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03.02.07 / Mit einem Fünkchen Liebe / Gleich zwei Museen erinnern an die Puppenmacherin Käthe Kruse

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-07 vom 03. Februar 2007

Mit einem Fünkchen Liebe
Gleich zwei Museen erinnern an die Puppenmacherin Käthe Kruse
von Helga Steinberg

Vor ein paar Wochen noch standen sie unter dem Weihnachtsbaum und wurden von frischgebackenen Puppenmüttern in die Arme genommen. Lang ersehnt, waren "Schlenkerchen" und "Hampelchen", waren Fritz und "Träumerchen" endlich auf dem Gabentisch eingetroffen. Doch es waren nur ganz selten kleine Mädchen, die diese Puppen in die Arme schlossen, denn zum "Kaputtlieben" waren die Prachtstücke aus Donauwörth zu kostbar und zu teuer. Es waren meist deren Mütter, die sich ihren Kindertraum bewahrt hatten und endlich eine Käthe-Kruse-Puppe ihr eigen nennen konnten.

Zum Knuddeln zu schade, bei Sammlern heiß begehrt. Ein Spielzeug, das seinen Weg ins Museum gefunden hat. Ob seine Schöpferin Käthe Kruse das so gewollt hat, sei dahingestellt. Schließlich hat sie einst die "Kinder für Kinder" schaffen wollen, damit diese damit spielen und an ihnen lernen konnten. Zuerst waren es die eigenen Kinder, die mit diesen Puppen spielen sollten, denn Vater Max, der Bildhauer war, weigerte sich, Puppen zu kaufen: "Ich finde sie scheußlich. Wie kann man mit einem harten, kalten und steifen Ding mütterliche Gefühle wecken? Macht Euch selber welche! Eine bessere Gelegenheit, sich künstlerisch zu entwickeln, kannst du dir gar nicht wünschen", ermunterte er seine Frau.

Die erste Käthe-Kruse-Puppe erblickte im Jahr 1910 das Licht der Welt, nachdem die 1883 in Dambrau bei Breslau geborene Käthe Kruse bereits 1905 erste Puppen für ihre Kinder selbst gefertigt hatte. Weich, unzerbrechlich und abwaschbar sollten sie sein, die Puppen der mehrfachen Mutter. Die Konkurrenz zu den damals gebräuchlichen Porzellanpuppen war geboren und eroberte die Kinderherzen im Nu.

1910 nahm Käthe Kruse mit ihrer "Puppe I" an einer Ausstellung des Berliner Warenhauses Tietz unter dem Motto "Spielzeug aus eigener Hand" teil und legte so den Grundstein zu ihrer Karriere als Puppenmacherin.

Viele weitere Entwürfe folgten. Die Breslauerin entwickelte sich bald zu einer erfolgreichen Unternehmerin mit absolutem Qualitätsanspruch. Neben der arbeitsreichen Tätigkeit als siebenfache Mutter widmete sich

die Geschäftsfrau mit großem Elan bald auch neuen Herausforderungen. So entwickelte sie in den 1930er Jahren Schaufensterpuppen, die in Fachkreisen zu einem Begriff wurden und auf Weltausstellungen sogar Preise errangen. Für den niederländischen Pavillon auf der Weltausstellung in New York 1939 schuf sie 17 lebensgroße Figuren, die Menschen aus Asien, Afrika und Nordamerika in ihren landesüblichen Trachten zeigten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Käthe Kruse gezwungen, ihr Werk in Bad Kösen aufzugeben, die "Reste" wurden in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt. Dort stellte man bis 1964 Puppen im Stil der Käthe Kruse unter der Bezeichnung "Kösener Künstlerpuppen" her.

Die Familie Kruse versuchte einen Neuanfang zunächst in Bad Pyrmont, dann in Donauwörth, wo sich der Betrieb heute noch befindet, allerdings nicht mehr in Familienbesitz. - Käthe Kruse starb am 19. Juli 1968 in Murnau. Seit 1993 erinnern gleich zwei Museen an die Frau mit dem großen Herzen für Kinder: in Bad Kösen und in Donauwörth. In beiden Häusern wird neben den Puppenkindern auch auf die wechselvolle Firmengeschichte eingegangen. Gezeigt wird natürlich ebenfalls die Produktion. In Donauwörth kann man über Telefone Interviews mit Käthe Kruse aus den 1960er Jahren abrufen und so der Puppenmutter zuhören, wenn sie über die Entstehung ihrer Puppen plaudert.

"Was ich liebend am Herzen trug, das wollte ich nachbilden, mit fühlender Hand geliebt und nachgeformt fast mit geschlossenen Augen, und das liebt nun ihr?" sagte sie 1925. "Auch in dieser verrückten und grenzenlosen Zeit sind vielleicht die Dinge noch ebenso unerhört einfach geblieben, sind die treibenden Kräfte noch dieselben und kann sich in Sonderheit ein Fünkchen Liebe todsicher durchsetzen und umsetzen in aller Lust und allem Wust und Krach - trotzdem?"

Die Käthe-Kruse-Puppensammlung im Romanischen Haus Bad Kösen, Am Kupfergestänge, ist von Mai bis Oktober dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr, am Wochenende von 10 bis 17 Uhr geöffnet, von November bis April mittwochs von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr, am Wochenende von 10 bis 16 Uhr.

Das Käthe-Kruse-Puppen-Museum im ehemaligen Kapuzinerkloster Donauwörth, Pflegstraße 21 a, ist im April und Oktober täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr, von Mai bis September von 11 bis 17 Uhr, November bis März jeden Mittwoch, Sonnabend, Sonntag und Feiertag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Foto: Käthe-Kruse-Puppen: Heute sind die lebensecht gestalteten Puppen auch beliebte Sammelobjekte.


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