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18.11.06 / "Ohne Liebe kann man nichts malen" / Der Gartenbesitzer Max Liebermann war fasziniert von den Möglichkeiten, die Natur in Bildern festzuhalten

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. November 2006

"Ohne Liebe kann man nichts malen"
Der Gartenbesitzer Max Liebermann war fasziniert von den Möglichkeiten, die Natur in Bildern festzuhalten
von Silke Osman

Man schrieb das Jahr 1903, als der Maler Max Liebermann an Alfred Lichtwark, den Direktor der Hamburger Kunsthalle, schrieb: "Wissen Sie vielleicht ein Häuschen mit großem Garten für uns in der Umgebung von Hamburg? Es brauchte ja nicht ganz so groß wie der Jenisch'sche Park zu sein, aber mit alten Bäumen, in deren Schatten ich meine Modelle posieren lassen könnte."

Aus dieser Idee wurde nichts, den Garten aber und das Haus schuf sich Liebermann schließlich in Berlin. In der Villenkolonie Alsen, einem ab 1869 im Südwesten von Berlin geschaffenen "stadtfernen Wohnort inmitten einer idealisierten Natur und als großer, vom Wannsee umspülter Landschaftspark gesehen" (Reinald Eckert), erwarb er 1909 für 145000 Reichsmark ein 6730 Quadratmeter großes Doppelgrundstück am Großen Wannsee mit Zugang zum See. Der Architekt Paul Baumgarten (1873-1953) schuf nach der Vorstellung von Liebermann, der von den Hamburger Kaufmannsvillen Godefroy und Wesselhoeft angetan war, eine geräumige Villa. An der Konzeption des Gartens war schließlich Alfred Lichtwark, ein Anhänger der Gartenreformbewegung und Mitgestalter des Hamburger Stadtparks, maßgeblich beteiligt, die Ausführung lag bei Albert Brodersen.

Schnurgerade Promenadenwege, Sichtachsen, Lindenhecken, Umrahmungen der Beete von niedrigem Buchsbaum, ein zauberhafter Weg durch einen Birkenhain, ein großer Rasen, der bis ans Wasser führt, wo ein Anleger auf Boote wartet, sind in diesem Areal zu finden, immer wieder aber Blumenbeete, ein Rosengarten, eine Blumenterrasse. Motive, die ein Malerherz entzücken müßten. Anders Liebermann. Erst ab 1915 sind erste Wannsee-Bilder nachzuweisen, da Liebermann nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht mehr nach Holland reisen konnte, um dort zu malen. So verbrachte er die Sommer fortan mit seiner Familie in der Wannsee-Villa.

Lichtwark hatte dieses schon vorausgeahnt; er schilderte ein Schlüsselerlebnis, das der Maler in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts bei einem Besuch eines norddeutschen Bauerngartens hatte: "Bald stand er vor der Haustür und beobachtete die Wirkung des Gartens, bald vor der Laube und genoß den Anblick des Hauses, das mit seiner Tür im weichen Schatten der geschorenen Lindenreihe lag ... Mein Freund machte mit den Händen einen Rahmen vor die Augen und probierte Bildermotive, wie die Maler tun. Hundert Bilder könnte man hier malen, meinte er, eins schöner als das andere ..."

Und in der Tat: Ein Bild ist schöner als das andere. Aus immer wieder neuen Perspektiven hat Liebermann den Nutzgarten, in dem er im Krieg sogar Kohl anbauen ließ, die Blumenterrasse mit dem Fischotterbrunnen von August Gaul, die Gartenbänke und Heckengärten, den Birkenhain gemalt.

"Mir ist das ganze Gezänk so gleichgültig geworden", bekannte Liebermann im Alter. "Das Treiben der Menschen - was geht mich das noch an? ... Die Liebe ist alles in der Kunst. Ohne Liebe kann man nichts malen. Man kann keinen Grashalm malen, wenn man ihn nicht liebt."

