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25.11.06 / "Auch wenn es uns schmerzt ..." / Leicht gekürzter Lagebericht des Sprechers für die Ostpreußische Landesvertretung in Bad Pyrmont / Ostheim

© Preußische Allgemeine Zeitung / 25. November 2006

"Auch wenn es uns schmerzt ..."
Leicht gekürzter Lagebericht des Sprechers für die Ostpreußische Landesvertretung in Bad Pyrmont / Ostheim

Das deutsch-polnische Verhältnis ist seit Beginn der Kaczynski-Regierungsära durch Warschauer Kraftmeierei belastet. Ohne Skrupel bedient sich die polnische Regierung antideutscher und antieuropäischer Stereotype. Antideutsch und antieuropäisch ausgerichtet ist auch die Programmatik der beiden kleinen Koalitionsparteien der derzeitigen Warschauer Regierungskoalition. Polen, Europa und Deutschland bekommen mehr und mehr Probleme mit dieser nationalistischen Regierung.

Die Berliner Regierung müßte mit Klugheit, Geschlossenheit und Festigkeit auf die Sticheleien aus Warschau reagieren. Doch dies ist ein unrealistischer Wunsch. Der deutsche Innenminister rät, für das polnische Gezeter Verständnis zu haben, die Polenlobby in der SPD ist groß und die Kanzlerin hat im Frühjahr 200 Millionen Euro aus Brüssel den Polen zusätzlich zugestanden. Das Geld war für die mitteldeutschen Bundesländer vorgesehen. Auch hat sie ihren Antrittsbesuch in Warschau lange vor dem ersten Besuch in Moskau absolviert und den Polen signalisiert, daß es mit den besonderen deutsch-russischen Beziehungen - Putin-Schröder - vorbei sei.

Die Warschauer Regierungskoalition sieht sich bestätigt. Sie hat allerdings nun auch die Franzosen verprellt, Polens über Jahrhunderte treueste Verbündete in Europa. Ein glücklicher Umstand für die Berliner Republik. Die Kraftmeierei aus Warschau muß vor dem Hintergrund der großen innenpolitischen Probleme Polens bewertet werden.

Das Gesundheitswesen und das Rentensystem sind chronisch unterfinanziert. Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum und an sichtbaren Fortschritten beim Aufbau einer modernen Infrastruktur, wenn man vom Ausbau der Fernstraßen - EU-Mittel - absieht. An einem großen Teil der ländlichen Bevölkerung ist der wirtschaftliche Aufschwung in den Städten vorbeigegangen. Hunderttausende Polen verdingen sich zu Dumpinglöhnen auf dem europäischen Arbeitsmarkt und die eigentliche Belastungsprobe für das ländliche Polen ist erst noch zu bewältigen. Es ist der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der Anpassungsprozeß der polnischen Bauern an das EU-Niveau. Zehntausende kleine Bauernhöfe werden auf der Strecke bleiben und zu einem sozialen Sprengsatz kollabieren, wenn das Land diesen Prozeß nicht sozialverträglich abfedert.

Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Unrecht der Vertreibung, ja eine staatlich geförderte Forschung ist zumindest in Polen zum Erliegen gekommen. Sie paßte auch nicht ins politische Bild einer Koalition aus Nationalkonservativen, erzkatholischen Nationalisten und Populisten, zu deren Vokabular immer noch antideutsche Vorbehalte und Töne zählen.

Man hat den Eindruck, daß die Warschauer Koalitionäre für zukünftige polnische Krisen schon mal vorsorglich Sündenböcke ausmachen.

Das polnische Störfeuer gegen das geplante Europäische Zentrum gegen Vertreibungen war erfolgreich und zeigt Wirkung. Der Sprecher hat wiederholt vor der OLV seine Befürchtung vorgetragen, daß die ostdeutsche Vertreibung - von der Dimension her, bisher einmalig - beim Zentrum zu einer Fußnote verniedlicht werde. Die erste Ausstellung der Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen", am 10. August im Kronprinzenpalais in Berlin eröffnet, bestätigte diese Vermutung nicht ganz. Ich hoffe, Sie haben zu diesem Thema den Kommentar unseres Chefredakteurs vom 19. August gelesen.

