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11.11.06 / Gestreßtes Federvieh

© Preußische Allgemeine Zeitung / 11. November 2006

Gestreßtes Federvieh

Für einen Feinschmecker gibt es in dieser Jahreszeit wohl kaum etwas Köstlicheres als einen Gänsebraten. "Eine gut gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes", sagt schon der Volksmund, dem dabei sicher das Wasser im Mund zusammenläuft. Dabei muß es gar nicht immer eine ganze Gans sein, die auf den Tisch des Hauses kommt. Auch Gänsekeulen (die gebraten und dann in sauer eingelegt werden) oder eine stolze Gänsebrust erfreuen den Gaumen.

Nun aber soll es in diesem Jahr nicht mehr so üppig zugehen mit den Gänsebraten. "Die Gänse werden knapp", titelte eine norddeutsche Tageszeitung und bezog sich auf Meldungen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, dem geflügelreichsten Bundesland. Dort sei das Angebot erheblich zurückgegangen, in Niedersachsen um 15, in Schleswig-Holstein gar um 30 Prozent.

Schuld sei die Vogelgrippe, sagen die Züchter. Viele Hobbyzüchter hätten sich wegen der strengen Stallpflicht, die bundesweit bis Mai vorgeschrieben war, gar nicht erst getraut, Gänseküken aufzuziehen. Auch die großen Zuchtbetriebe haben ernsthafte Nachwuchssorgen. Das Federvieh sei nach Entlassung aus dem Stall so gestreßt gewesen, daß es gar nicht richtig in Paarungslaune war, so ein Züchter. Überhaupt erfolge die Paarung der Gänse nur in natürlichen Gewässern durch den sogenannten Ganter-Tritt. Die Hauptpaarungszeit aber war im Mai meist schon gelaufen. Inzwischen habe sich die Situation entspannt, und keiner müsse auf seinen Gäsnebraten zu Martini oder zum Weihnachtsfest verzichten. Der Verbraucher müsse allerdings das tun, was er in diesen Tagen immer tun muß: tiefer ins Portemonnaie greifen. Aber bei einer gut gebratene Gans wird so mancher nicht widerstehen können. SiS


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