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07.10.06 / Preußenkönig privat / Hans Bentzien schildert aus Sicht Friedrichs des Großen dessen Leben

© Preußische Allgemeine Zeitung / 07. Oktober 2006

Preußenkönig privat
Hans Bentzien schildert aus Sicht Friedrichs des Großen dessen Leben

Hans Bentzien hat während seiner Amtszeit als Kultusminister der DDR eine gegenläufige Entwicklung zu seinem Arbeitgeber durchgemacht. Während in der DDR fast alles, was an Preußen erinnerte, geschliffen oder aus dem Blickfeld geräumt wurde, ent-deckte Hans Bentzien seine Leidenschaft für die Preußen und vor allem Friedrich II., die sich inzwischen anhand zahlreicher Publikationen belegen läßt.

In "Ich, Friedrich II. - Das Leben des großen Preußenkönigs" schildert der Autor aus Sicht Friedrichs des Großen dessen Leben. Gewürzt mit vielen Zeichnungen von Adolph Menzel und Zitaten aus der Zeit entführt Bentzien seinen Leser in die Zeit des Preußenkönigs, läßt ihn persönlich die Probleme mit seinem Vater, seine Neigung zu Kunst und Kultur, seine Bedenken bezüglich seiner Kriege sowie Bilanz am Ende seines Lebens darlegen.

"Gegen alle Mächte Europas haben wir gekämpft, nur gegen England nicht. Nun sind wir eine Großmacht. Hat es sich gelohnt, dafür elf Jahre Krieg zu führen? Leichter wäre es gewesen, Maria Theresia zu heiraten. Aber erst nach dem Essen weiß man, wie es geschmeckt hat." Bei derartigen Formulierungen läßt Hans Bentzien Friedrich II. allerdings ein wenig zu vertraulich mit dem Leser reden. Wobei der Preuße durchaus vertraulich werden konnte, wie zahlreiche Briefe an seine Schwestern belegen. "Kurz, liebe Schwester, die Lumpen von Kaisern, Kaiserinnen und Königinnen zwingen mich dieses Jahr noch zum Seiltanzen. Ich tröste mich mit der Hoffnung, daß ich dem einen oder anderen mit der Balancierstange tüchtig eins auswischen werde. Ist das aber geschehen, so muß man wahrhaftig an den Frieden denken. Welche Menschenopfer! Welch entsetzliche Schlächterei! Das Vorurteil der Welt stempelt Bluttaten zwar zum Heldentum, wenn man sie aber aus der Nähe sieht, sind sie stets grauenvoll." (An Wilhelmine 1758).

"Ich, Friedrich II. - Das Leben des großen Preußenkönigs" ist auf jeden Fall lesenswert, weil es den Preußenkönig dem Leser nahebringt und seine verschiedenen Charakterzüge beleuchtet.

Die Mischung aus Nacherzählung in Ich-Form sowie Briefen, Zitaten und Schriften des Monarchen läßt diesen lebendig werden und offenbart sein in vielen Dingen (Justiz, Bevölkerungspolitik, Abtreibung, Steuern, Regierungsgeschäfte) fortschrittliches Denken. Bel

Hans Bentzien: "Ich, Friedrich II. - Das Leben des großen Preußenkönigs", Das Neue Berlin, Berlin 2006, broschiert, 175 Seiten, 9,90 Euro, Best.-Nr. 5801


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