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18.11.06 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / 18. November 2006

Leserforum

Falscher Bürgermeister
Betr.: "Mit großem Hallo in die Pleite" (Nr. 43)

Es ist sicher richtig, daß Berlin nach der Wiedervereinigung benachteiligt war und nicht die Hilfen erhalten hat, die der Stadt zugestanden hätten. Auch trifft es zu, daß als Folge der Insellage der Stadt anhaltende Benachteiligungen besonders gegenüber westdeutschen Bundesländern bestehen. Von daher benötigt die deutsche Hauptstadt Hilfen, auch wenn das Verfassungsrichter nicht so sehen wollen.

Leider hat die Stadt einen Bürgermeister, der die Stadt schlecht verkauft und den Eindruck erweckt hat, die Stadt leiste sich, was sich ihre Geberländer nicht leisten würden. Hinzu mag eine Rolle spielen, daß Wowereit, der Wahlkampf in Schwulenkneipen betreibt, Umzüge von Lesben und Schwulen anführt und ihre Flagge auf dem Berliner Rathaus hissen läßt, in einem Land, das dabei ist, an Geburtenarmut zugrundezugehen, nicht überall Sympathie erntet. Auch die anhaltende Schmuserei zwischen Wowereits SPD und der Linkspartei PDS weckt nicht überall Begeisterung.

Berlin hat den falschen Bürgermeister, aber auch keinen anderen in Aussicht. Armes Berlin!

Albin Baltruschat, Aachen

 

 

Es fehlt an ...
Betr.: "Im Stich gelassen" (Nr. 44)

Ich danke Ihnen für diesen Artikel. Ich bin selbst Reserveoffizier, und in etlichen Wehrübungen mit diesem "Problem" konfrontiert worden. Weder dürfen wir noch können wir junge Rekruten richtig, das heißt nach militärischen Notwendigkeiten, ausbilden. Es fehlt an Zeit, Geld, Material, und am aller wichtigsten: dem politischen Rückhalt.

Ich hatte das Glück, bereits mit General Schneiderhahn und unserem "Verteidigungsminister" sprechen zu dürfen ... Es schmerzt sehr, wenn Ethikseminare wichtiger geworden sind als eine vernünftige infanteristische Grundausbildung!

Felix Tessenow, Jena

 

 

Medien heizten Stimmung auf
Betr.: "Im Stich gelassen" (Nr. 44)

Die Kritik an den Medien und der Regierung von Hans Heckel betreffs angeblicher Totenschändung in Afghanistan ist aus meiner Sicht viel zu mild ausgefallen. Mit der Medienkampagne wurden in verantwortungsloser Weise symbolisch Fäkalien über die Köpfe der Soldaten der Bundeswehr, die sich im Auslandseinsatz in islamisch geprägten Ländern befinden, ausgekippt. Weder die Medien noch die Regierung hatten hier das richtige Augenmaß für die Behandlung des Problems. Erst die Darstellung und Kommentierung in den Medien machte dieses Vorkommnis zur "Totenschändung". Mit den Darstellungen und Kommentaren wurden islamistische Gegenreaktionen regelrecht heraufbeschworen. Ich hatte den Eindruck, die Medien wünschten sich sehnlichst solche Gegenreaktionen. Ich stelle hier die Frage nach dem Sinn dieser aufheizenden Kampagne.

Haben wir noch eine verantwortlich handelnde deutsche Elite oder orientiert sich die Politik jetzt hauptsächlich nach dem dümmlichen Slogan "Bild dir Deine Meinung!"

Helmut Fellbrich, Leipzig

 

 

Verunglimpfung
Betr.: "Im Stich gelassen" (Nr. 44)

Es ist schon traurig, welche Ereignisse zur Ablenkung der Unfähigkeit von deutschen Politiker herhalten müssen. Der Vorfall in Afghanistan ging auf allen internationalen Sendern über die Bildschirme. Es ist ein Wunder, daß wir trotz aller Selbstverunglimpfung immer noch, abgesehen von wenigen Ausnahmen, ein hohes Maß an Achtung und Respekt genießen dürfen.

Annegret Kümpel, Erfurt

 

 

Suche nach den wahren Verantwortlichen
Betr.: "Im Stich gelassen" (Nr. 44)

Wohl dosiert, vermutlich um die Auflage hoch zu halten, veröffentlicht "Bild" zahlreiche Fotos von deutschen Soldaten in Afghanistan, die in Uniform mit Schädeln und Gebeinen von Toten posieren. Ganz Deutschland ist empört über diese geschmacklose Zurschaustellung. Die afghanische politische Führung fordert Konsequenzen.

