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07.10.06 / Für die Opfer des Weltkommunismus / In Ungarn wird am 21. Oktober eine Gedenkstätte für die rund 100 Millionen Toten eingeweiht

© Preußische Allgemeine Zeitung / 07. Oktober 2006

Für die Opfer des Weltkommunismus
In Ungarn wird am 21. Oktober eine Gedenkstätte für die rund 100 Millionen Toten eingeweiht
von Wilhelm v. Gottberg

Das Mahnmal wurde in Csömör am östlichen Stadtrand der ungarischen Hauptstadt Budapest errichtet; zur Zeit werden an der Anlage letzte Arbeiten zur Fertigstellung vorgenommen. Der Trägerkreis will die objektiv interpretierte Geschichte des Kommunismus zum Lehrmeister für die nachfolgenden Generationen machen. Anläßlich des 50. Jahrestages des ungarischen Freiheitskampfes von 1956 soll die Gedenkstätte eingeweiht werden.

Die Initiatoren des Mahnmals kommen aus dem bürgerlichen Lager Ungarns. Sie alle eint die Auffassung, daß die kommunistische Zeit Ungarns der gewissenhaften Aufarbeitung bedürfe. Dazu soll das Mahnmal einen Anstoß geben. Nachstehende ungarische Organisationen stehen hinter der Idee der Gedenkstätte:

• "Bund ungarischer politischer Gefangener"

• "Bund der Verfolgten des Kommunismus"

• "Ungarische Nationalgarde 1956"

• "Csömörer bürgerliche Liga"

• "Freundeskreis der Heiligen Stephanskrone"

• "Gemeinnützige Stiftung Gloria Victis"

Mit nachstehender Proklamation sind die Initiatoren des Mahnmals vor Beginn der Bauphase an die Öffentlichkeit getreten:

"Die zwei blutigen Diktaturen des 20. Jahrhunderts in Europa haben der ganzen Menschheit unermessliches Leid zugefügt. Unsere Trauer gilt den Ermordeten des Nationalsozialismus ebenso wie denen des Kommunismus. Leider gibt es bis jetzt keinen Ort, um jener unzähligen Opfer, die vom atheistischen roten Wahn verfolgt und vernichtet worden sind, zu gedenken und ihnen unsere Ehrfurcht zu erweisen: den Kindern, Frauen und Männern aus Ländern wie Ungarn, der ehemaligen DDR, der ehemaligen Tschechoslowakei, der ehemaligen Sowjetunion, dem einstigen Jugoslawien, Polen, Albanien, Bulgarien, Rumänien sowie Tibet, China, Nordkorea, Vietnam, Laos, Kambodscha, Afghanistan, Kuba, Nikaragua, Peru, Äthiopien, Angola und Mozambique. Damit diese Märtyrer nicht vergessen werden, wollen wir 16 Jahre nach dem Zusammenbruch des diktatorischen Regimes in Ungarn in unserer Gemeinde zu Ehren der 100 Millionen Opfer des Weltkommunismus eine Gedenkstätte errichten.

Die Ungarische Revolution von 1956 schlug das Schiff des Kommunismus zum ersten Male leck. Es war ein einsamer, erbitterter Kampf, und die ungarischen Freiheitskämpfer konnten auf keine Hilfe von außen hoffen, dennoch fieberten tausende freiheitsliebende Menschen auf der ganzen Welt mit.

Noch heute, fast ein halbes Jahrhundert später klingt die letzte dramatische Nachricht des freien Budapester Rundfunks in unseren Ohren nach: "Jetzt sterben wir für Europa." Das Mahnmal, dessen Einweihung für den 50. Jahrestag des Freiheitskampfes geplant ist, soll nicht zuletzt an diese Zeit erinnern. Wir sind überzeugt, daß es sehr vielen Menschen Genugtuung verschaffen wird."

Das Kuratorium der "Gemeinnützigen Stiftung Gloria Victis" ist bemüht, die Kosten des Mahnmals durch Spenden einzuwerben. Es werden rund 60000 Euro benötigt. Die ganz große Mehrheit der Ungarn ist arm, so daß im Land selbst die erforderlichen Mittel nicht zusammengebettelt werden können. Die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Gyurcsany verweigert eine finanzielle Mitbeteiligung.

Deshalb haben sich die Stiftungsverantwortlichen an Opferverbände des Sowjetkommunismus im europäischen Ausland gewandt und um Spenden für das Vorhaben gebeten. Auch zahlreiche Organisationen in der Bundesrepublik und in Österreich wie zum Beispiel die politischen Stiftungen und die Landsmannschaften erhielten eine detaillierte Projektbeschreibung, verbunden mit der Bitte um eine Spende. Leider war die Rückmeldung überaus enttäuschend. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer, soweit sie angeschrieben wurden, reagierten nicht oder ablehnend. Die Konrad-Adenauer-Stiftung lehnte eine Förderung ebenso ab wie die Außenkommissarin der EU, Frau Ferrero-Waldner. Lediglich der kleine bundesdeutsche Verband der politisch Verfolgten des Kommunismus überwies eine Spende nach Budapest. Die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft gab ebenfalls eine positive Rückäußerung mit dem Inhalt, daß man das Projekt ideell voll unterstütze, aufgrund fehlender Mittel aber keine Spende leisten könne.

Der Bundesvorstand der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) hat positiv auf die Bitte der "Stiftung Gloria Victis" um Unterstützung reagiert. Nach Erhalt der angeforderten detaillierten Projektbeschreibung und des Finanzierungsplanes unternahm der Sprecher im August eine eintägige Reise nach Budapest, um sich ein Bild von der Gedenkstätte und den dahinterstehenden Personen zu machen. Aufgrund seines Eindruckes und der im europäischen Geist vor Ort geführten Gespräche bewilligte der Bundesvorstand der LO 2000 Euro für die Fertigstellung der Gedenkstätte. Die LO will diese Spende als ein Zeichen für die Verbundenheit der Deutschen mit Ungarn verstanden wissen und darüber hinaus auch die in Deutschland noch zu leistende Aufarbeitung des stalinistischen Terrors unterstützen. Die deutsche Opfergruppe des Weltkommunismus kann leider nicht als klein bezeichnet werden.

(Wilhelm von Gottberg wird am 21. Oktober an der Eröffnung der Gedenkstätte teilnehmen und für die Landsmannschaft Ostpreußen ein Grußwort sprechen. Die PAZ wird über den Fortgang des Projektes berichten.)


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