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07.10.06 / Sinnvolle "Kulturprojekte"?

© Preußische Allgemeine Zeitung / 07. Oktober 2006

Sinnvolle "Kulturprojekte"?
von Harald Fourier

Die russische Kultur hat viel zu bieten. Vor allem Literaten hat das Land hervorgebracht, denken wir nur an Gorkij oder Fjodor Dostojewskij. Sicher - die Lektüre ist nicht immer einfach. Wenn Namen auftauchen beispielsweise. In "Herr und Knecht" von Leo Tolstoj wird es schwer, sich alles zu merken, wenn Hauptfigur Wassilij Andrejitsch Brechunow mit seinem Pferd Muchortyj und Knecht Nikita von Grischkino nach Gorjatschkino - oder war es von Sacharowka nach Karamyschewo? - unterwegs ist. Und das ist nur ein harmloses Beispiel. Natürlich ist nicht automatisch alles lesens- oder sehenswert, was aus Rußland kommt. Vor einem Jahr wurde Wladimir Georgijewitsch Sorokins Stück "Rede eines Staatsanwalts" in Berlins Russischem Theater in der "Kulturbrauerei" aufgeführt. Das Publikum war nicht so überzeugt. Fünf, sechs Gäste verloren sich damals in dem kleinen Theater, als ich mir das Stück angesehen habe. Manchmal seien es noch weniger, berichtete ein Schauspieler, der das Stück vortrug, nach der Vorstellung.

Trotzdem wird das Russische Theater vom Land Berlin finanziell gesponsert. Im Rahmen des "Programms zur Förderung der interkulturellen Projektarbeit" (343000 Euro) des Wissenschaftssenators. Dafür hat Berlin Geld. Die leeren Ränge im russischen Theater sind wahrscheinlich noch am wenigsten ein Grund sich aufzuregen. Weiterhin floß Geld an folgende "Projekte": an das türkischsprachige Theater "Tyatrom", an die argentinische

Kunstinitiative "Migrantas", an den türkischen Verein "Diyalog", an eine iranische Autorin und einen türkischer Autor, an die irakische Initiative "Grenzenlos", an die kurdische Initiative "Mitosfilm" und an den Jesuiten-Flüchtlingsdienst mit einem interkulturellen Projekt in der Abschiebehaft.

Lauter Multikulti-Projekte erhalten immer mehr Geld vom Staat. Von der EU bekommt Berlin seit 2004 weitere Mittel für Kultur. Über 20 Millionen Euro bis 2008, teilte Kultursenator Flierl unlängst stolz mit. Der staatliche Geldsegen für solche Kulturprojekte erscheint indes zunehmend fragwürdig - vor allem, wenn niemand hingeht. Die Illusion, interkulturelle Harmonie sei damit herzustellen, daß man das deutsche Publikum unablässig zu mehr "Verständnis" den Fremden gegenüber erzieht, ist zerstoben. Es sind vor allem die Fremden, denen es offenbar an Verständnis für die deutsche Kultur und Zivilisation mangelt. Diese Erkenntnis hat sich nach Rütlischule und Ehrenmorden selbst in alternativen Kreisen herumgesprochen. Berlins Kulturförderung aber hat daraus noch keinerlei Konsequenzen gezogen.


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