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03.02.07 / Not nicht ignorieren / Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens für einen Königsberger

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 05-07 vom 03. Februar 2007

Not nicht ignorieren
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens für einen Königsberger

Die Freizeit genießen, sich seinem Hobby widmen, reisen, kurz gesagt "die Seele baumeln lassen". So läßt sich der Ruhestand vieler Senioren beschreiben. Als Hans-Ludwig Scharffenberg 1995 seinen Posten als Verwaltungsleiter der Rheumaklinik in Oberammergau verließ und in Pension ging, schlug er einen anderen Weg ein. Noch im selben Jahr rief er den Verein "Humanitäre Hilfe Oblast Kaliningrad / Königsberg" ins Leben und wirkt seitdem zusammen mit 90 Mitgliedern, Freunden und Gönnern in selbstloser Weise für Bedürftige in Königsberg. 25 Hilfstransporte sind in dieser Zeit von ihm organisiert und durchgeführt worden.

Für seine "unermüdlichen Bemühungen", sein "uneigennütziges und großherziges Handeln" hat Bundespräsident Horst Köhler Scharffenberg das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die Auszeichnung überreichte im Rahmen einer Feierstunde in München Bayerns Sozialministerin Christa Stewens.

Der frühere Verwaltungschef hat sich nach seiner Pensionierung zur Aufgabe gemacht, die evangelische Kirche, Kranken- sowie Waisenhäuser in Königsberg zu unterstützen. Durch seine Verbindungen und großes Engagement gelang es ihm immer wieder, Geld- und Sachspenden aufzutreiben: Dies reichte von Krankenhausbetten über Rollstühle zu Bettwäsche sowie von Matratzen über Medikamente und Verbandsmaterial bis hin zu Laborbedarf, Dialysegeräten und Kindernahrung.

Insgesamt hat der Verein bisher Hilfsgüter im Wert von 1,5 Millionen Euro nach Königsberg geliefert. Auf diese große Unterstützung ist es auch zurückzuführen, daß die Dialysestation im Königsberger Gebietskrankenhaus heute zu den modernsten ihrer Art in der Russischen Föderation gehört. Im Besonderen widmet sich der Verein zur Zeit chronisch erkrankten kleinen Patienten in den Kinderkliniken, jenen, die an Mukoviszidose und Diabetes leiden, sowie Straßenkindern und Sozialwaisen. "Oftmals fällt es nicht leicht, diese Not und die schlechte medizinische Versorgung mit ansehen zu müssen", so der gebürtigem Königsberger Scharffenberg. Ans Aufhören denkt er nicht, "... weil die Kinder unsere Hilfe dringend brauchen". EB

 

Glossar: Mukoviszidose (Zystische Fibrose)

Ist eine erbliche Erkrankung, die nicht heilbar ist. Sie besteht von Geburt an, wird aber häufig erst später diagnostiziert. Mukoviszidose führt zu schweren Störungen der Atmung und Verdauung. Die Absonderung bestimmter Körperflüssigkeiten wie Schweiß und Schleim ist gestört. Die Sekrete in der Lunge, Bauchspeicheldrüse und anderen Organen wie der Leber sind zäher als bei nicht erkrankten Kindern. Die feinen Äste der Bronchien, die Gänge der Bauchspeicheldrüse und die Gallengänge verstopfen, die Organe können nicht mehr richtig arbeiten.

Die Erkrankung führt zum Funktionsverlust der Atemwege und des Verdauungstrakts mit früher Todesfolge. Die langsame, aber stetige Verschlechterung der Stoffwechselfunktionen ist nicht aufzuhalten, läßt sich aber durch frühzeitige und intensive Behandlungsmaßnahmen entscheidend verzögern.

Die Krankheit ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Auch der Zeitpunkt variiert, an dem erkennbare Symptome auftreten und sich die Krankheit diagnostizieren läßt.

Mukoviszidose ist eine der häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen bei kaukasischen und europäischen Völkern. Sie ist auch die häufigste Erbkrankheit in Westeuropa. In Deutschland leben rund 8000 Menschen mit Mukoviszidose. Fünf Prozent der Bevölkerung, also rund vier Millionen Menschen, sind gesunde Merkmalsträger. Sie können die Krankheit weitervererben, meist ohne es zu wissen. Jedes Jahr kommen in der Bundesrepublik rund 300 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt.

Foto: Sozialministerin Stewens überreicht Hans-Ludwig Scharffenberg die Auszeichnung.


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