Ich war recht frustriert als ich bei der Besichtigung der Ausstellung feststellen mußte, daß über die Tragödie Königsberg zwischen 1945 und 1947 mit 80000 Verhungerten kein Hinweis zu finden war. Es hätte sich angeboten, Auszüge aus dem Buch "Frauen in Königsberg" oder dem Tagebuch der Emma Kirchstein zu dokumentieren.

Gottfried Hufenbach hat für den Bundesvorstand am letzten Aprilwochenende eine Zusammenkunft mit den Vorsitzenden/Vorständen der Deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen geleitet. Es ging dabei vorrangig um die Zukunft der deutschen Volksgruppe im südlichen Ostpreußen. Dazu, aber auch zu den Überlegungen des Bundesvorstandes zur Fortsetzung des kommunalen Dialoges wird Sie Hufenbach zu einem späteren Zeitpunkt informieren.

Das Sommerfest der LO für die Deutschen Vereine fand am 22. / 23. Juli statt. Teilnehmerzahl und Atmosphäre der Veranstaltung entsprachen unserer Erwartung. Es ist wichtig, daß die LO immer wieder als Obhutorganisation für unsere heimatverbliebenen Landsleute auftritt. Die Bürgermeisterin von Lötzen und der Landrat des Kreises Lötzen waren Ehrengäste bei der Veranstaltung.

Die Zerstrittenheit der Deutschen Vereine, wie sie unter Eck-hard Werner Gang und Gebe war, gehört der Vergangenheit an. Heinrich Hoch hat zweifellos in seinem Amt als Dachverbandsvorsitzender Statur gewonnen. Er wird von den Vereinsvorsitzenden anerkannt

Er rief mich am Mittwochabend an und berichtete über eine sehr erfolgreiche Zusammenkunft aller Vereinsvorsitzenden am letzten Wochenende. Ziel der Zusammenkunft war, alle Kräfte zu bündeln, damit bei der Kommunalwahl die Deutsche Volksgruppe einen Achtungserfolg erzielen kann. Hoch kandidiert für den Stadtrat von Osterode. Dies läßt leider seine Teilnahme an unserer heutigen Sitzung nicht zu. Er läßt Sie alle herzlich grüßen.

In Königsberg haben die Stadt Königsberg und die Städte im Gebiet in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Leider beschränkt sich dieser Aufschwung auf die großen Städte, auf dem Land herrscht weiter Tristesse und Stagnation. Der flüchtige Beobachter darf sich bei seiner ersten Begegnung mit Königsberg und anderen Städten im nördlichen Ostpreußen nicht davon täuschen lassen, daß sich ihm ein relativ buntes und lebendiges Bild bietet. Nur eine Minderheit der Menschen hat an diesem Leben Anteil und bestimmt entsprechend ihrer Möglichkeiten das Erscheinungsbild.

Die Probleme der Region sind nach wie vor riesig: die Wohnverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten, insbesondere auf dem Lande sind katastrophal.

Es gibt keine funktionierende Gesundheitsfürsorge; die Aidsinfektion breitet sich aus.

Eine funktionierende Landwirtschaft mit angeschlossener Veredelungswirtschaft ist nicht vorhanden.

Ein Umweltbewußtsein ist allenfalls in Ansätzen, aber nur bei einem kleinen Teil der Menschen vorhanden.

Die Mehrheit der Menschen ist arm, viele Tausend vegetieren unter der Armutsgrenze freudlos und perspektivlos dahin.

Wie in anderen Teilen Rußlands ist auch im Königsberger Gebiet die Kriminalität sehr hoch.

Die Schwäche der Staatsorgane leistet der Kriminalität großen Vorschub. Organisiertes Verbrechen, Menschenhandel, Handel mit Drogen und gestohlenen Fahrzeugen und illegale Einwanderung gehören dazu. Auch der Schmuggel - vor allem von Bernstein, Alkohol und Zigaretten - ist weit verbreitet. Das organisierte Verbrechen hat wie auch anderen Orts in Rußland eine äußerst negative Auswirkung auf Wirtschaft und das Investitionsklima. Die Kriminalität, die mit Korruption einhergeht, stellt eine ernsthafte Bedrohung der wirtschaftlichen Entwicklung und des Aufbaus eines von rechtsstaatlichen Grundsätzen bestimmten demokratischen Systems dar.

