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11.11.06 / Markenzeichen blaues L / Vor 150 Jahren gründete Gustav Langenscheidt einen Verlag

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. November 2006

Markenzeichen blaues L
Vor 150 Jahren gründete Gustav Langenscheidt einen Verlag
von Helga Steinberg

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen", sagt der Volksmund. Wie wahr. Doch was tun, wenn man die Sprache des fremden Landes nicht oder nur sehr kläglich beherrscht? Zu dieser Erkenntnis kam ein junger Mann, dessen Name heute weltweit mit dem Erlernen fremder Sprachen verbunden ist: Gustav Langenscheidt (1832-1895). Das große blaue L, das auf den Publikationen aus seinem Verlag prangt, ist Schülern und Studenten, aber auch Reisenden gleichermaßen ein Begriff.

Als 17jähriger machte sich Langenscheidt 1849 von Berlin aus auf, die Welt zu erkunden, zumindest die damals zu Fuß zu erreichende Welt. Am 1. November ging's los Richtung Hamburg. Bereits in Mecklenburg konnte der junge Mann kein Wort mehr verstehen, sprachen die Menschen dort auf dem flachen Land doch nur Platt. Er brach die Reise bald ab und unternahm einen neuen Versuch im Frühjahr 1850. Über Calais und Dover führte ihn der Weg nach London. Langenscheidt, der kein Wort Englisch beherrschte, suchte sich eine Unterkunft und fand ein Haus, auf dem die Worte "good bed" oder so ähnlich zu lesen waren. Er notierte in seinem Tagebuch: "... Es ist ein wahrhaft peinliches Gefühl, unter Menschen nicht Mensch sein und Gedanken austauschen zu können." Später machte er es sich zur Aufgabe, einer breiten Bevölkerungsschicht fremde Sprachen näherzubringen und erfand zusammen mit seinem Französischlehrer Charles Toussaint die erste praktikable Lautschrift. Vor 150 Jahren dann gründete er einen eigenen Verlag. Heute arbeiten rund 1400 Menschen in elf Ländern für die Langenscheidt Verlagsgruppe.

Die abenteuerliche Reise zu Fuß führte Langescheidt damals übrigens noch nach Paris, seinem Traumziel, in die Schweiz, weiter nach Italien, wo man gerade dabei war, den Simplontunnel zu bauen, über Graz nach Wien. Dort fand der junge Mann auf den Speisekarten Begriffe, die ihm böhmische Dörfer waren, doch: "Nirgends ißt man besser als in Wien." In München erlebte er eine heftige Rauferei zwischen streitsüchtigen Bajuwaren und Preußen. Karlsbad, Prag und Breslau waren weiterere Stationen, bis er schließlich wieder Berlin erreichte.

Ob diese Reise tatsächlich den Ausschlag gab, Wörterbücher herauszugeben, bleibt dahingestellt. Der Verlag hat es sich zum Jubiläum einfallen lassen, die Reiseskizzen seines Gründers als Hörbuch herauszugeben (unter www.langenscheidt.de/150Jahre kostenlos herunterzuladen). - Vergnüglich und informativ zugleich.

Gustav Langenscheidt: "Promenaden durch Nord, Süd und West 1849-1850", Reisetagebuch, Langenscheidt Verlag, München 2006, Sprecher Dieter Mayer-Simeth und Paul Herwig, CD Länge: etwa 70 Minuten.


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