Insgesamt hat Max Liebermann in seinem Garten etwa 200 Bilder und ungezählte Papierarbeiten geschaffen - unvergängliche Dokumente seiner reifen Meisterschaft und bis ins hohe Alter ungebrochenen Lebens- und Naturliebe, von der man sich 2004 auf Ausstellungen in Hamburg und Berlin überzeugen konnte. Auch in der Frankfurter Ausstellung (siehe unten) ist er natürlich mit einem Werk vertreten.

 

Frankfurter Städel Museum zeigt Ausstellung über den Garten in der bildenden Kunst

Zu Beginn der dunklen Jahreszeit, wenn die Gärten der Umgebung ihr winterliches Aussehen annehmen, erblühen im Frankfurter Städel Museum die von Menschenhand geschaffenen Paradiese in voller Pracht. Die Ausstellung "Gärten: Ordnung, Inspiration, Glück" widmet sich epochen- und gattungsübergreifend dem Motiv des Gartens in der bildenden Kunst und präsentiert den Besuchern seine Darstellungs- und Bedeutungsvielfalt anhand von über 200 Leihgaben aus international bedeutenden Museen und Sammlungen. Gärten bieten Menschen Schutz, Erholung und Inspiration. Sie beflügeln auch Künstler und haben diese über die Jahrhunderte hinweg zu Meisterwerken angeregt. Der gemalte Garten ist so vielfältig wie seine Bedeutungen: Eine Mauer umgibt den Garten des Mittelalters, aus dessen magischem Bezirk das Böse ausgeschlossen bleibt. Für Peter Paul Rubens ist der Garten privater Lebensraum. Caspar David Friedrich sieht sich als Vermittler zwischen Mensch und Natur. Für Vincent van Gogh wird der Garten zur Projektionsfläche seiner Schwermut. Impressionisten wie Claude Monet legen üppig bepflanzte und phantasievoll gestaltete Gärten an, um sie in farbenprächtigen, lichtdurchfluteten Bildern festzuhalten. Renoirs Flieder, Manets Dahlien und Pissaros Obstbäume werden zu Symbolen einer neuen, sensitiven Malerei.

Gärten sind ein Stück geordnete Natur, in ihnen vereint sich die ungebändigte Lebenskraft mit dem planenden Geist des Gärtners. Auch aus diesem Grund sind sie für Künstler eine schier unerschöpfliche Inspirationsquelle. Das beim Aufenthalt im Garten empfundene Glück ist jedoch nicht allein den Künstlern vorbehalten. Die Harmonie von Mensch und Natur, abgeschirmt von der rauhen Wirklichkeit durch Hecken oder Gartenzäune, macht den Garten für jeden seiner Besucher zu einem kleinen Paradies auf Erden.

Die Exponate der Ausstellung demonstrieren dieses Glücksgefühl auf verschiedene Arten. Gustave Courbet, Pierre Bonnard und William Merritt Chase gewähren intime Einblicke in eine friedliche Gartenwelt, während Claude Monet und Henri Matisse sich von der Farb- und Formenvielfalt der Vegetation inspirieren lassen, um zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen zu gelangen. Auch der konzentrierte Blick auf einzelne Pflanzen, der in mittelalterlichen Detailzeichnungen ebenso demonstriert wird wie in Paul Klees Herbarien, offenbart eine tiefe Verbundenheit des Künstlers mit den Motiven des Gartens.

Als menschlicher Erlebnisraum, Ort kontemplativer Einkehr und Quell kreativer Energien ist der Garten seit jeher ein fruchtbares Thema für die bildende Kunst.

Die Ausstellung im Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt, ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag bis 21 Uhr am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Januar 2007 von 10 bis 18 Uhr geöffnet, feiertags sowie am 24. und 31. Dezember geschlossen, Eintritt: 10 / 8 Euro, Familienkarte 18 Euro, freier Eintritt für Kinder bis zu zwölf Jahren, vom 24. November 2006 bis 11. März 2007.


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