Rußland ist kein Rechtsstaat in unserem Sinne, wohl alle, die humanitär in der Region tätig waren oder noch sind, haben dies einmal oder mehrmals schmerzlich erfahren müssen. Die Verhältnisse auf dem Land in der Region sind häufig ähnlich den Verhältnissen eines Entwicklungslandes in Schwarzafrika.

Der Unterschied zwischen Stadt und Land im Königsberger Gebiet ist in den letzten Jahren noch erheblich größer geworden. Was in der Stadt als Hoffnung erkennbar ist, wird auf dem Lande weiter vernachlässigt. Vieles ist verwahrlost, unendliche Flächen liegen brach, eine große Armut herrscht unter den Menschen, ihre Not ist unübersehbar. Es fehlen Arbeitsplätze vor Ort. Es fehlen Investitionen in die Landwirtschaft, an Gebäuden und vor allem in die Straßen.

Es ist in höchstem Grade verantwortungslos, wie das Problem der Umweltverschmutzung ignoriert wird, mit der Konsequenz, daß den nachwachsenden Generationen drückende Altlasten aufgebürdet werden. Ein Umweltskandal erschütterte im August das Seebad Neukuren. Ungeklärtes Abwasser - menschliche Fäkalien - verschmutzen den Strand des Seebades. Einer russischen Pressenotiz war zu entnehmen, daß es eine Störung in der Neukurener Kläranlage gegeben habe. Ich schlußfolgere daraus, daß geklärtes Abwasser in die Ostsee bei Neukuren eingeleitet wird und daß die örtliche Kläranlage - für wie lange auch immer - ausgefallen war. Da hat man dann ungeklärt in die Ostsee entsorgt.

Im Königsberger Gebiet geht es mit der Russifizierung weiter voran. In Pillau steht jetzt an der Mole Zar Peter der Große anstelle des Großen Kurfürsten, und auch Zarin Elisabeth, die Gegnerin Friedrich des Großen, wurde neu aufgestellt. In Königsberg wird das Stadtbild in nicht geringer Weise von der neu erbauten riesigen Orthodoxen Erlöserkathedrale bestimmt.

Gelegentlich wird in unseren Reihen angeregt, zum 200. Jahrestag des Tilsiter Friedens im nächsten Jahr eine gemeinsame Veranstaltung mit Russen durchzuführen. Ich lehne dies ab. Wir würden großrussischer Geschichtsklitterung Vorschub leisten. Schon vor fünf Jahren plakatierten die Russen in Königsberg großflächig: Unser Land, hier waren wir, hier sind, hier bleiben wir. - Ja, sie waren in Königsberg drei Jahre als Besatzer während des siebenjährigen Krieges und dann noch einmal einige Monate als Verbündete während des Befreiungskrieges von 1813 und 1814.

Im übrigen war der Tilsiter Frieden ein Schanddiktat, von Napoleon oktroyiert, und nur dem russischen Zaren Alexander I. war es zu verdanken, daß Preußen bestehen blieb, wenn auch nur als Zwergstaat und seiner gesamten Gebiete westlich der Elbe beraubt.

Königsberg ist heute in den Augen der Russen sowie nach Auffassung der ganzen Welt ein Teil der russischen Föderation. Das müssen wir, auch wenn es uns schmerzt, zur Kenntnis nehmen. Die innerstaatliche Entwicklung Rußlands verläuft in Königsberg nicht anders als im gesamten riesigen Land, innerstaatliche Entwicklungen gelten von Pillau bis Wladiwostok und von Murmansk bis zur chinesischen Grenze.

