete, wobei ihn sein Oberbefehlshaber Sepp Dietrich nach oben deckte. Die Waffen-SS bestrafte auch im Rußlandfeldzug eine Vergewaltigung mit dem Tode. Der Verantwortliche für das Kriegsverbrechen von Oradour entging dem vom vorgesetzten Kommando der Waffen-SS eingeleiteten Kriegsgerichtsverfahren nur deshalb, weil er vorher fiel. Selbst die Kenntnis nur einiger dieser oder ähnlicher Fakten mußte Grass am Verdikt „verbrecherische Organisation“ zweifeln lassen. Mit wenig Nachdenken sollte er dann erkannt haben, daß die Teilen der Waffen-SS zur Last gelegten Kriegsverbrechen auf keinen Fall institutionell so zu ihrer Organisation gehörten, wie der Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung zu den westalliierten Luftstreitkräften, die fast täglich viele Oradours verursachten. Sofern also die Prämisse stimmt, daß Günter Grass die Geschichte seiner Zeit als denkender Mensch verarbeitet hat, dürfte es sehr schwer fallen, ihm ein „Schuldgefühl“ wegen bloßer Zugehörigkeit zur Waffen-SS abzunehmen.

Manfred Backerra, Hamburg

 

 

Gedeckelt
Betr.: „Nazis unterstützten Zionisten“ (Nr. 30)

Ich hatte schon einmal davon gehört, ohne dieses Wissen allerdings parat zu haben.

Ich bin sicher, es gibt nur wenige Deutsche, die davon wissen, wie Zionisten und der NS-Staat selbst noch im Krieg – bis November 1941 – zusammengearbeitet haben. Aber was wissen schon die heutigen Deutschen mehrheitlich über die NS-Zeit? Wenn man von den Verbrechen des NS-Staates absieht, fast nichts. Sie sind vom Holocaust gedeckelt.

Es ist genug Schlimmes geschehen, von deutscher Seite, aber nicht nur von ihr. Der Zweite Weltkrieg ist nicht vom Himmel gefallen und war auch nicht nur Hitlers Werk. Da haben viele mitgewirkt, auch solche, die heute besonders heftig auf uns einzudreschen pflegen.

Leider haben sie in unserem Land ihre deutschen Hilfstruppen, die sich der Unwahrheit und des Verschweigens verschrieben haben. Wo viel Schatten ist, darf kein Licht sein.

Hans-Peter Handl, Solingen

 

 

Grass mußte wegen des Schuldklimas schweigen
Betr.: „Der Balken im eigenen Auge“ (Nr. 33)

Um es vorweg zu sagen: Ich selbst habe nie Sympathien für Grass und seine Werke gehegt; aber was man jetzt mit ihm treibt, ist typisch für die deutsche Form der „Vergangenheitsbewältigung“.

Grass, der stets als Moralapostel auftrat, seinen Landsleuten den Spiegel der NS-Ära vorhielt und sie der kollektiven Schuld bezichtigte, steht nun plötzlich selber als kleines Teilchen im Räderwerk des Machtapparates des Dritten Reiches dar. Und dafür soll er nun schuldig gesprochen werden?! Einmal Nazi – immer Nazi.

Wenn man dem Schriftsteller nun vorwirft, daß er sich nicht schon früher zu seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS bekannt hat, dann ist das vor dem Hintergrund des deutschen Angst- und Schuldklimas zu verstehen, zu dem Grass durch das unaufhörliche Schwingen und Austeilen mit der moralischen Keule einen eben nicht gerade geringen Anteil beisteuerte. Denn was wäre anderenfalls in diesem verlogenen Klima passiert? Man hätte Grass vermutlich verdammt, ihn zur Unperson erklärt, seine Werke klein geredet. Ihm wäre mit Sicherheit nicht die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Danzig zuteil geworden, und er hätte wohl auch nicht den Literatur-Nobelpreis sowie andere Ehrungen verliehen bekommen.

Wolfgang Reith, Neuss

 

 

Im Interesse der Gerechtigkeit
Betr.: „Erzwungene Wege“ (Nr. 32)

Ich habe der deutschen Kanzlerin bezüglich der Dringlichkeit eines „Zentrums gegen Vertreibungen“ geschrieben. Auch schrieb ich, daß für die rechtmäßige Rückkehr von Schlesien, Pommern und Ostpreußen zu Deutschland die Initiative ergriffen werden muß. Alle jene, die vertrieben wurden und noch in der Lage sind, ihre Meinung zu verbreiten, sollten dies für die gemeinsame Sache tun. Die deutsche politische Klasse sollte endlich im Interesse der Gerechtigkeit und des Rechts handeln.

Robert Lee Shipley, Gillingham, England

 

 

Vom Tellerwäscher zum Außenminister
Betr.: „Professor Straßenkampf“ (Nr. 26)

Zum Abschied von Josef Fischer sei ein satirischer Epilog erlaubt.

