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03.02.07 / Von wo die Reformation ausging / In Wittenberg wurden Martin Luthers 95 Thesen an das Hauptportal der Schloßkirche geschlagen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-07 vom 03. Februar 2007

Von wo die Reformation ausging
In Wittenberg wurden Martin Luthers 95 Thesen an das Hauptportal der Schloßkirche geschlagen
von Manuel Ruoff

Daß sich die evangelische Kirche im Lande Martin Luthers wie weiland schon für die Wahl ihres einzigen Reichsbischofs nun auch für ihren Zukunftskongreß Wittenberg ausgesucht hat, ist kein Zufall. Vielmehr gilt Wittenberg als die Lutherstadt. Hier hat der Reformator einen großen und wichtigen Teil seines Lebens verbracht und hier wurden seine berühmten 95 Thesen an das Hauptportal der Schloßkirche geschlagen, von denen die Reformation ausging, an der zusammen mit der Entdeckung der neuen Welt, der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und dem Untergang Ostroms das Ende des Mittelalters und der Beginn der Neuzeit festgemacht wird.

Nachdem Martin Luther vorher schon in Wittenberg studiert hatte, wurde er von seinem Ordensvorgesetzten 1511 vom Erfurter an den Wittenberger Augustinerkonvent versetzt. Im darauffolgenden Jahr promovierte er an der kursächsischen Landesuniversität zum Doktor der Theologie und übernahm die dortige Professur für Bibelauslegung, die er bis zu seinem Lebensende innehatte.

Kennzeichnend für Luther ist sein starkes Sühnebewußtsein. Ihn trieb die Frage um, wie er mit seiner Schuld vor Gott bestehen könne. Um das ewige Heil zu erlangen, hatte er den Weg gewählt, den seine Zeit für den sichersten hielt, war er Mönch geworden und in das Kloster der Augustiner-Eremiten zu Erfurt eingetreten. Auf der Suche nach der Antwort auf die ihn quälende Frage hatte er irgendwann zwischen 1511 und 1518 im Turmzimmer des Wittenberger Schlosses das sogenannte Turmerlebnis. Er kam zu der Erkenntnis, daß die Gerechtigkeit des Menschen nicht dessen Leistung ist, sondern Gnade Gottes.

Zu dieser Erkenntnis, die zur Kernaussage seiner Theologie wurde, ist Luther gekommen, nachdem er in keinem der erprobten kirchlichen Mittel, weder in der Askese oder im Bußsakrament noch in der Mystik oder der Anrufung der Heiligen, die ersehnte Antwort gefunden hatte. Insbesondere bezweifelte er, daß die von der Kirche den Gläubigen unter dem Motto "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt" zum Kauf angepriesenen Ablaßbriefe die Lösung seien. Nachdem er schon vorher auf andere Weise gegen den Verkauf dieser Briefe gewettert hatte, formulierte er seine Kritik 1517 in 95 Thesen, die höchstwahrscheinlich von ihm selber am 31. Oktober an das Hauptportal der Schloßkirche von Wittenberg geschlagen wurden.

Das Thesenpapier zog weite Kreise, und Luther mußte sich vor kirchlichen wie weltlichen Instanzen rechtfertigen. Als der Papst ihm in einer Bulle für den Fall, daß er nicht widerrufe, mit dem Kirchenbann drohte und Bücher Luthers verbrannt wurden, verbrannte Luther seinerseits ein Druckexemplar der päpstlichen Bulle vor dem Elstertor auf dem Schindanger Wittenbergs. Die päpstliche Antwort war 1521 die Exkommunizierung. Das Tischtuch zwischen Luther und der katholischen Kirche war damit zerrissen.

Die Reichsacht war die Folge. Um den Vogelfreien zu schützen, inszenierte sein Landesherr seine Entführung auf die Wartburg, wo er die Bibel übersetzte. Gegen den Willen des Kurfürsten kehrte er jedoch 1522 nach Wittenberg zurück, wo der 1546 Verstorbene heute noch in der Schloßkirche begraben liegt.


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