Nach anfänglichen Demokratisierungstendenzen unter Präsident Jelzin entwickelt sich das Land nun wieder in Richtung eines totalitären Regimes. Zwar gibt es noch ein gewähltes Parlament, aber die Wahlen sind nicht frei im Sinne des westlichen Demokratieverständnisses. Die russische Justiz ist nicht unabhängig, die Eigentumsgarantie ist im Zweifel nichts wert, kritische Journalisten werden beseitigt und eine freie Presse ist nicht vorhanden. Resümee: es gibt keine Anzeichen, daß sich Rußland im nächsten Jahrzehnt zu einer Zivilgesellschaft im westlichen Sinne mit gesicherten Grundrechten entwickeln wird.

Damit diese Zustandsbeschreibung nicht nur ganz negativ bleibt will ich von einem kleinen Hoffnungslicht berichten. Horst Mertineit, der Stadtkreisvertreter der Stadtgemeinschaft Tilsit rief mich vorgestern an. Er meldete sich für die heutige Sitzung wegen einer noch nicht überstandenen Grippe ab. Mertineit berichtete, wie sehr er sich freue, daß nunmehr der Tilsiter Waldfriedhof durch den Volksbund wieder fertiggestellt und eingeweiht sei. Die Anlage sei rundherum wunderschön und die Presse habe von der Einweihung durchweg sehr positiv berichtet.

Ferner berichtete Mertineit von seiner großen Freude, die unbegrenzt bei allen Mitgliedern der Tilsiter Stadtgemeinschaft vorhanden sei, daß der Elch der Stadt Tilsit wieder zurückgekommen sei. Dieser war 1945 nach Königsberg verbracht worden. Er habe wegen des Tilsiter Elches den Oberbürgermeister jahrelang in den Ohren gelegen und ihn gebeten, dieses Ziel zu verfolgen. Nun sei es realisiert. Der Oberbürgermeister erwarte allerdings, daß die Stadtgemeinschaft einen Teil der Umzugskosten für den Elch aufbringen wird. Da hat Mertineit noch einiges zu erledigen.

Das Memelland gerät nicht aus dem Blick. Über meine Reise nach Memel und Heydekrug und die erneute Zuwendung an die Wolfskinder habe ich Sie im April in einem PAZ-Artikel ausführlich informiert. Auch habe ich über meinen Besuch bei der sogenannten deutschen Schule in Memel berichtet, die in Wahrheit eine litauische Schule für die deutsche Minderheit ist.

Zum gesamten Komplex der Vertreibung der Deutschen aus den Ostprovinzen des früheren Deutschen Reiches und aus den südosteuropäischen Siedlungsgebieten hat die politische Klasse in unserer Republik eine sehr einseitige und eigenwillige Sichtweise entwickelt, und diese zur Staatsräson erhoben. Es ist die Sichtweise der Polen, daß nämlich aufgrund des mutwilligen Beginns des Krieges durch Deutschland und der unermeßlichen Verbrechen der Deutschen die Vertreibung gerechtfertigt sei. Die Deutschen haben also gewissermaßen eine gerechte Strafe bekommen. Insoweit müssen sie sich das Unrecht der Vertreibung selbst zurechnen. Die wirklichen Opfer sind die Menschen in den östlichen Nachbarstaaten, die zu Millionen zu Tode gebracht wurden, bzw. unter dem Naziterror leiden müssen. Liebe Landsleute, leider hat sich so undifferenziert der Bundespräsident beim Tag der Heimat am 2. September in Berlin geäußert. So oder ähnlich hört man es immer wieder von den Vertretern der Großen Koalition.

Zur LO und ihren nachgeordneten Organisationen: Dem Bundesvorstand ist es gelungen, nun endlich wieder einen engagierten und ausgewiesenen Fachmann für die Leitung der Redaktion zu gewinnen. Herr Klaus Voss ist der jüngste Chefredakteur, den unsere Wochenzeitung je hatte, gleichwohl ist er erfahren. Er wird über seinen Werdegang, aber auch über die zukünftige Entwicklung bei der PAZ Ihnen gleich berichten. Der Bundesvorstand hat mit ihm gemeinsam Schritte eingeleitet, die der Zukunftssicherung der PAZ dienen sollen. Wir müssen die bezahlte Auflage der PAZ stabilisieren. Liebe Landsleute, dazu ist auch Ihre Mithilfe erforderlich. Ist es unzumutbar, zu fordern, daß jedes Mitglied der OLV im nächsten Jahr drei neue Abonnenten wirbt? Herr Voss hat über seine Frau einen Bezug zu Ostpreußen. Für ihn ist klar - was außerhalb der Ostpreußenfamilie heute fast vergessen ist - das Dienen steht vor dem Verdienen -