Wer über diese Soldaten, die sich mit Schädeln und Gebeinen von Toten fotografieren ließen, sein Urteil fällt, sollte aber, dies wäre zu empfehlen, nicht nur die Soldaten vor der Aufklärung des Falls verurteilen, sondern zugleich darüber nachdenken, wie so etwas geschehen konnte. Er sollte sich die Frage stellen, ob deren sicherlich zu verurteilendes Verhalten auch dann möglich gewesen wäre, wenn die Afghanen ihre Toten oder die ihrer Gegner nach den Regeln ihrer Religion ordnungsgemäß bestattet hätten. Die Afghanen aber haben diese Gebeine über Jahre auf einer Müllhalde liegen lassen, an der deutsche Soldaten täglich vorbeifahren mußten, stets in der Gefahr, angegriffen und getötet zu werden. Darüber wäre nachzudenken.

In den Weiten Rußlands, die vor mehr als 60 Jahren Schlachtfelder waren, finden die Angehörigen deutscher Soldaten noch heute Skelette ihrer Väter und Brüder auf Feldern und am Wegrand wie auch ausgeraubte Gräber. Auch davon wurden Fotos gemacht. Doch nur wenige Zeitungen haben diese veröffentlicht.

Es ist auch nicht bekannt, ob sich jemals ein Mitglied der Bundesregierung oder des Deutschen Bundestages darüber empört hätte.

Dabei ist durchaus die Frage zulässig, ob an diesen zumindest scheußlichen und geschmacklosen Vorfällen nicht jene eine Mitverantwortung tragen, die unsere Soldaten in einen militärischen Einsatz schicken, der bereits mehr als ein Dutzend tote Soldaten durch Waffeneinwirkung gefordert hat.

Es ist nicht zu vergessen, daß diese Soldaten in ihrem Einsatz auf Patrouillenfahrten wiederholt aus dem Hinterhalt beschossen und auf ihre Camps Raketen abgefeuert wurden. Dieser Krieg, in den unsere Soldaten geschickt werden, ist keine Sportveranstaltung mit fairem Spiel.

Es ist schon zu oft blutiger Ernst geworden. Daher ist die Bundesregierung weiterhin aufzufordern: Holen Sie unsere Soldaten so schnell wie möglich zurück in die Heimat!

Sich über das Fehlverhalten einzelner zu empören, ist eine Sache, die Suche nach dem wahren Verantwortlichen eine andere.

Gerd-H. Komossa, Bonn

 

 

Aus der Geschichte lernen
Betr.: "Deutschland verdankt Polen, was es ist" (Nr. 43)

Wie kann Schäuble Polen gegenüber einen solchen Unfug von sich geben, das bis zum heutigen Tage nicht bereit ist, zu seiner Geschichte zu stehen?

Was ist mit einem Land, dessen Innenminister den 17. Juni 1953 vergißt und seine historische Bedeutung nicht einzuschätzen weiß?

Solange deutsche Politiker sich derart kriechend bewegen, ist der deutsche Untergang nicht aufzuhalten.

Sicher hat die jüngere Geschichte Polens mit dem Ergebnis seiner Lösung vom Kommunismus und der Sowjetunion unsere ganze Sympathie, und viele Polen, die inzwischen in unserem Lande leben, scheinen sich bei uns wohl zu fühlen. Niemand hat etwas gegen sie.

Unerträglich hingegen ist und bleibt die Weigerung Polens, sich zu seiner nationalistischen Vergangenheit zu bekennen, unter der Deutsche seit 1919 gelitten haben. Am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trägt Polen Mitschuld.

Die Vertreibung war ein Menschheitsverbrechen, die Täter, darunter viele Mörder, wurden nie zur Rechenschaft gezogen.

Das aber ist alles Geschichte. Warum soll Polen nicht auch zu den finsteren Seiten seiner Geschichte stehen, wie wir es ihm täglich vormachen?

Friedrich-Wilhelm Konstad, Westerland

 

 

Platz machen
Betr.: "Schröders Tiefschlag" (Nr. 43)

Ich meine zwar, daß man Schröders Memoiren vergessen sollte, aber sie werden leider genügend Käufer finden, so daß sich die Mühe für ihn gelohnt hat, dem staunenden Bundesbürger schon schnell nach seinem Ausscheiden aus der Politik aufzuzeigen, was für ein tüchtiges Kerlchen er doch war, ja auch noch da ist, und zugleich all denen eins aufs Maul zu geben, die ihn einmal geärgert oder sein Tun mißdeutet haben. Und vielleicht gelingt es ihm ja auch, die welkenden Lorbeeren am Kranze der Erinnerung an ihn etwas aufzufrischen.