Man könnte sarkastisch konstatieren: Wieder verläßt eine Koryphäe Deutschland, weil hier die Basis für ein schöpferisches Wirken abhanden gekommen ist. Sie will deshalb in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, Amerika also, einen Neuanfang wagen. Diese Koryphäe ist unter dem Namen Joschka Fischer bekannt geworden, der immerhin vom Gelegenheitsarbeiter ohne Schulabschluß und von einem Sponti, der mit Steinen gegen die Obrigkeit opponierte, zum Vizekanzler der Bundesregierung und damit verbunden zum Außenminister avancierte. Das ist doch eine tolle Karriere, die lebhaft an den Tellerwäscher erinnert, der Millionär wurde. Seine Erfolge als Außenminister sind allerdings kaum von Bedeutung gewesen, auch wenn Joschka Fischer für eine gewisse Zeit dem Sicherheitsrat der UN präsidieren durfte. Auch hat sich sein heimlicher Traum, erster Außenminister Europas zu werden, als Seifenblase erwiesen.

Joschka Fischer glaubt nun, seine pazifistischen Vorstellungen als Prof. Dr. h. c. an einer elitären Hochschule besser verwirklichen zu können. Am Rande sei vermerkt, daß er sogar als Nachfolger des UN-Generalsekretärs im Gespräch war. Dann wäre es nicht mehr weit, ihn für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Seine pazifistische Einstellung weist jedoch einen gewaltigen Knick auf. Seine flammende, mit viel Pathos vorgetragene Rede, mit der er seine Gesinnungsfreunde überzeugte, dem Einsatz deutscher Soldaten auf dem Balkan zuzustimmen, ist noch vielen Deutschen in bedrückender Erinnerung. Dem Pazifisten Fischer haftet somit das penetrante Odium an, deutsche Soldaten in einen Krieg befohlen zu haben. Es wäre deshalb sinnvoller, wenn Herr Fischer sich jetzt wieder als Vermittler zwischen den verfeindeten Israelis und Palästinensern anbieten würde. Hier hat er immerhin gewisse Erfahrungen gesammelt, die sogar mit einem Doktorhut gewürdigt worden sind.

Mit dem sang- und klanglosen Abschied des einst beliebtesten (?) deutschen Politikers von der schnöden Politik, der zu seinem Naturell paßt, hat J. Fischer zu erkennen gegeben, daß ihm das Wohl  der Deutschen völlig gleichgültig ist und ihm Patriotismus und Nationalgefühl unbekannte Vokabeln sind. Ihm werden deshalb kaum viele Deutsche eine Träne nachweinen. Lediglich seine Gesinnungsfreunde stehen wie begossene Pudel da, nachdem ihr Messias in höhere Sphären aufgestiegen ist. Es ist kaum anzunehmen, daß sich Apostel finden werden, die die Lehren ihres Meisters in seinem Sinne missionieren könnten.

Walter Grubert, Hannover

 

 

Stigmatisierung
Betr.: „Krise am Empörungsmarkt“ (Nr.32)

Mit großem Vergnügen habe ich (wieder mal) Ihren „Hans Heckel“ gelesen.

Besonders die Darlegungen der scheibenweisen Ausgrenzung und Stigmatisierung von „Risikogruppen“ im Gesundheitssystem erinnerten mich an ein Zitat von Berthold Brecht.

Wann wird körperliche Arbeit infolge „mangelnden Bildungsvorsorgewillens“ als selbstverschuldete Risikogruppe angeprangert?

Allerdings erinnern mich diese Parolen auch irgendwie an den schon bewährten „gesunden Volkskörper“ des Dritten Reiches.

Dieses Land ist auf dem besten Wege alle Errungenschaften der 48/49er und der Sozialgesetze Bismarcks zu vernichten. Hierbei geht es nicht nur um Tabak- oder Alkoholgenuß, sondern es ist die Spitze „eines Eisberges“.

Ulrich Drübbisch, Ahrensburg

 

 

Sie können sich nicht mehr wehren
Betr.: Leserbrief „Was waren das für Ungeheuer in Menschengestalt“ (Nr. 31)

Ich halte es für ungerecht, einen ganzen Berufsstand – hier die dänischen Ärzte der damaligen Zeit 1945 bis 1949 – in Bausch und Bogen zu verurteilen. Diese Ärzte, werden heute zum größten Teil nicht mehr leben, können sich also gegen eine solche Beschuldigung nicht mehr wehren; oder sie sind mindestens hoch in den 80ern! Ein vorurteilfreies und nüchternes Bild auch zu dieser Thematik vermittelt das neueste Buch des dänischen Autors Arne Gammelgaard „Auf Führerbefehl in Dänemark – Deutsche Flüchtlinge in Dänemark 1945 bis 1949“. Das Buch erschien zu Weihnachten 2005 und ist auch über den PMD zu beziehen.

Ruth Henke, Kiel


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