Über die Situation hier im Hause, über das Ostheim habe ich Sie mit dürren Worten in meinem Brief vom 19. Oktober informiert. Noch hat das Ostheim mit seinem Seminar- und Freizeitangebot für den gesamten Verband eine enorme Bedeutung. Eine Aufgabe des Ostheims würde den Verband in nicht mehr zu korrigierender Weise schwächen. Aber ein verantwortungsbewußter Vorstand muß reagieren, wenn erkennbar wird, daß die Wirtschaftlichkeit des Ostheims nur mehr kurzfristig gegeben ist. Das Ostheim ist immer schon von der LO gesponsert worden, mit Ausnahme der Jahre 1996 - 2004. Ich habe darüber bei den Sitzungen der OLV in den vergangenen Jahren immer wieder berichtet. Aufgrund der guten Finanzausstattung der LO in früheren Jahrzehnten war das finanzielle Zuschießen kein großes Problem. Mit dem Wegbrechen der Leserschaft der PAZ ist die Finanzkraft der LO geschwunden. Am 19. September hat die Mitgliederversammlung von Ostheim getagt und die Übertragung des Ostheimanteils am Eigentum dieser Hausimmobilie auf die LO beschlossen. Im Gegenzug verzichtet die LO auf ihre bisher aufgelaufenen Forderungen an den Verein Ostheim. Die dazu erforderlichen notariellen Maßnahmen sind in Arbeit.

Der Verein Ostheim e.V. bleibt wie bisher Betreiber der Jugend- Freizeit- und Bildungsstätte Ostheim in Pyrmont. Die Mitgliederversammlung hat Dr. Thüne, Grigat und mich für die nächsten 2 Jahre zu Vorstandsmitgliedern bei Ostheim e.V. gewählt.

Der Bundesvorstand appelliert an dieser Stelle nochmals eindringlich an Sie alle: Liebe Landsleute, prüfen Sie ernstlich wie weit Sie im nächsten Jahr persönlich oder mit Ihren Vereinigungen zur besseren Auslastung des Ostheims beitragen können. Gemeinsam können wir es schaffen, dem Ostheim die Funktion zu erhalten, die das Haus seit 1958 für die LO wahrgenommen hat.

Das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg ist keine Einrichtung der LO. Aber der Verein "Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum e.V. Lüneburg" - die maßgeblichen Personen dort sind Ostpreußen - und die LO sind Stifter der OKS. Daraus ergibt sich die moralische Verpflichtung für alle Ostpreußen, darüber zu wachen, daß im Museum ein unverfälschtes Bild des historischen Ostpreußens dargeboten wird. Die Ostpreußen haben im Laufe von 50 Jahren - 1957 begann das Vorläufermuseum des heutigen OL mit seiner Arbeit - viele hunderttausend DM gespendet.

Die OKS hat seit ihrer Gründung 1994 bis 2003 gut gearbeitet. Lediglich der ehemalige Museumsdirektor hat immer wieder versucht, einzelne ehrenamtlich Tätige aus dem Vorstand und Stiftungsrat gezielt zu diffamieren. Besonders war er auf den Sprecher in seiner Eigenschaft als Stiftungsratsvorsitzender der OKS fokussiert. Da es uns um die Sache ging, haben wir das ertragen.