Schröder ist mit und ohne Memoiren Vergangenheit, die nur darum noch interessieren könnte, weil die Nachfolge nicht besser ist. Auch Frau Merkel sollte bald Memoiren schreiben und Platz für den oder die machen, die gegenwärtig leider noch nicht zu finden ist.

Wolf Mikuss, Ahlhorn

 

 

"Warum nennt ihr unsere Namen nicht"
Betr.: Volkstrauertag

Es ist wieder Volkstrauertag. In lichtdurchfluteten, gut beheizten Sälen spielen klassische Quintette vor feierlich angezogenen Menschen unserer Gesellschaft Brahms und Beethoven; dann tritt ein guter, friedensliebender Politiker ans Mikrophon und spricht eine gute halbe Stunde - über jene furchtbare Periode, in der "im Namen des deutschen Volkes" so unendliches Leid über die Menschheit gebracht, aber Millionen unschuldige Menschen getötet wurden. Was nie mehr geschehen darf, weil "wir unsere Lektion gelernt haben" usw. usf. Es ist wieder Volkstrauertag ...

Unser zusammengeschmolzenes Häufchen steht hier, frierend vor dem Ehrenmal für die Gefallenen unserer Stadt, die in Narvik und El Alamein, in Stalingrad und der Normandie ihr Leben gelassen haben.

Oder in den oberbayerischen Dörfern, wo sie in den letzten Kriegstagen, als sie sich zwar ergaben, weder die Genfer Konvention noch ihre Jugend vor der Rache der Sieger schützten. Die Gefangenschaft mit Hunger und Folter, das Vegetieren bei Kälte, Regen und in Erdlöchern, Schwerstarbeit in den Bergwerken von Workuta oder in Frankreich rafften noch Millionen deutscher Soldaten hinweg, von denen viele bis heute als vermißt gelten. In der Lkw-Halle einer tschechischen Kaserne lagern "nur" 4000 Mann in Pappsärgen und unsere guten Politiker interessieren sie nicht, niemand macht sie zur "Chefsache".

Dabei hat die Wissenschaft längst festgestellt, daß die umherziehenden Wilden der Steinzeit erst dann zum Menschen wurden, als sie begannen, ihre Toten zu beerdigen und sie mit Grabbeigaben - Speisen, Schmuck und Waffen für ihren langen Weg ins Jenseits - rüsteten und ehrten.

Der berühmteste Flakhelfer der Weltgeschichte, Benedikt XVI., sprach einst: "In dieser Stunde verneigen wir uns in Ehrfurcht vor den Toten des Zweiten Weltkrieges. Wir gedenken der vielen jungen Menschen aus unserer Heimat, deren Zukunft und Hoffnung in den blutigen Schlachten des Krieges zerstört wurde ... Jeder steht einzeln mit seinem Weg und seinem Sterben vor Gott, in dessen barmherziger Güte wir alle unsere Toten geborgen wissen. Sie haben ganz einfach ihre Pflicht zu tun versucht - wenn auch unter furchtbarem inneren Ringen, Zweifeln und Fragen -, aber sie blicken nun uns an und reden zu uns: und ihr - was werdet ihr tun, damit die Welt nicht von neuem durch Haß und Gewalt und Lügen verwüstet wird?"

Seit er Papst ist, reisen unsere begnadeten Politiker zu ihm, um seinen Segen zu ergattern, obwohl sie zu Hause kaum in der Kirche gesehen werden und einen Kloß im Hals hatten, als sie ihren Amtseid mit "... so wahr mir Gott helfe!" beendeten.

Papst Benedikt XVI., der in Traunstein fast ein Jahrzehnt mein Nachbar war, wird es mir hoffentlich verzeihen, wenn ich seine Rede in La Cambe fortführe:

Diese toten Männer blicken uns nun an und reden zu uns: "Warum nennt ihr unsere Namen nicht, warum habt ihr keine Blumen mehr für unsere Gräber? Euere Liebe und Gedenken wärmte uns so lang, aber jetzt frieren wir! Weil wir Soldaten waren, meint ihr, man dürfe uns keine Kränze mehr bringen - sich jedenfalls dabei nicht ertappen lasen. Der feige Brauch, daß alle Brüder schweigen, zwingt euch doch nicht dazu, uns auch noch zu vergessen - das tut uns weh und wir trauern um euch, unser Volk!"

Wir haben nicht mehr die Kraft, Gesundheit oder das Geld, um überall in Europa unsere Toten zu besuchen, aber wir schwören, daß wir hierher kommen bis zu unserem Tode, um uns in Demut vor euch zu verneigen, unseren Kameraden.

Walter Held, Oberstleutnant a. D., Traunstein


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