Das Land Niedersachsen, auch Zuwendungsgeber bei der OKS, will im Ostpreußischen Landesmuseum ein baltisches Landesmuseum einrichten und insoweit den Einfluß Ostpreußens bei der OKS auf ein Minimum reduzieren. Die Balten wären nicht dagegen. Die Ostpreußen haben immer gesagt, und sagen das auch heute noch: die Balten sind uns mit einer baltischen Abteilung im Ostpreußischen Landesmuseum willkommen. Sie sollen auch einen Sitz im Stiftungsrat haben, aber an der Federführung der Ostpreußen in den Gremien lassen wir nicht rütteln. Es haben in den letzten eineinhalb Jahren unzählige Gespräche mit Niedersachsen, mit den Balten, auch zwei Gespräche mit Prof. Schäfer im Bundeskanzleramt stattgefunden. Es wurden Briefe geschrieben und Telefonate geführt. Alles wegen der Erweiterung der OKS und der Einrichtung der baltischen Abteilung. Die ganze Sache ist noch eine Hängepartie und es ist noch ungewiß, wie es letztlich ausgeht. Hilgendorff wird dazu morgen auch noch vortragen. Aber meine Damen und Herren, die Belastungen, die zeitliche und körperliche Belastung, die dieser Komplex mit sich mitbringt, ist ehrenamtlich nicht mehr zu leisten. Das ist unzumutbar geworden. Dies gilt für Hilgendorff in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Trägervereins Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum e.V. sowie als stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der OKS noch mehr als für mich.

Hilgendorff hat in einem sehr mutigen Schritt die an das Museum angrenzende Immobilien, Brauereimuseum, Kronendiele und angrenzende Grundstücke für knapp 2 Mio. Euro für den Verein Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum erwerben können. Damit ist es gelungen, das Hinterhofdasein des Ostpr. Landesmuseums zu beenden und den Zugang des Museums von der Hauptfußgängerzone zu ermöglichen. Das wird dem Zulauf des Museums guttun. Der Bundesvorstand hat die Unterstützung der LO für den Zukauf signalisiert und 50000 Euro aus der Treuespende sowie 20000 Euro aus dem LO-Plafond der Stiftung Ostpreußen für den Ankauf zur Verfügung gestellt. Inzwischen haben auch einige Kreisgemeinschaften Unterstützung signalisiert. Dafür danke ich im Namen des Bundesvorstandes.

Meine Damen und Herren, der Bundesvorstand hat insbesondere durch die Kontakte des Sprechers auch im vergangenen Jahr Verbindung zu maßgeblichen Vertretern der politischen Klasse gehalten. Diese Lobbyarbeit war erfolgreich. Sie soll auch auf Repräsentanten der Grünen Partei ausgeweitet werden.

Liebe Landsleute, die Mitglieder der OLV müssen jederzeit über den Gesamtzustand des Verbandes und seine innere Verfaßtheit Gewißheit haben. Dazu zählt auch die Frage, inwieweit wir nach außen ein Bild der Geschlossenheit abgeben und inwieweit die korporativen Mitglieder sowie die wenigen Einzelmitglieder zu den Zielen der LO und des Dachverbandes BdV stehen. Tendenzen zur Entsolidarisierung sind in der LO nicht zu übersehen, aber nur geschlossen und einig werden wir in der Zukunft als Gesprächspartner ernst genommen.

Der Sprecher arbeitet für Ostpreußen und die Ostpreußen, heute noch eben so hart wie 1990 oder 1998. Da hat es kein Nachlassen gegeben. Zahlreich sind die Bitten an den Sprecher, bei den Untergliederungen zu sprechen. Mein letztes freies Wochenende hatte ich am 20. / 21. August dieses Jahres, und das nächste freie Wochenende wird hoffentlich das 1. Adventwochenende sein. Zunehmend mehr bitten mich Kreise außerhalb der LO um Vorträge, bzw. um Ansprachen. Über meinen kürzlichen Einsatz in Budapest konnten Sie in der PAZ lesen. Meine Damen und Herren, ich fordere nie ein Honorar und ich bekomme auch keins. Es geht immer um Ostpreußen und ich ducke mich nie weg. Ich schreibe meine Reden und Artikel stets selbst. Nicht von ungefähr hat der Bundesvorstand entschieden, daß der Sprecher die Ansprache beim Sommerfest der LO in Lötzen halten soll.

In der nächsten Woche findet ein Gespräch auf europäischer Ebene statt, in dem ausgelotet werden soll, ob die Gründung eines europäischen Vertriebenenverbandes möglich ist.

Beim BdV-Präsidium waren im März Neuwahlen. Ich wurde dabei mit einem hervorragenden Ergebnis als Vizepräsident bestätigt. Mit einem guten Ergebnis wurde auch Dr. Wolfgang Thüne in das Präsidium gewählt.

Doch nun geht der Blick nach vorne. Der Bundesvorstand bittet Sie, einer Satzungsänderung zuzustimmen, die eine nochmalige Verkleinerung des Bundesvorstandes zum Ziel hat. Es hat sich im letzten Jahr auch bei der LO gezeigt, was schon immer gesicherte Erkenntnis war. Kleinere Gremien arbeiten effektiver und zügiger als große. Mit insgesamt acht Vorstandsmitgliedern ist der Bundesvorstand völlig ausreichend besetzt. Es wurde auch die Zahl sieben in Erwägung gezogen. Es ist aber wünschenswert, daß im Bundesvorstand jüngere und auch berufstätige Persönlichkeiten mitwirken. Von denen kann immer mal einer verhindert sein. Deswegen schlägt der Bundesvorstand für die Zukunft einen achtköpfigen Vorstand vor.

Es hat mir Freude gemacht, den reduzierten, aber zuverlässig arbeitenden Bundesvorstand an der Seite zu haben. Ich danke unseren beiden Damen im Vorstand für ihr gewissenhaftes Mitwirken. Frau Lüttich und Frau Stramm sind ein sehr positives Element im Vorstand. Beide sind erfahrene Führungspersönlichkeiten, das gilt für die Berufsphase wie für die ehrenamtliche Tätigkeit als Kreisvertreterin bzw. Landesgruppenvorsitzende. Frau Lüttich möchte ich an dieser Stelle noch einmal besonders danken. Trotz ihrer Belastung als Bundesvorsitzende der ostpreußischen Frauenkreise hat sie sich auch als Landesgruppenvorsitzende für Baden-Württemberg in die Pflicht nehmen lassen. Herr Böld ist immer ansprechbar und, wenn erforderlich, jederzeit zu einer Reise nach Hamburg bereit. Sein Rat im Vorstand war immer hilfreich. Mit Wolfgang Thüne verbindet mich viel, er steht mir von Beginn meiner Sprecherzeit an als Stellvertreter zur Seite. Gottfried Hufenbach hat sich seit seiner Wahl vor zwei Jahren stark und engagiert in die Vorstandsarbeit eingebracht. Er betreut das Gebiet südliches Ostpreußen und ist da genau an der richtigen Stelle. Außerdem arbeitet er mit Stolle und Grigat an dem Konzept Restrukturierung, um die LO zukunftsfähig zu machen. Er wird darüber noch berichten. Rüdiger Stolle danke ich für sein Mitwirken.

Ein besonderer Dank gilt Stephan Grigat, er hat sofort zugestimmt, als ich ihn bat, als kooptiertes Mitglied im Bundesvorstand mitzuwirken.

Zu meiner Person: Ich bin nun von allen Sprechern am längsten im Amt. Ich habe schon vor meiner Zeit als Sprecher gewußt, daß der Mensch des Menschen Wolf ist. Aber ich hätte nicht für möglich gehalten, im Sprecheramt zahlreichen Diffamierungskampagnen ausgesetzt zu sein. Ich habe nicht mit großem Dank gerechnet, wohl aber, daß man mich mit Gerechtigkeit beurteilt. Dies hat dankenswerterweise die große Mehrheit der Ostpreußischen Landesvertretung bisher auch immer getan.

Durch Gebet und den moralischen Zuspruch meiner Familie und wirklichen Freunden hier in der OLV, habe ich das leisten können, was ich für Ostpreußen und die Ostpreußen geleistet habe. Den Benediktiner-Wahlspruch "Arbeit mit Gebet verbunden, hat Gottes Segen stets gefunden", habe ich erfahren. Und Luthers großartiges Wort ist mir Leitlinie geworden: "Ein Christ ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan. Ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan." Der erste Satz gilt nur, wenn man den zweiten Satz persönlich praktiziert. Daraus erwächst Souveränität und Unabhängigkeit.

Mit einem Dank an die Mitarbeiter in der Bundesgeschäftsstelle und bei der Redaktion, will ich diesen Lagebericht beenden. Danke für Ihr geduldiges Zuhören.


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